Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In der Podcast-Episode „Motorradfahren mit Hund“ von Der Welpentrainer widmen sich die Hosts André Vogt und Eva Birkenholz einem außergewöhnlichen Thema. Gemeinsam mit der Hundetrainerin und Bikerin Sandra Belz beleuchten sie, wie das Hobby Motorradfahren und die Hundehaltung sicher und mit Freude kombiniert werden können. Im Fokus stehen dabei die richtige Ausrüstung, ein kleinschrittiges Training und die Perspektive des Hundes.
Diese Episode ist eine wertvolle Ressource für alle motorradbegeisterten Hundebesitzer, die ihren Vierbeiner auf Touren mitnehmen möchten. Sie beantwortet die zentrale Frage: Was braucht es, damit eine Motorradfahrt für den Hund nicht nur sicher, sondern auch ein positives Erlebnis wird?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Sicherheit hat Vorrang: Eine professionelle Sicherung des Hundes mittels Geschirr in einer TÜV-geprüften Box oder einem Beiwagen ist unerlässlich.
- Schrittweises Training ist der Schlüssel: Der Hund muss langsam und positiv an das Fahrzeug, die Geräusche und die Bewegung gewöhnt werden, lange bevor die erste richtige Fahrt stattfindet.
- Die richtige Ausrüstung wählen: Je nach Hundegröße gibt es verschiedene Transportmöglichkeiten wie Beiwagen, Tankrucksäcke oder fest montierte Heckboxen.
- Schutz für die Augen: Bei offenen Boxen oder Beiwagen ist eine spezielle Hundeschutzbrille wichtig, um die Augen vor Fahrtwind und Fremdkörpern zu schützen und Bindehautentzündungen vorzubeugen.
- Mentale Auslastung für den Hund: Eine Motorradfahrt bietet dem Hund intensive Reize durch Gerüche und eine neue Perspektive, was eine hohe geistige Stimulation darstellt.
- Freude als Ziel: Richtig trainiert, verbinden viele Hunde das Motorradfahren mit positiven Erlebnissen wie Ausflügen und zeigen Vorfreude, sobald das Bike startklar gemacht wird.
Die Expertin: Hundetraining trifft Biker-Leidenschaft
Gast der Episode ist Sandra Belz, eine zertifizierte Hundetrainerin, die ihre Leidenschaft für Motorräder mit ihrer Arbeit verbindet. Ihre Expertise ist nicht nur theoretisch, sondern tief in persönlicher Erfahrung verwurzelt. Wie sie erzählt, kam sie über ihren Mann zum Thema, der bereits mit seinen Hunden im Gespann - einem Motorrad mit Beiwagen - unterwegs war. Gemeinsam führten sie auch Sandras damals sehr ängstliche Border-Collie-Hündin erfolgreich an das Fahren heran. Heute ist die ganze Familie, inklusive ihrer drei Hunde, regelmäßig auf zwei bzw. drei Rädern unterwegs, wobei die Hunde im Beiwagen und in einer Heckbox Platz finden.
Sicherheit und Ausrüstung: Das A und O beim Biken mit Hund
André und Eva fragen gezielt nach den Risiken. Sandra Belz betont, dass die Gefahr auf einem Motorrad naturgemäß höher ist als im Auto, da die Knautschzone fehlt. Umso wichtiger sei eine adäquate Sicherung. Sie erklärt, dass Hunde im Beiwagen oder in der Box immer mit einem Geschirr angeschnallt werden müssen. Die Leine sollte so kurz sein, dass der Hund nicht herausspringen kann. Für offene Beiwagen empfiehlt sie zusätzlich ein Schutznetz oder ein Verdeck, das bei Hitze jedoch zu einem Hitzestau führen kann. Ein zentraler Punkt ist der Schutz der Augen: In offenen Systemen, in denen der Hund dem Fahrtwind ausgesetzt ist, sei eine Schutzbrille unerlässlich, um Reizungen oder Entzündungen zu vermeiden.
