Futter, Lob oder Streicheln? Was Hunde wirklich als Belohnung empfinden
In einer neuen „Fundstück“-Episode des Podcasts Furminant tauchen die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack tief in die Welt der Belohnungen im Hundetraining ein. Ausgehend von einem Online-Artikel, der sich auf wissenschaftliche Studien stützt, diskutieren sie die Wirksamkeit von Futter im Vergleich zu sozialem Lob und Streicheleinheiten. Die zentrale Frage, die dabei im Raum steht: Ist ein Leckerli wirklich immer die beste Belohnung oder bewerten Hunde die Zuwendung ihrer Bezugspersonen möglicherweise viel höher? Diese Folge liefert wichtige Denkanstöße für alle Hundehaltenden, die ihre Belohnungsstrategien hinterfragen und besser auf die individuellen Bedürfnisse ihres Hundes abstimmen möchten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine fMRT-Studie mit 15 Hunden deutet darauf hin, dass die Gehirne von 13 Tieren auf soziales Lob gleich stark oder sogar stärker reagierten als auf Futter.
- Die Wertigkeit einer Belohnung ist nicht angeboren, sondern wird gelernt. Alex berichtet, wie sein Hund Louis erst durch Johannas Training Futter als hochkarätige Belohnung zu schätzen lernte.
- Futter hat eine einzigartige Eigenschaft: Es eignet sich hervorragend, um die Aufmerksamkeit eines Hundes gezielt zu lenken oder ihn zu einem bestimmten Verhalten zu „bestechen“ - eine Funktion, die soziales Lob nur schwer erfüllen kann.
- Der Kontext ist entscheidend. Während soziale Zuwendung in einer ruhigen Umgebung sehr wirksam sein kann, ist sie in ablenkungsreichen Situationen, in denen der Hund ein anderes Ziel verfolgt, oft wirkungslos.
- Vermeide es, Belohnungen zu inflationieren. Ständiges Loben für selbstverständliche oder nur halbherzig ausgeführte Verhaltensweisen kann dazu führen, dass die Belohnung an Wert verliert.
- Bestimmte Trainingsziele wie das Fördern von Ruhe und Gelassenheit („Abschalttraining“) lassen sich nicht durch aktive Belohnungen erreichen, da die Erwartungshaltung des Hundes die innere Anspannung eher erhöht als senkt.
- Die Hosts stellen die Methodik der zitierten Studie infrage und diskutieren, ob die positive Reaktion der Hunde auf Lob möglicherweise nur eine erlernte Erwartungshaltung auf nachfolgendes Futter ist.
Futter vs. soziales Lob: Persönliche Erfahrungen der Hosts
Die Diskussion beginnt mit einem Blick auf die eigenen Hunde der beiden Hosts. Alex erzählt, dass sein Hund Louis anfangs kaum auf Futter ansprach. Seine Belohnung bestand aus einem gemeinsamen, interaktiven Spiel, bei dem Louis nach Alex’ Hand schnappen durfte. Dieses soziale Spiel funktionierte als starker Verstärker, beispielsweise beim Rückruftraining. Erst durch den Kontakt zu Johanna, die Futter im Training einsetzte, entdeckte Louis den Wert von Leckerlis für sich - so sehr, dass er in bestimmten Situationen Johanna gegenüber seinem eigenen Halter bevorzugte. Alex beschreibt diesen Prozess humorvoll als eine Art „Umerziehung“, die zeigt, wie stark der Wert einer Belohnung erlernt und kontextabhängig ist.
Johanna ergänzt diese Perspektive mit der Geschichte ihres Hundes Apollo. Dieser lebte zuvor bei einem Freund in Rumänien, der ihn ausschließlich über soziales Feedback erzog - ohne jeglichen Einsatz von Futter. Für Apollo war die ehrliche Freude seines Menschen die größte Belohnung. Als Johanna begann, mit ihm zu trainieren und Futter einzuführen, musste er das Konzept „Belohnung aus der Hand“ erst lernen. Heute, so Johanna, bewertet Apollo Futter wahrscheinlich höher als reines Lob, lässt sich aber immer noch sehr gut sozial belohnen. Im Gegensatz dazu beobachtet sie bei Hunden, die von Anfang an mit Futter trainiert wurden, dass soziales Lob allein oft nicht als ausreichende Motivation empfunden wird.
Die Wissenschaft hinter der Belohnung: Eine kritische Betrachtung der fMRT-Studie
Im Zentrum der Episode steht ein Artikel, der sich auf eine Studie bezieht, bei der die Gehirnaktivität von Hunden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gemessen wurde. Alex erklärt den Versuchsaufbau: 15 speziell trainierte Hunde lernten, in der lauten Röhre eines MRT-Scanners ruhig liegen zu bleiben. Ihnen wurden dann verschiedene Reize präsentiert, die entweder mit einer Futterbelohnung oder mit sozialem Lob durch ihre Bezugsperson verknüpft waren.
Das Ergebnis war auf den ersten Blick eindeutig: 13 der 15 Hunde zeigten bei dem Reiz für soziales Lob eine gleich hohe oder sogar höhere Aktivierung im Belohnungszentrum des Gehirns als beim Reiz für Futter. Alex merkt jedoch kritisch an, dass die Aussagekraft solcher Studien durch die geringe Teilnehmerzahl von nur 15 Hunden und die spezielle Auswahl der Tiere (nur sehr kooperative und stressresistente Hunde können an solchen Experimenten teilnehmen) eingeschränkt ist.
