Leinenführigkeit in der Mehrhundehaltung - So klappt das Training im Rudel
In dieser Episode des Podcasts Hundsf(a)elle tauchen die Moderatoren Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak tief in ein zentrales Thema für Halter mehrerer Hunde ein: die Leinenführigkeit. Aufbauend auf der vorherigen Folge über Management und Strukturen, widmen sie sich nun der praktischen Trainingsumsetzung. Die Leitfrage lautet: Wie gelingt es, mit zwei, drei oder mehr Hunden einen entspannten und geordneten Spaziergang an der Leine zu meistern, ohne im Leinen-Chaos zu versinken?
Diese Folge ist eine unverzichtbare Ressource für alle, die bereits mehrere Hunde haben oder darüber nachdenken, ihr Rudel zu vergrößern. Sie bietet klare Anleitungen und beleuchtet die entscheidenden Faktoren - von der individuellen Vorbereitung jedes Hundes bis hin zum richtigen Handling der Gruppe im Alltag.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Einzeltraining ist die Basis: Bevor ein Hund in der Gruppe leinenführig sein kann, muss er es alleine gelernt haben. Mustafa empfiehlt hierfür eine Trainingsphase von vier bis acht Wochen.
- Struktur durch feste Positionen: Weise jedem Hund eine feste Seite und Position beim Spaziergang zu. Dies schafft laut Yvonne Sicherheit und verhindert Leinen-Chaos.
- Gezielte und individuelle Korrekturen: Korrigiere immer nur den Hund, der aus der Reihe tanzt, und nicht die ganze Gruppe. Nutze dafür gezielte Leinenimpulse, Körpersprache oder den Namen des Hundes.
- Verbales Lob statt Futter: Das Belohnen mit Leckerlis kann in einer Gruppe schnell Unruhe stiften. Yvonne rät dazu, verbales Lob als primäre Bestätigung zu etablieren.
- Klare Rituale für Anfang und Ende: Signale wie das Verkürzen der Leine zu Beginn und das bewusste Verlängern am Ende der Trainingseinheit helfen den Hunden zu verstehen, welcher Modus gerade gilt.
- Die richtige Ausrüstung erleichtert das Handling: Wähle für jeden Hund passendes und unterschiedliches Equipment (Leinen, Halsbänder). Das hilft dir, die Hunde auch über das Gefühl in der Hand individuell zu steuern.
- Flexi-Leinen sind nur für Fortgeschrittene: Der Einsatz von ausziehbaren Leinen erfordert, dass die Hunde bereits absolut leinenführig sind. Für Welpen und unsichere Hunde sind sie ungeeignet, da sie das Ziehen fördern können.
Die Grundlage: Warum Einzeltraining entscheidend ist
Mustafa stellt von Beginn an klar, dass die Leinenführigkeit mit mehreren Hunden nur funktionieren kann, wenn jeder einzelne Hund die Grundlagen beherrscht. Jeder Hund muss zunächst im Einzeltraining lernen, sich am Menschen zu orientieren und entspannt an der Leine zu gehen. Erst wenn diese Basis sitzt, kann man die Hunde schrittweise zusammenführen.
Yvonne ergänzt, dass dies nicht zwingend bedeutet, monatelang nur getrennte Spaziergänge zu machen. Eine effektive Methode sei es, die ganze Gruppe mitzunehmen, aber gezielt nur mit einem Hund zu trainieren, während die anderen warten müssen. Das schult gleichzeitig die Impulskontrolle der wartenden Hunde. Kurze, fokussierte Trainingseinheiten von etwa 20 Minuten pro Hund sind dabei oft qualitativ hochwertiger als lange, unstrukturierte Runden.
Beide betonen die Gefahr der Gruppendynamik: Ein ziehender oder pöbelnder Hund kann schnell den Rest des Rudels anstecken. Deshalb ist es unerlässlich, das Problemverhalten zunächst beim "ursächlichen" Hund im Einzeltraining zu bearbeiten.
Struktur und Positionierung: Ordnung im Rudel schaffen
Eine der wichtigsten Regeln für Yvonne ist, dass jeder Hund seinen festen Platz hat. Ob links oder rechts, innen oder außen - klare Positionen geben den Hunden Sicherheit und Struktur. Sie berichtet aus ihrer Erfahrung mit fünf Hunden, dass sich die Tiere nach kurzer Zeit selbstständig an ihren Plätzen einsortierten. Bei der Zuweisung der Plätze berücksichtigt sie die individuellen Bedürfnisse und Neigungen der Hunde. Ein ängstlicher Hund läuft beispielsweise geschützter an der Innenseite, während ein Hund mit größerem Individualabstand den äußeren Platz bekommt.
Mustafa handhabt es ähnlich und platziert den Hund, der mehr Aufmerksamkeit benötigt, auf seiner dominanten Seite, um ihn besser führen zu können. Während er früher beide Hunde auf einer Seite führte, empfindet er die Aufteilung - ein Hund pro Hand - heute als sicherer und besser kontrollierbar.
Die klare Regel während der "Arbeitsphase" der Leinenführigkeit lautet: kein Schnüffeln, kein Markieren, kein Ziehen. Die volle Konzentration liegt auf dem gemeinsamen, geordneten Gehen.
