Frust bei Hunden verstehen und erkennen

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In dieser Episode des Podcasts Hundsfa(e)lle geben die Hosts Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak eine fundierte Einführung in das Monatsthema Frustration bei Hunden. Sie definieren, was Frust ist, wie man ihn erkennt und grenzen ihn von verwandten, aber unterschiedlichen Konzepten wie Impulskontrolle und erlernter Hilflosigkeit ab. Die Episode richtet sich an alle Hundehalter:innen, insbesondere an jene, die mit Verhaltensweisen wie Leinenaggression, ständigem Bellen oder Zerstörungswut konfrontiert sind, und zeigt auf, dass oft eine mangelnde Frustrationstoleranz die eigentliche Ursache ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Frust ist eine normale Emotion: Yvonne und Mustafa betonen, dass Frustration kein Zeichen von Ungehorsam oder Sturheit ist, sondern ein normales Gefühl, das entsteht, wenn ein Bedürfnis des Hundes nicht erfüllt wird.
  • Vielfältige Anzeichen erkennen: Frust äußert sich durch eine Reihe von Signalen, darunter akustische (Fiepen, Jaulen, Bellen), körperliche (Stresshecheln, Zittern, Kratzen) und Übersprungshandlungen (in die Leine beißen, hektisches Herumrennen).
  • Unbehandelter Frust kann eskalieren: Wenn ein Hund nicht lernt, mit Frust umzugehen, kann sich die Emotion laut Mustafa zu Wut und Aggression entwickeln, was häufig eine Ursache für Leinenaggression ist.
  • Frust ist nicht Impulskontrolle: Die Hosts grenzen die Begriffe klar voneinander ab. Impulskontrolle ist das Zurückhalten einer Handlung (trainierbar), während Frustrationstoleranz die Fähigkeit ist, eine negative Emotion auszuhalten und zu verarbeiten.
  • Resignation ist nicht erlernte Hilflosigkeit: Ein Ziel des Trainings ist, dass der Hund resigniert und akzeptiert, sein Ziel nicht zu erreichen. Yvonne erklärt, dass dies nicht mit erlernter Hilflosigkeit zu verwechseln ist, bei der ein Hund aufgrund unkontrollierbarer negativer Erfahrungen die Initiative komplett aufgibt.
  • Frustration ist oft die Wurzel des Problems: Viele verbreitete Verhaltensprobleme wie Schwierigkeiten bei Hundebegegnungen, ein unzuverlässiger Rückruf oder Trennungsstress sind laut Yvonne zu 95 % auf eine mangelnde Frustrationstoleranz zurückzuführen.

Was ist Frust und woran erkennst Du ihn?

Mustafa Irmak leitet das Thema ein, indem er Frust als das Gefühl definiert, das entsteht, wenn ein Bedürfnis nicht befriedigt werden kann. Ein klassisches Beispiel sei ein Hund, der einen Artgenossen sieht, aber an der Leine nicht zu ihm hinlaufen darf. Dieses Unvermögen, das gewünschte Ziel zu erreichen, erzeugt eine innere Anspannung.

Yvonne Nawrat ergänzt, dass sich diese Anspannung in vielfältigen Verhaltensweisen äußern kann. Zu den typischen Frustsignalen zählen:

  • Akustische Signale: Fiepen, Quietschen, Jaulen oder Bellen.
  • Körperliche Anzeichen: Stresshecheln (kurze, stoßweise Atemzüge, auch bei Kälte), Zittern oder unruhiges Hin- und Herlaufen.
  • Übersprungshandlungen: Der Hund versucht, die innere Spannung abzubauen, indem er sich kratzt, in die Leine oder das Geschirr beißt, am Boden scharrt oder seinen Menschen anbellt.

Anhand des Beispiels ihrer Labradorhündin Erna illustriert Yvonne, wie sich Frust aufbaut: Erna durfte als Welpe zu jedem Hund hinlaufen. Als dieses Verhalten später unterbunden wurde, entwickelte sie Frust, der sich durch Quietschen, Schütteln und das Anbellen des Frauchens zeigte. Im Gegensatz dazu äußert Mustafas Hund Ruthie seinen Frust leiser, indem er sich zurückzieht, scharrt und hektisch im Zickzack läuft.

