Leinenführigkeit in der Pubertät neu gedacht

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
Mehr über das Projekt Petcaster

In dieser Episode des Podcasts Sitz! Platz! Bleibt! widmen sich die Hosts Nicole Borowy und Sami El Ayachi einem der wohl hartnäckigsten Themen im Hundealltag: der Leinenführigkeit. Anlass ist Nicoles acht Monate alter Hund Jaxon, der gerade beginnt, die gemeinsamen Spaziergänge und die Orientierung am Menschen infrage zu stellen. Die Episode taucht tief in die Ursachen dieses Verhaltens ein und liefert eine detaillierte Anleitung, wie du eine verlässliche und kooperative Beziehung zu deinem Hund an der Leine aufbauen kannst.

Im Kern geht es um die Frage: Wie schaffe ich es, für meinen Hund auch dann der wichtigste Ansprechpartner zu bleiben, wenn die Welt voller Ablenkungen ist? Die Diskussion richtet sich an alle Hundehalter:innen, die mit dem Ziehen an der Leine kämpfen, und bietet einen verständnisvollen, aber klaren Weg, der über reines Locken und Belohnen hinausgeht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Entwicklungsphasen verstehen: Probleme bei der Leinenführigkeit sind bei jungen Hunden zwischen dem fünften und achten Monat oft Teil einer natürlichen, explorativen Entwicklungsphase. Die Welt wird spannender als der Mensch an ihrer Seite.
  • Training beginnt zu Hause: Der Grundstein für eine gute Leinenführigkeit wird nicht im Park gelegt, sondern in einer reizarmen Umgebung wie den eigenen vier Wänden. Regelmäßiges Üben zu Hause ist entscheidend.
  • Faire Intervention ist notwendig: Hoffen allein reicht nicht. Sami erklärt, dass eine klare, faire und zeitnahe Unterbrechung (Intervention) unerwünschten Verhaltens notwendig ist, um dem Hund zu helfen, den Fokus wieder auf dich zu richten.
  • Vom Stillstand in die Bewegung: Bevor du Leinenführigkeit in der Bewegung erwartest, muss dein Hund lernen, auch im Stehen bei dir zu bleiben, wenn Ablenkungen auftauchen.
  • Inkonsistenz ist der größte Feind: Wenn dein Hund mal zu anderen hinlaufen darf und mal nicht, lernt er vor allem eins: Ziehen ist manchmal erfolgreich. Klare und verlässliche Regeln sind die Basis für Vertrauen und Kooperation.
  • Ziel ist Kooperation, nicht Gehorsam: Das Endziel ist nicht ein Hund, der blind neben dir herläuft, sondern einer, der dich bei einer Ablenkung ansieht und quasi fragt: „Was machen wir jetzt?“

Warum Leinenführigkeit so anspruchsvoll ist: Die Perspektive des Hundes

Sami beginnt mit einer wichtigen Einordnung: Das Verhalten von jungen Hunden wie Jaxon, die plötzlich die Welt erkunden wollen, ist völlig normal. Er zieht einen Vergleich zu jungen Wölfen, die in diesem Alter beginnen, die Gruppe zu verlassen und ihre Umgebung zu testen. Hunde müssen sich beim Gehen an der Leine extrem anpassen, da unser Schritttempo für sie unnatürlich langsam ist. Hinzu kommen in der Pubertät hormonelle Umbauprozesse im Gehirn und Körper, die die Konzentration erschweren und die Wahrnehmung von Reizen wie Gerüchen oder Bewegungen intensivieren.

Ein zentrales Problem, so Sami, ist das selbstbelohnende Verhalten. Zieht der Hund zu einer interessanten Stelle und erreicht sie - und sei es auch nur ein paar Schritte in die richtige Richtung -, hat er bereits einen Erfolg verbucht. Dieser Erfolg bestärkt ihn darin, es immer wieder zu versuchen. Viele Menschen reagieren darauf, indem sie selbst schneller werden, was der Hund jedoch oft als Bestätigung fehlinterpretiert und ebenfalls sein Tempo erhöht.

Das Fundament: Training beginnt zu Hause, nicht im Park

Ein entscheidender Fehler vieler Halter:innen ist laut Sami, die Leinenführigkeit fast ausschließlich in reizüberfluteten Alltagssituationen trainieren zu wollen. Er betont, dass die meisten Menschen diese Übung zu Hause vernachlässigen. Dabei sei gerade das Training in den eigenen vier Wänden die wichtigste Grundlage. Hier kann der Hund in einer ruhigen Umgebung lernen, was von ihm erwartet wird. Die Leine dient dabei als Gradmesser für die Kommunikation: „Ist die Leine locker, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er im Orientierungsbereich bei mir ist“, erklärt Sami. Eine gespannte Leine zeigt hingegen sofort an, dass die Aufmerksamkeit des Hundes woanders ist.

