Hundeverhalten zwischen Genetik und Erziehung

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In dieser Episode des Podcasts Hundsfa(e)lle tauchen die Hosts Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak in das Monatsthema "Hund und Wissenschaft" ein. Den Auftakt macht eine der grundlegendsten Fragen für Hundehaltende: Wie viel vom Verhalten meines Hundes ist durch seine Genetik vorbestimmt und was kann ich durch Training und Erziehung wirklich beeinflussen?

Diese Episode richtet sich an alle, die das Verhalten ihres Hundes auf einer tieferen Ebene verstehen möchten, um realistische Erwartungen an das Training zu entwickeln und Frustrationen im Alltag zu vermeiden. Sie beleuchtet, warum manche Verhaltensweisen so hartnäckig sind und wie ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis helfen kann, ein besseres Team mit dem eigenen Hund zu bilden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Verhalten eines Hundes ist immer ein Zusammenspiel aus Genetik, Umwelteinflüssen und Lernerfahrungen. Es ist nie nur ein einziger Faktor, der das Handeln bestimmt.
  • Die Genetik ist wie die "Festplatte" eines Computers: Sie bildet das unveränderbare Betriebssystem des Hundes, das durch Training und Management beeinflusst, aber nicht gelöscht werden kann.
  • Verstehe den ursprünglichen Verwendungszweck deiner Hunderasse (z. B. Jagen, Hüten, Bewachen). Dieses Wissen ist entscheidend, um realistische Trainingsziele zu setzen und das Verhalten deines Hundes nachzuvollziehen.
  • Genetik darf keine Ausrede für unerwünschtes Verhalten sein. Ein Wachhund darf keine fremden Menschen anpöbeln. Training zielt darauf ab, angeborene Veranlagungen zu managen und zu kontrollieren.
  • Wähle die Auslastung deines Hundes bewusst. Meide Aktivitäten, die problematische genetische Tendenzen verstärken (z. B. exzessives Ballwerfen bei Hunden mit starkem Beutefangverhalten), und fördere stattdessen kontrollierte Alternativen.
  • Akzeptanz ist der Schlüssel zum Erfolg. Du kannst aus einem skeptischen Schäferhund keinen überfreundlichen Labrador machen. Das Annehmen der genetischen Realität deines Hundes schafft die Basis für eine starke Beziehung.

Genetik als Fundament: Die "Festplatte" des Hundes

Yvonne und Mustafa stellen klar, dass das Verhalten eines Hundes eine komplexe Mischung verschiedener Faktoren ist. Viele Hundebesitzer:innen machen sich Selbstvorwürfe ("Ich habe alles falsch gemacht"), wenn ihr Hund problematisches Verhalten zeigt. Yvonne erklärt jedoch, dass dies oft zu kurz greift. Zwar spielen Lernerfahrungen eine Rolle, aber sie sind nicht der alleinige Grund.

Sie vergleicht die Genetik mit der internen Festplatte eines Computers - dem Grundsystem, das festgeschrieben und nicht veränderbar ist. Dieses genetische Fundament bestimmt die grundlegenden Veranlagungen eines Hundes. Wie diese Veranlagungen im Alltag zum Ausdruck kommen, hängt jedoch stark von der Umwelt, der Erziehung, den gemachten Erfahrungen und der Bindung zum Menschen ab. Das Ziel ist also nicht, die Festplatte zu löschen, sondern zu lernen, wie man die "Programme" darauf am besten managt und reguliert.

Rassetypische Veranlagungen: Labrador vs. Straßenhund

Um die Rolle der Genetik zu verdeutlichen, vergleichen die Hosts zwei sehr unterschiedliche Hundetypen:

Der Labrador (am Beispiel von Erna): Mustafa beschreibt den Labrador als eine Rasse, die genetisch auf Menschenfreundlichkeit, Futterorientierung und Kooperationsbereitschaft ("Will to Please") gezüchtet wurde. Diese Eigenschaften stammen aus seiner ursprünglichen Aufgabe als Apportierhund, der nach dem Schuss eng mit dem Jäger zusammenarbeitet. Im Alltag kann diese Veranlagung jedoch zu Problemen führen, etwa wenn der Hund jeden Menschen oder Hund stürmisch begrüßen will. Yvonne ergänzt, dass das Training sich daher nicht darauf konzentrieren sollte, diese Freundlichkeit weiter zu fördern, sondern vielmehr darauf, Impulskontrolle und Ruhe aufzubauen.