Die Wahl der richtigen Ausrüstung
Das richtige Equipment ist für ein entspanntes Handling unerlässlich. Yvonne erklärt, dass jeder ihrer Hunde eine individuelle Ausstattung hat - von Geschirr und Halsband bis hin zur Leine. Sie bevorzugt verstellbare Leinen und wählt Material und Breite passend zur Größe und Kraft des Hundes. Unterschiedliche Leinen helfen ihr zudem, die Hunde allein durch das Gefühl in den Fingern zu unterscheiden und gezielte Impulse zu geben.
Yvonne und Mustafa sind sich einig, dass die Ausrüstung zum Hundetyp passen muss. Ein stürmischer Hund bekommt beispielsweise ein breiteres Halsband. Persönliche Vorlieben spielen ebenfalls eine Rolle: Yvonne mag keine runden Tauleinen, da sie diese mit mehreren Hunden in der Hand als unpraktisch empfindet und lieber flache Leder- oder Stoffleinen nutzt.
Der kontroverse Einsatz von Flexi-Leinen
Flexi-Leinen sind ein vieldiskutiertes Thema. Die beiden Experten sind sich einig: Sie können ein nützliches Werkzeug sein, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der Hund muss die Leinenführigkeit bereits perfekt beherrschen. Mustafa warnt eindringlich davor, Welpen oder Junghunde mit einer Flexi-Leine laufen zu lassen, da diese durch den permanenten leichten Zug lernen, dass Ziehen zum Erfolg führt. "So lernt der Hund, wow, ich muss nur ziehen, damit ich auch dann dahin komme, wo ich gerne hin möchte", erklärt er.
Yvonne berichtet, dass sie ihren Hunden die Nutzung des zusätzlichen Radius an der Flexi-Leine bewusst beibringen musste, da diese gewohnt waren, an lockerer Leine neben ihr zu laufen. Für sie sind Flexi-Leinen eine Option an Orten mit Leinenpflicht oder als Sicherheitsmaßnahme bei alten, tauben oder dementen Hunden. Eine große Gefahr besteht jedoch bei ängstlichen Hunden: Fällt die Plastikbox herunter, kann das klappernde Geräusch den Hund in Panik versetzen und eine Flucht auslösen.
Training in der Praxis: Korrektur und Belohnung im Rudel
Wie korrigiert man einen einzelnen Hund, ohne die anderen zu verunsichern? Yvonne nutzt hierfür feine Signale. Da sie jede Leine mit einem anderen Finger hält, kann sie einen gezielten, kaum sichtbaren Impuls geben. Alternativ arbeitet sie mit Körpersprache, indem sie sich leicht dem betreffenden Hund zudreht und ihn anschaut. Auch die Beine können als "Schranke" dienen, um ein Überholen zu verhindern.
Beim Thema Belohnung raten beide zur Vorsicht mit Futter. Der Versuch, vier oder fünf Hunde im Laufen mit Leckerlis zu belohnen, führt fast zwangsläufig zu Chaos und Aufregung. Die bessere Alternative ist laut Yvonne ein gut aufgebautes verbales Lob. Wenn Worte wie "Prima" oder "Fein" gezielt und mit echter Freude eingesetzt werden, nehmen die Hunde dies als wertvolle Bestätigung an und freuen sich mit.
Praktische Schritte: Ein Protokoll für die Leinenführigkeit mit mehreren Hunden
- Vorbereitung: Stelle sicher, dass jeder Hund die Leinenführigkeit im Einzeltraining gelernt hat. Wähle für jeden Hund die passende und gut handhabbare Ausrüstung.
- Das Start-Ritual: Bevor du losgehst, positioniere alle Hunde an ihren festen Plätzen. Gib ein klares Startsignal, zum Beispiel indem du die Leinen für die "Arbeitsphase" kurz nimmst. Warte, bis alle Hunde ruhig und auf dich fokussiert sind.
- Während des Gehens: Gehe selbstbewusst und mit klarem Ziel voran. Deine souveräne Körperhaltung gibt den Hunden Sicherheit und Orientierung.
- Gezielte Korrektur: Wenn ein Hund die Gruppe verlässt oder zieht, korrigiere nur diesen einen Hund. Nutze dafür seinen Namen, einen gezielten Leinenimpuls oder deine Körpersprache.
- Angemessene Belohnung: Lobe ruhiges und korrektes Verhalten vorrangig mit deiner Stimme. Setze Futter nur sparsam und im ruhigen Zustand ein, etwa wenn ihr steht.
- Das End-Ritual: Beende die Phase der strikten Leinenführigkeit ebenso bewusst, wie du sie begonnen hast. Bleibe stehen, warte auf Ruhe und gib dann ein klares Signal für das Ende, zum Beispiel indem du die Leinen wieder länger lässt.
- Die Freigabe: Erlaube den Hunden einzeln und nacheinander, zu schnüffeln und ihre Umgebung zu erkunden. Yvonne betont: Eine lange Leine oder Freilauf bedeutet nicht automatisch, dass die Hunde toben dürfen. Das Spiel wird separat mit einem eigenen Kommando ("GO") freigegeben.
Themen und Herausforderungen
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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