Um das Training realitätsnäher zu gestalten, empfiehlt Sami, zu Hause gezielt „stellvertretende Konflikte“ zu schaffen. Das kann ein Futterstück sein, das bewusst auf den Boden gelegt wird. Anhand dieser vorhersehbaren und kontrollierbaren Ablenkung kannst du beobachten, wie dein Hund reagiert und deine eigene Fähigkeit zur rechtzeitigen und klaren Intervention üben.

Die Rolle der Intervention: Wenn gutes Zureden nicht mehr reicht

Sami plädiert für einen ehrlichen Umgang mit dem Thema Intervention. Er beschreibt sie als eine notwendige Handlung, um den Hund aus einem unerwünschten Verhalten herauszuholen und ihm zu helfen, sich wieder zu orientieren. Dabei geht es nicht um Härte, sondern um Klarheit. In der Lerntheorie wird dies als „positive Strafe“ bezeichnet, was schlicht bedeutet, dass ein Reiz hinzugefügt wird, um ein Verhalten zu unterbrechen.

Er skizziert eine sinnvolle Steigerung der Intervention:

  1. Ansprache: Die mildeste Form ist, sich zum Hund zu verlagern und ihn bei seinem Namen anzusprechen.
  2. Berührung: Reagiert der Hund nicht, folgt eine kurze, bewusste Berührung im Schultergürtelbereich - ähnlich wie wir einen Menschen antippen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
  3. Längerer Kontakt: Bei Hunden, die tief in einem Konflikt versunken sind, kann es helfen, die flache Hand länger aufzulegen, um sie zu erden und wieder ansprechbar zu machen.
  4. Physische Begrenzung: Im Notfall kann ein Griff in den sogenannten Muskelmantel an der Schulter den Hund am Weiterlaufen hindern, ohne ihm Schmerz zuzufügen. Sobald er sich wieder zum Menschen orientiert, wird der Griff sofort gelöst.

Sami betont, dass das Ziel der Intervention immer ist, dem Hund zu helfen, aus einer Überforderung herauszufinden („Ich helfe dir mal da wieder rauszukommen“) und nicht, ihn zu bestrafen („Lass den Blödsinn sein“).

Die Falle der Inkonsistenz: Warum klare Regeln entscheidend sind

Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer guten Leinenführigkeit ist die menschliche Inkonsistenz. Sami illustriert dies am Beispiel einer Nachbarin: Trägt sie am Wochenende Gartenkleidung, darf der Hund begeistert zu ihr hinrennen. Trägt sie unter der Woche ihre weiße Arbeitskleidung, versucht der Halter panisch, den Hund zurückzuhalten. Der Hund lernt dadurch nicht, dass er grundsätzlich warten soll, sondern nur, dass sein Erfolg von äußeren Umständen abhängt, die er nicht versteht.

Die Absprache zwischen Mensch und Hund sollte aber, so Sami, immer gleich sein: Der Hund bleibt zunächst beim Menschen, nimmt Kontakt auf und wartet auf eine Freigabe. Dieses kooperative Verhalten muss unabhängig von der Situation gelten. Wir müssen dem Hund erklären, dass wir in unserer Welt Regeln befolgen müssen, die für ihn auf den ersten Blick vielleicht keinen Sinn ergeben, aber für ein sicheres Zusammenleben unerlässlich sind.

Praktische Schritte für eine bessere Leinenführigkeit

Aus der Diskussion leitet Sami einen klaren, schrittweisen Trainingsplan ab, mit dem du die Orientierung deines Hundes an dir nachhaltig verbessern kannst:

  1. Starte zu Hause: Mache die Leinenführigkeit zu einer regelmäßigen Übung in deiner Wohnung. Beginne ohne Ablenkungen und steigere den Schwierigkeitsgrad langsam.
  2. Übe an stellvertretenden Konflikten: Schaffe bewusst kleine, kontrollierbare Ablenkungen (z. B. Futter auf dem Boden). Hier kannst du deine Reaktion und deine Kommunikation in einem sicheren Rahmen trainieren.
  3. Meistere die Statik: Bevor du in Bewegung trainierst, übe das ruhige Stehen oder Sitzen neben dir. Ein Helfer kann gezielt für Ablenkung sorgen. Dein Hund muss lernen, auch im Stillstand bei dir zu bleiben, bevor er es in der Dynamik kann.
  4. Sei klar und konsequent: Definiere deine Regeln und halte dich daran - immer. Dein Hund braucht Verlässlichkeit, um zu verstehen, was du von ihm erwartest.
  5. Übernimm die Führung: Lerne, Situationen vorausschauend zu lesen. Wenn du merkst, dass dein Hund unsicher wird oder ein anderer Hund auf euch zukommt, agiere proaktiv. Nimm deinen Hund auf die abgewandte Seite und zeige ihm, dass du die Situation im Griff hast. Das schafft Vertrauen.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.