Die Grenzen der Studie und die Rolle der Erwartungshaltung
Trotz des scheinbar klaren Ergebnisses äußern beide Hosts erhebliche Zweifel an der Interpretation der Studienergebnisse. Johanna wirft die entscheidende Frage auf: Misst die Gehirnaktivität tatsächlich die Freude am Lob selbst oder lediglich eine klassisch konditionierte Erwartungshaltung? Wenn Hunde gelernt haben, dass auf ein freundliches Wort oft ein Leckerli folgt, könnte das verbale Lob zu einem sekundären Verstärker geworden sein, der letztlich nur die Vorfreude auf Futter ankündigt. Um das Ergebnis wirklich sauber zu halten, so argumentiert sie, hätte man Hunde testen müssen, die noch nie eine Verknüpfung zwischen Lob und Futter erlebt haben.
Alex untermauert diesen Punkt mit einer Analogie: Würde man ihm ein Bild seiner besten Freundin und einen 100-Euro-Schein zeigen, würde das Foto wahrscheinlich eine stärkere emotionale Reaktion auslösen. Müsste er sich jedoch als Belohnung für eine erledigte Aufgabe zwischen einem Lob der Freundin und dem Geldschein entscheiden, würde er die 100 Euro wählen. Dies verdeutlicht, dass eine gemessene emotionale Reaktion nicht zwangsläufig mit dem Wert einer Belohnung in einer konkreten Trainingssituation gleichzusetzen ist.
Der richtige Einsatz von Belohnungen im Training
Die Diskussion verlagert sich auf die praktische Anwendung im Hundealltag. Alex betont, dass Futter eine Eigenschaft besitzt, die soziales Lob nicht ohne Weiteres ersetzen kann: die Fähigkeit, einen Hund zu „bestechen“ oder seine Aufmerksamkeit gezielt zu lenken. Ein Leckerli vor die Nase gehalten, kann einen Hund dazu bewegen, ein bestimmtes Verhalten auszuführen oder einen externen Reiz zu ignorieren.
Johanna reflektiert zudem den Einsatz von Markerwörtern. Sie gibt zu, diese früher falsch verwendet zu haben - nämlich zur Ablenkung statt zur präzisen Bestätigung eines korrekten Verhaltens. Ein zentraler Punkt der Diskussion ist das sogenannte „Abschalttraining“. Beide sind sich einig, dass man einem Hund Ruhe und Entspannung nicht über aktive Belohnungen beibringen kann. Die Erwartungshaltung auf Futter oder ein Spielzeug erzeugt zwangsläufig eine innere Anspannung, die dem Ziel der Entspannung entgegenwirkt. In solchen Momenten, so die Schlussfolgerung, ist es oft effektiver, gutes Verhalten einfach stillschweigend zur Kenntnis zu nehmen und den Hund in seiner Ruhe nicht zu stören.
Die menschliche Komponente: Warum wir (zu viel) loben
Abschließend beleuchten die Hosts die Rolle des Menschen im Belohnungsprozess. Alex stellt fest, dass er im Training Menschen oft dazu anhält, weniger zu loben. Viele Hundebesitzer neigen dazu, jedes noch so kleine oder selbstverständliche Verhalten zu belohnen. Dieses „Zuviel“ an Lob kann die Belohnung entwerten und beim Hund zu einer permanenten Erwartungshaltung führen, die Stress erzeugt.
Hinter diesem Verhalten steckt oft ein menschliches Bedürfnis: Manche Menschen möchten Konflikte vermeiden oder sind „People Pleaser“, die es nicht ertragen, wenn die Stimmung zwischen ihnen und dem Hund angespannt ist. Johanna beschreibt, wie absurd es sich anfühlen kann, ein Verhalten zu belohnen, das eigentlich normal sein sollte, nur weil der Hund es zuvor verweigert hat. Oft ist die beste Reaktion auf ein gewünschtes Verhalten einfach eine stille, innere Freude, die dem Hund erlaubt, im gewünschten Zustand zu verbleiben, ohne durch eine überschwängliche Belohnung wieder aus der Ruhe gebracht zu werden.
Praktische Schritte zur effektiven Belohnung
- Beobachte deinen Hund genau: Finde heraus, was dein Hund in unterschiedlichen Situationen wirklich als wertvoll empfindet. Ist es ein hochwertiges Leckerli, ein Zerrspiel, eine Streicheleinheit an einer bestimmten Stelle oder ein ruhiges, anerkennendes Wort? Die beste Belohnung ist immer situativ und individuell.
- Setze Futter strategisch ein: Nutze Futter gezielt, um die Aufmerksamkeit deines Hundes zu gewinnen, in der Anfangsphase eines neuen Trainings (z. B. Leinenführigkeit) oder in Umgebungen mit hoher Ablenkung.
- Achte auf Timing und Qualität: Belohne präzise das Verhalten, das du verstärken möchtest, und nicht zufällige Aktionen. Vermeide es, halbherzige oder unvollständige Ausführungen zu belohnen, und nutze Belohnungen nicht als reine Ablenkung.
- Vermeide eine Belohnungs-Inflation: Ständiges, beiläufiges Loben kann dazu führen, dass deine Anerkennung für den Hund an Bedeutung verliert. Setze Lob und andere Belohnungen gezielt ein, damit sie ihren Wert behalten.
- Erkenne, wann keine Belohnung die beste Belohnung ist: Wenn das Trainingsziel Ruhe und Gelassenheit ist (z. B. auf der Decke liegen bleiben), kann die Erwartung einer aktiven Belohnung kontraproduktiv sein. Oft ist deine ruhige Anwesenheit die größte Unterstützung für deinen Hund.
- Stimme die Belohnung auf das Ziel ab: Eine aufregende Belohnung wie ein wildes Spiel ist ideal für einen schnellen Rückruf. Für ruhiges Gehen an der Leine ist eine ruhige Belohnung wie ein sanftes Streicheln oder ein einzelnes Leckerli hingegen besser geeignet.
Themen und Herausforderungen
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.