Fiona Bliedtner über Qualzucht, modernen Tierschutz und das Leben mit drei Hunden

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
Mehr über das Projekt Petcaster

In dieser Episode des Podcasts The Petfood Family spricht Moderator Jan Dießner mit Fiona Bliedtner, einer Frau, die ihre zwei größten Leidenschaften - Hunde und Tanzen - zum Beruf gemacht hat. Als ausgebildete Hundephysiotherapeutin und Tanzlehrerin führt sie ein Leben, das auf den ersten Blick unvereinbar scheint. Gleichzeitig engagiert sie sich mit ganzem Herzen im Tierschutz und ist Mitgründerin des Vereins FAM for Dogs e.V.

Das Gespräch taucht tief in die emotionalen und ethischen Herausforderungen der Hundephysiotherapie ein, insbesondere im Umgang mit sogenannten Qualzuchten. Fiona teilt ihre persönlichen Erfahrungen, die sie zur Gründung eines eigenen Tierschutzvereins bewegten, und gibt Einblicke in einen modernen, nachhaltigen Ansatz für die Tierschutzarbeit im Ausland. Diese Episode ist eine wertvolle Ressource für alle, die sich für Hundegesundheit, die Realitäten des Tierschutzes und die Frage interessieren, wie man ein erfülltes Leben mit der Verantwortung für mehrere Hunde vereinbaren kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Prägung durch das Elternhaus: Fionas tierschutzaffine Erziehung legte den Grundstein für ihre Entscheidung, sich für Hunde aus dem Tierschutz zu engagieren, anstatt einen Hund vom Züchter zu holen.
  • Qualzucht als moralische Belastung: In ihrem Beruf als Hundephysiotherapeutin wird Fiona täglich mit den gravierenden gesundheitlichen Problemen von Rassen wie der Französischen Bulldogge konfrontiert, was sie als zunehmend belastend empfindet.
  • Nachhaltiger Tierschutz: Der Fokus ihres Vereins FAM for Dogs e.V. liegt auf nachhaltiger Arbeit vor Ort, insbesondere auf Kastrationsprojekten in Rumänien und Lombok, da dies die einzige langfristige Lösung zur Eindämmung des Tierleids ist.
  • Moderne Vereinsarbeit: Mit einer frischen „Start-up-Mentalität“, klaren Strukturen und offener Kommunikation gelingt es ihrem Verein, in kürzester Zeit viele engagierte Freiwillige zu gewinnen.
  • Vereinbarkeit von Hundehaltung und Lebensstil: Fiona zeigt eindrücklich, dass ein modernes Leben in der Großstadt, inklusive Ausgehen und Selbstverwirklichung, mit der verantwortungsvollen Haltung von drei Hunden, darunter einer mit Handicap, vereinbar ist.
  • Individuelle Trainingsprioritäten: Für ein funktionierendes Zusammenleben ist es entscheidender, dass ein Hund die für den Alltag wirklich wichtigen Dinge kann (wie entspanntes Alleinbleiben), als perfektionierte Kommandos wie „Sitz“.

Vom Tierschutzkind zur Hundephysiotherapeutin

Fiona Bliedtner erklärt, dass ihre tiefe Verbundenheit zum Tierschutz bereits in ihrer Kindheit durch ihre Mutter geprägt wurde. In ihrer Familie war es selbstverständlich, Tieren in Not zu helfen, weshalb auch ihr erster eigener Hund, Bounty, aus dem rumänischen Tierschutz kam. Diese Entscheidung fiel damals ganz klassisch über ein Foto auf Facebook - eine Vorgehensweise, die sie heute kritischer sieht. Die Erfahrung mit Bounty öffnete ihr die Augen für das Ausmaß des Leids und entfachte ihre Leidenschaft für den Auslandstierschutz.

Der Weg zur Hundephysiotherapie war ebenfalls direkt mit ihrem Hund verbunden. Als Bounty sich im Alter von nur sechs Monaten schwer verletzte und operiert werden musste, war eine Physiotherapie unumgänglich. Fiona berichtet, wie sie bei der ersten Behandlung durch eine Freundin ihrer Mutter sofort wusste: „Das ist mein Job.“ Die Kombination aus ihrer Faszination für Tiere und ihrer Erfahrung als Tänzerin und Tanzlehrerin mit einem tiefen Verständnis für Körper und Bewegung fügte sich perfekt zusammen. Sie begann kurz darauf ihre Ausbildung und sammelte durch zahlreiche Hospitationen unschätzbare praktische Erfahrungen.

Die moralische Zerreißprobe: Qualzucht in der Praxis

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die emotionale und ethische Belastung, die Fionas Arbeit als Hundephysiotherapeutin mit sich bringt. Sie behandelt häufig Hunde aus Qualzuchten, wie Französische Bulldoggen oder Möpse, die unter einer Vielzahl an schmerzhaften, angeborenen Krankheiten leiden - von Atemnot über Keilwirbel bis hin zu Gelenkproblemen. Fiona beschreibt, wie frustrierend es ist, wenn Halter die Symptome ihrer Tiere normalisieren („der schnarcht halt ein bisschen“) und das systemische Problem nicht erkennen.