Die Perspektive des Hundes: Zwischen Stress und Abenteuer
Ein wichtiger Aspekt der Diskussion ist, ob Hunde das Motorradfahren wirklich genießen. Laut Sandra ist dies bei korrektem Training absolut der Fall. Sie beschreibt, wie ihre eigenen Hunde bereits am Geräusch des richtigen Schlüssels erkennen, dass eine Fahrt bevorsteht, und voller Vorfreude zur Tür stürmen. Der Schlüssel liegt darin, die Fahrten konsequent mit positiven Erlebnissen zu verknüpfen, etwa mit Spaziergängen an neuen, spannenden Orten. Zudem sei die Fahrt selbst eine enorme mentale Bereicherung. Aus der niedrigen Perspektive des Beiwagens nehmen Hunde ihre Umwelt - Gerüche, Geräusche und visuelle Reize - viel intensiver wahr als im Auto. Dies führe dazu, dass die Tiere nach einer Tour oft mental ausgelastet und zufrieden sind, selbst wenn sie sich körperlich kaum bewegt haben.
Von der Gewöhnung zur gemeinsamen Tour
Sandra erklärt, dass der Trainingsprozess sehr kleinschrittig erfolgen muss. Es beginnt damit, den Beiwagen oder die Box bei stehendem Motorrad positiv zu verknüpfen, zum Beispiel durch Futter oder Kauartikel. Der Hund soll lernen, freiwillig einzusteigen und sich dort wohlzufühlen. Erst wenn dieser Schritt sicher sitzt, werden langsam weitere Elemente eingeführt: das kurzzeitige Schließen des Verdecks, das Sichern mit dem Geschirr und schließlich das manuelle Bewegen des Motorrads ohne laufenden Motor. Das Starten des Motors, so Sandra, ist einer der letzten Schritte. Die laute und vibrierende Geräuschkulisse ist für den Hund eine besondere Herausforderung und muss behutsam eingeführt werden.
Für wen eignet sich das Motorradfahren mit Hund?
Grundsätzlich sei das Biken mit Hund für viele Rassen und Größen möglich, solange die Transportlösung passt. Sandra berichtet, dass in ihren geräumigen Beiwagen problemlos auch größere Hunde wie ihr Border-Collie-Bernersennen-Mix Platz finden. Sogar für einen 55 kg schweren Herdenschutzhund wie Andrés Hund „Abu“ sei es denkbar, vorausgesetzt, der Beiwagen ist entsprechend groß. Die Eignung hängt jedoch vom Charakter des Hundes ab und muss individuell geprüft werden. Während Sportmaschinen sich weniger eignen, sind Chopper und Cruiser ideal, um einen Beiwagen anzubringen und gemütliche Touren mit dem Vierbeiner zu unternehmen.
Praktische Schritte zur Gewöhnung an das Motorrad
- Positive Verknüpfung schaffen: Lass deinen Hund das stehende Motorrad und die Transportbox bzw. den Beiwagen in Ruhe erkunden. Belohne seine Neugier mit Futter oder einem Kauartikel direkt im Behältnis.
- Kurze und freiwillige Einheiten: Beginne mit sehr kurzen Aufenthalten von wenigen Sekunden. Dein Hund sollte jederzeit das Gefühl haben, die Situation freiwillig verlassen zu können.
- Neue Elemente hinzufügen: Wenn der Hund entspannt ist, schließe kurz das Verdeck oder die Box und öffne es sofort wieder. Übe auch das Anlegen des Sicherheitsgeschirrs in dieser entspannten Atmosphäre.
- Bewegung ohne Motor: Bevor der Motor ins Spiel kommt, bewege das Motorrad vorsichtig von Hand vor und zurück, während der Hund sicher in seinem Platz ist. Lobe ihn ausgiebig für seine Ruhe.
- Das Motorgeräusch einführen: Starte den Motor erst, wenn alle vorherigen Schritte für den Hund stressfrei sind. Beginne mit einem sehr kurzen Anlassen und steigere die Dauer langsam über mehrere Trainingseinheiten.
- Die erste kurze Fahrt: Die allererste Fahrt sollte nur wenige Meter weit gehen und an einem tollen Ort enden, zum Beispiel dem Startpunkt für einen kurzen Spaziergang.
- Schutzausrüstung trainieren: Falls eine Schutzbrille nötig ist, gewöhne deinen Hund separat und ebenfalls kleinschrittig und positiv an das Tragen.