Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
Mehr über das Projekt Petcaster
In dieser Episode des Welpentrainer Podcasts sprechen die Hundetrainer André Vogt und Eva Birkenholz über kreative und effektive Wege, Hunde an regnerischen und dunklen Tagen sinnvoll drinnen zu beschäftigen. Die zentralen Themen sind Nasenarbeit und das Erlernen von Tricks als wertvolle Alternativen zu langen Spaziergängen.
Diese Episode richtet sich an alle Hundebesitzer, die nach Inspiration suchen, um ihre Hunde auch bei schlechtem Wetter mental auszulasten, die Bindung zu stärken und dabei selbst motiviert zu bleiben. Die Leitfrage lautet: Wie kannst Du Deinen Hund indoor so beschäftigen, dass er körperlich und geistig zufrieden ist, ohne dass Du stundenlang bei Regen und Dunkelheit nach draußen musst?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Mentale Auslastung ist entscheidend: Gezielte geistige Beschäftigung wie Nasenarbeit oder Tricktraining lastet einen Hund oft intensiver und nachhaltiger aus als rein körperliche Bewegung.
- Nasenarbeit ist einfach und effektiv: Schon einfache Mittel wie ein Karton mit Füllmaterial oder ein Handtuch, in das Futter eingewickelt wird, können Deinen Hund für 10 - 15 Minuten sinnvoll beschäftigen und seine Mahlzeit zu einem Erlebnis machen.
- Tricktraining stärkt die Bindung: Das gemeinsame Erarbeiten von Tricks fördert die Kommunikation, schafft positive Erlebnisse und macht Dich als Mensch für Deinen Hund interessanter. Dies kann sich positiv auf die allgemeine Aufmerksamkeit und Leinenführigkeit auswirken.
- Kleine Einheiten, große Wirkung: Bereits 15 Minuten gezieltes Training am Tag, aufgeteilt in mehrere kurze Einheiten, reichen aus, um Deinen Hund mental zu fordern und ihm neue Fähigkeiten beizubringen.
- Für jeden Hund geeignet: Tricktraining ist nicht auf bestimmte Rassen oder Altersgruppen beschränkt. André und Eva betonen, dass auch ältere, körperlich eingeschränkte oder als weniger lernfreudig geltende Hunde (wie Tierschutz- oder Herdenschutzhunde) enorm davon profitieren.
- Der Weg ist das Ziel: Beim Tricktraining geht es weniger darum, einen perfekten Trick vorzuführen, als vielmehr um den Prozess des gemeinsamen Lernens. Der Hund soll die Lösung selbst erarbeiten, was seine kognitiven Fähigkeiten schult.
- Tricks als Fitnessprogramm: Viele Tricks, wie zum Beispiel das „Männchen machen“, trainieren gezielt die Muskulatur, Koordination und Körperwahrnehmung Deines Hundes.
Die Herausforderung der dunklen Jahreszeit
André und Eva eröffnen die Episode mit einer Diskussion über die typischen Herausforderungen im Herbst und Winter: Regen, frühe Dunkelheit und kalter Wind. Sie sind sich einig, dass der bekannte Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ oft nicht der Realität entspricht. Die Motivation für lange Spaziergänge sinkt sowohl bei vielen Menschen als auch bei Hunden. Eva berichtet, dass ihre Hündin Ari Regen regelrecht hasst und sich weigert, nach draußen zu gehen. Die Konsequenz ist, dass die Runden oft kürzer ausfallen. Um dennoch für eine artgerechte Auslastung zu sorgen und kein schlechtes Gewissen haben zu müssen, sind Indoor-Alternativen unerlässlich.
Nasenarbeit: Einfache Auslastung für jeden Tag
Eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Methoden zur Indoor-Beschäftigung ist die Nasenarbeit. Eva erzählt von ihrer „Do-it-yourself-Schnüffel-Box“: Sie füllte einen einfachen Karton mit Verpackungsmaterial oder Küchentüchern und streute das Trockenfutter ihres Hundes Caspar hinein. Dieser war damit 10 - 15 Minuten intensiv beschäftigt und mental ausgelastet. André ergänzt die Idee des Schnüffelrasens, in dem die tägliche Futterration versteckt werden kann. Dies erfordert minimalen Aufwand vom Besitzer, aber fordert den Hund heraus, sich sein Futter zu erarbeiten.
Weitere Möglichkeiten der Nasenarbeit umfassen:
- Futter verstecken: Der Klassiker, bei dem Leckerlis oder Futter in der Wohnung versteckt werden. André merkt an, dass viele Besitzer ihre Hunde hier unterschätzen und der Schwierigkeitsgrad ruhig gesteigert werden sollte.