Die Eskalation von Frust: Von Enttäuschung zu Aggression

Beide Hosts warnen davor, Frustration zu ignorieren. Mustafa erklärt, dass die anfangs neutrale emotionale Spannung in Wut und Aggression umschlagen kann, wenn der Hund keine Strategien zum Umgang damit erlernt. Ein häufiges Resultat sei die Entwicklung einer Leinenaggression. Ein Hund, der stets zu anderen Hunden durfte und plötzlich daran gehindert wird, kann seine Enttäuschung in aggressives Verhalten umwandeln, weil er mit dem aufgestauten Frust nicht umgehen kann.

Die entscheidende Abgrenzung: Frustration, Impulskontrolle und erlernte Hilflosigkeit

Ein zentraler Punkt der Episode ist die klare begriffliche Trennung, um Missverständnisse im Training zu vermeiden.

Frustrationstoleranz vs. Impulskontrolle: Mustafa stellt klar, dass diese Begriffe oft fälschlicherweise synonym verwendet werden.

  • Impulskontrolle bezieht sich auf eine konkrete, vom Hund steuerbare Handlung. Yvonne nennt als Beispiele das Warten vor dem Futternapf oder das ruhige Sitzen beim Anleinen. Es ist ein trainierbares Verhalten, bei dem der Hund lernt, einen Impuls zu unterdrücken.
  • Frustrationstoleranz hingegen ist der Umgang mit einer Emotion. Das Training zielt darauf ab, dass der Hund lernt, die innere Anspannung auszuhalten und eigenständig Strategien zur Selbstregulation zu entwickeln, anstatt auf ein Kommando zu warten.

Resignation vs. erlernte Hilflosigkeit: Yvonne geht auf die Gefahr einer Verwechslung dieser beiden Zustände ein.

  • Resignation im Kontext des Trainings sei ein positives Ziel: Der Hund erkennt, dass sein frustriertes Verhalten nicht zum Erfolg führt, und gibt auf. Er akzeptiert die Situation und beruhigt sich.
  • Erlernte Hilflosigkeit ist, wie Yvonne anhand eines Experiments mit Mäusen unter Stromreizen erklärt, ein pathologischer Zustand. Das Tier lernt, dass es seiner Situation unter keinen Umständen entfliehen kann, und stellt daraufhin jegliche Versuche ein, sich zu befreien - selbst wenn es später eine Möglichkeit dazu gäbe. Dies ist ein Zustand der Apathie und hat mit gezieltem Frustrationstoleranz-Training nichts zu tun.

Frustration als Wurzel vieler Probleme: Ein Fallbeispiel

Yvonne berichtet von einem dreijährigen Hund aus ihrem Bootcamp-Training, der trotz intensiven Trainings weiterhin Probleme bei Hundebegegnungen, mit dem Rückruf und dem Alleinbleiben hatte. Ihre Analyse ergab, dass 95 % seiner Verhaltensauffälligkeiten auf eine extrem niedrige Frustrationstoleranz zurückzuführen waren. Der Hund hatte nie gelernt, mit seinen Gefühlen umzugehen, weshalb er in reizintensiven Situationen nicht lernfähig war und die Besitzerin das Gefühl hatte, immer wieder bei null anfangen zu müssen. Dieser Fall verdeutlicht, wie entscheidend die Fähigkeit zur Frustbewältigung für den gesamten Trainingserfolg ist.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Die Hosts betonen, dass Frustrationstoleranz und Ruhe oft als "langweilige" Trainingsthemen vernachlässigt werden, obwohl sie die Basis für ein ausgeglichenes Hundeleben bilden. Sie kündigen an, in den kommenden Episoden konkrete Hilfestellungen zu geben: In der nächsten Folge werden praktische Übungen vorgestellt, mit denen Du die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz Deines Hundes ohne Druck aufbauen kannst. Als Expertin wird die Buchautorin Maren Grote zu Gast sein, um ihr Buch "Frust lass nach" vorzustellen und das Thema weiter zu vertiefen. Die Zusammenfassung der Folge 116 - "Frust lass nach" - Buchvorstellung mit Maren Grote könnt ihr natürlich auch bei uns lesen. 

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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