Diese Erfahrungen haben ihre Haltung radikalisiert und führen dazu, dass sie die Zucht von Hunden generell infrage stellt, solange unzählige Tiere in Tierheimen warten. Jan und Fiona diskutieren, warum es politisch und gesellschaftlich nicht gelingt, die Zucht solcher offensichtlich kranken Rassen zu verbieten. Fiona vermutet, dass viele Züchter und Käufer die Probleme verdrängen und sich einreden, ihr eigener Hund sei „frei atmend“ und gesund. Sie ist überzeugt, dass sich erst dann etwas ändern würde, wenn es die Menschen finanziell spüren - sei es durch drastisch höhere Steuern oder ein komplettes Haltungs- und Zuchtverbot, wie es in anderen Ländern bereits existiert.

FAM for Dogs e.V. - Ein moderner Ansatz im Tierschutz

Ihre erste Reise nach Rumänien im Jahr 2019 war ein Wendepunkt für Fiona. Konfrontiert mit dem Elend der Straßenhunde, fand sie dort ihre Hündin Nala und wusste, dass sie mehr tun musste. Nach einigen Jahren, in denen sie für andere Vereine aktiv war, gründete sie schließlich gemeinsam mit ihrer Freundin Mieke den Verein FAM for Dogs e.V. (Fight and Movement for Dogs).

Fiona betont, warum die Gründung eines eigenen Vereins notwendig war: Viele bestehende Organisationen erschienen ihnen „altbacken“ in ihren Strukturen oder verfolgten Ansätze, hinter denen sie moralisch nicht zu 100 % stehen konnten. Ihr Hauptfokus liegt auf nachhaltiger Arbeit vor Ort. Anstatt nur massenhaft Hunde nach Deutschland zu vermitteln, was das Problem an der Wurzel nicht löst, konzentriert sich FAM for Dogs auf Kastrationsprojekte. Die Vermittlung soll sehr klein und ausschließlich über Pflegestellen erfolgen. Der Verein zeichnet sich durch eine moderne, fast unternehmerische Struktur mit klaren Zuständigkeiten, einer effizienten Kommunikationsplattform und einer „Start-up-Mentalität“ aus. Dieser Ansatz ermöglicht es ihnen, Ideen schnell umzusetzen und hat in kurzer Zeit eine beeindruckende Zahl von rund 35 Freiwilligen angezogen.

Leben ohne Kompromisse: Drei Hunde, High Heels und Großstadt

Gegen Ende des Gesprächs teilt Fiona sehr persönliche Einblicke in ihren Alltag. Sie lebt als Single mit ihren drei rumänischen Hunden - darunter ein Rüde mit nur zweieinhalb Beinen - mitten in Hamburg. Sie widerlegt das Klischee, dass ein Leben als verantwortungsvolle Mehrhundehalterin Verzicht bedeuten muss. Offen erzählt sie, dass sie es liebt, auszugehen, High Heels zu tragen und ein soziales Leben zu führen, das sich nicht ausschließlich um Hunde dreht.

Für sie ist es essenziell, dass ihre Hunde entspannt allein bleiben können, da dies die Freiheit für ihr eigenes Leben ermöglicht. Ob ein Hund perfekt „Sitz“ kann, ist ihr im Vergleich dazu unwichtig. Fionas Botschaft ist klar: Man kann eine engagierte Tierschützerin und Hundemama sein, ohne die eigene Identität aufzugeben. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden, das sowohl den Bedürfnissen der Hunde als auch den eigenen gerecht wird.

Denkanstöße für engagierte Hundefreunde

  1. Hinterfrage deine Prägung: Reflektiere, woher deine Vorstellungen über den „idealen“ Hund kommen. Ist es die Gewohnheit aus dem Elternhaus oder eine bewusste Entscheidung für ein Tier aus dem Tierschutz?
  2. Informiere dich kritisch über Rassen: Wenn du dich für einen Rassehund interessierst, recherchiere dessen gesundheitliche Veranlagungen bei unabhängigen Quellen wie Tierärzten oder Physiotherapeuten, nicht nur bei Züchtern.
  3. Unterstütze nachhaltigen Tierschutz: Achte bei der Unterstützung von Tierschutzorganisationen darauf, ob sie langfristige Lösungen wie Kastrationsprogramme vor Ort fördern. Das ist der Schlüssel, um Leid nachhaltig zu verringern.
  4. Setze die richtigen Prioritäten im Training: Konzentriere dich auf die Fähigkeiten, die für dein Zusammenleben mit deinem Hund wirklich entscheidend sind. Ein entspanntes Alleinbleiben kann wertvoller sein als jeder Trick.
  5. Bleib du selbst: Fühle dich nicht schuldig, wenn du Hobbys und ein Leben außerhalb der „Hundewelt“ hast. Ein ausgeglichener und glücklicher Mensch ist auch ein besserer Partner für seinen Hund.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.