- Gezielte Geruchssuche: Der Hund wird auf einen bestimmten, im Haushalt seltenen Geruch (z. B. Kokosseife oder Kaffee) konditioniert. Anschließend sucht er einen kleinen Gegenstand mit diesem Geruch, wie eine Filmdose oder ein Überraschungsei-Behältnis, und zeigt ihn passiv an (z. B. durch Hinsetzen).
- Nützliche Gegenstände suchen: Man kann dem Hund beibringen, verlorene Gegenstände wie den eigenen Schlüssel zu suchen - eine Fähigkeit, die auch im Alltag nützlich sein kann.
Tricktraining: Der Gamechanger für die Beziehung
Ein zentraler Schwerpunkt der Episode liegt auf dem Tricktraining (Trickdogging). André erklärt, dass es hierbei um weit mehr geht als um „Zirkuskunststücke“. Der Prozess des gemeinsamen Lernens hat tiefgreifende positive Effekte auf die Hund-Mensch-Beziehung. Er berichtet aus seiner Erfahrung, dass Hunde in Trickdog-Kursen oft frei laufen konnten, da ihre Aufmerksamkeit stark auf ihre Menschen gerichtet war - selbst bei Hunden, die sonst Schwierigkeiten mit Artgenossen hatten.
Die Vorteile des Tricktrainings sind vielfältig:
- Bindungsförderung: Gemeinsame Erfolge schweißen zusammen. Eva hebt hervor, dass Tricktraining positive Momente schafft, besonders wenn es in anderen Bereichen wie der Leinenführigkeit gerade schwierig ist.
- Kognitive Förderung: Der Hund lernt, Probleme zu lösen und sich zu konzentrieren. André betont, dass der Hund dabei die meiste Arbeit leisten sollte, indem er Lösungswege selbst ausprobiert.
- Steigerung der Attraktivität des Menschen: Durch das Training wirst Du zum spannenden Partner, der für positive Erlebnisse sorgt. Dies kann laut André direkte Auswirkungen auf das Verhalten beim Spaziergang haben, da der Hund sich mehr an Dir orientiert.
Praktische Trick-Beispiele und ihre Wirkung
Die beiden Trainer teilen ihre Lieblingstricks und erklären, warum diese besonders wertvoll sind. Eva nennt das „Männchen machen“, da es nicht nur niedlich aussieht, sondern auch die Rumpfmuskulatur und Balance des Hundes trainiert. Andrés Top 3 sind anspruchsvoller:
- Skateboard fahren: Ein komplexer Trick, der schrittweise aufgebaut wird und Koordination sowie Geschicklichkeit erfordert. Der Hund lernt, mit drei Pfoten auf dem Board zu stehen und sich mit der vierten anzuschieben.
- Rückwärts einparken: Der Hund läuft auf den Menschen zu, dreht sich und geht rückwärts durch dessen Beine. Dieser dynamische Trick fördert das Vertrauen und die Körperkoordination.
- „Peng“ (sich tot stellen): Ein Klassiker, der zeigt, dass es auf die spielerische Interaktion und nicht auf die wörtliche Bedeutung des Kommandos ankommt.
Weitere erwähnte Tricks sind das Verbeugen, Schubladen öffnen, Türen schließen oder das Holen von Gegenständen wie einer Flasche. Die Trainer machen deutlich, dass fast jeder Hund, unabhängig von Alter, Rasse oder Vorerfahrung, Freude am Tricksen finden kann. Als Beispiel wird Andrés Tierschutzhund Kuba genannt, der Winken lernte, und Evas älterer Herdenschutzhund Abu, der erfolgreich Pfötchengeben erlernte.
Praktische Schritte für den Einstieg
Um die Indoor-Beschäftigung direkt in Deinen Alltag zu integrieren, schlagen die Experten folgende konkrete Schritte vor:
- Starte mit einfacher Nasenarbeit: Nutze die Fütterungszeit, um Deinen Hund zu beschäftigen. Verstecke das Futter in einem Schnüffelteppich, einem Handtuch oder einer selbstgemachten Schnüffelbox aus einem Karton.
- Beginne mit einem leichten Trick: Wähle einen Trick, der zu Deinem Hund passt. „Pfötchen geben“, „Verbeugen“ oder eine einfache Drehung sind gute Einstiegspunkte.
- Halte die Trainingseinheiten kurz: Trainiere lieber mehrmals täglich für 3 - 5 Minuten als einmal für eine halbe Stunde. So bleibt die Konzentration und Motivation hoch.
- Finde die richtige Motivation: Finde heraus, was Deinen Hund am besten motiviert - sei es Futter, ein Spielzeug oder soziales Lob. Dies ist die Grundlage für erfolgreiches Training.
- Fokussiere Dich auf den Prozess: Genieße die gemeinsame Zeit und feiere kleine Fortschritte. Es geht nicht darum, den Trick so schnell wie möglich zu perfektionieren.