Der rumänische Straßenhund (am Beispiel von Rudi): Im Gegensatz dazu steht der Tierschutzhund aus Rumänien, den Yvonne als "regionalen Hundeschlag" bezeichnet - ein Hundetyp, der sich an seine Umgebung angepasst hat und nicht nach Rassestandards selektiert wurde. Diese Hunde sind in ihrem Verhalten oft ursprünglicher und instinktgesteuerter. Yvonne erklärt, dass bei Rudi bestimmte Reize automatisch eine Fluchtreaktion auslösen, die er nicht bewusst steuern kann. Viele dieser Hunde können zudem noch die vollständige Jagdsequenz - von der Suche über das Töten bis zum Fressen der Beute - ausführen, um zu überleben. Solche tief verankerten Instinkte lassen sich nicht abtrainieren.

Die Genetik-Falle: Warum Rasse keine Ausrede ist

Yvonne warnt eindringlich davor, die Genetik als Ausrede für unerwünschtes Verhalten zu nutzen. Aussagen wie "Ein Dackel ist eben stur" oder "Ein Schäferhund muss wachen" bezeichnen die Hosts als "Rasseausreden". Auch wenn ein Hund eine genetische Veranlagung zum Wachen hat, bedeutet das nicht, dass er am Gartenzaun pöbeln oder auf Spaziergängen fremde Menschen verbellen darf.

Das Verständnis der Genetik dient dazu, realistische Erwartungen zu entwickeln und den Hund zu akzeptieren, wie er ist. Yvonne berichtet von einem Kunden, der sich wünschte, sein Belgischer Schäferhund wäre so unkompliziert wie ihr Border Collie. Ein solches Ziel ist aufgrund der fundamental unterschiedlichen genetischen Anlagen unerreichbar. Es geht darum, das Verhalten im Rahmen der genetischen Möglichkeiten zu formen und zu kontrollieren, damit es in den Alltag passt.

Sinnvolle Auslastung: Genetische Bedürfnisse kanalisieren

Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die richtige Auslastung des Hundes. Diese sollte seine genetischen Bedürfnisse befriedigen, ohne problematische Verhaltensweisen zu verstärken. Mustafa führt das Beispiel des Ballspielens an: Für einen Schäferhund oder Rottweiler kann das exzessive Jagen von Bällen ein fehlgeleitetes Beutefangverhalten fördern, das sich im schlimmsten Fall auf Kinder oder kleine Hunde überträgt.

Stattdessen sollten Alternativen gewählt werden, die den Hund geistig und körperlich fordern, ohne negative Triebe zu schüren. Für einen Schäferhund eignen sich laut Mustafa kontrollierte Aktivitäten wie Obedience, Mantrailing oder gemeinsames Joggen. Für einen apportierfreudigen Labrador ist Dummytraining eine ideale Möglichkeit, seine genetische Veranlagung in geordnete und kontrollierte Bahnen zu lenken.

Praktische Schritte für den Alltag

  1. Informiere dich gründlich: Recherchiere den ursprünglichen Verwendungszweck deiner Hunderasse. Yvonne rät, sich dabei nicht nur auf Züchter-Websites zu verlassen, sondern nach objektiven Informationen über die Arbeitsweise und Selektion der Rasse zu suchen.
  2. Setze realistische Ziele: Akzeptiere die genetischen Anlagen deines Hundes. Erwarte nicht, dass sich dein Hund in eine andere Rasse verwandelt. Dieses Verständnis ist die Grundlage für ein faires und erfolgreiches Training.
  3. Manage, statt zu löschen: Verstehe, dass du tief verankerte Verhaltensweisen wie Jagen oder Wachen nicht "wegtrainieren" kannst. Dein Ziel ist es, diese durch vorausschauendes Management (z. B. Leine, Schleppleine) und das Training von Alternativverhalten zu kontrollieren.
  4. Wähle die Auslastung bewusst: Biete deinem Hund Beschäftigungen an, die seinen Anlagen entsprechen, aber unerwünschte Tendenzen nicht weiter anfachen. Kanalisiere seine Energie in kontrollierte und konstruktive Aktivitäten.
  5. Fördere das Richtige: Verstärke nicht unbewusst Verhaltensweisen, die später zum Problem werden könnten. Ein Labrador muss beispielsweise nicht lernen, noch freundlicher zu sein - er muss lernen, seine Impulse zu beherrschen.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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