Maren Grote über moderne Hundeerziehung: Warum Beziehung wichtiger ist als Training

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In der 49. Folge des Podcasts The Pet Food Family ist die Hundetrainerin und Bestseller-Autorin Maren Grote zu Gast. Im Gespräch mit dem Host Jan Dießner geht sie weit über klassische Erziehungstipps hinaus und taucht tief in die Philosophie einer modernen und artgerechten Hundehaltung ein. Zentrales Thema ist die Frage, wie wir eine authentische und von gegenseitigem Verständnis geprägte Beziehung zu unseren Hunden aufbauen können, anstatt sie in ein Korsett aus Perfektionismus und menschlichen Erwartungen zu zwängen.

Die Episode beleuchtet, warum das „Lesen“ der Hundesprache fundamental ist, wie der gesellschaftliche Druck unser Zusammenleben mit Hunden verändert und warum es entscheidend ist, die Beziehung über reine Trainingsmethoden zu stellen. Maren Grote plädiert für mehr Gelassenheit, emotionale Freiheit für den Hund und den Mut, Fehler zu machen - eine wertvolle Perspektive für alle Hundehaltenden, die sich nach einem entspannteren und ehrlicheren Miteinander sehnen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Beziehung ist wichtiger als Technik: Maren Grote argumentiert, dass der Erfolg in der Hundeerziehung weniger von einer spezifischen Methode abhängt, sondern von der Qualität der Beziehung. Ein Lob oder eine Korrektur haben nur dann Gewicht, wenn der Mensch für den Hund eine relevante und wichtige Persönlichkeit ist.
  • Hunden emotionale Freiheit zugestehen: Ein Hund darf einen Artgenossen unsympathisch finden oder in einer Situation Angst haben. Die Aufgabe des Menschen ist es, das daraus resultierende Verhalten zu lenken, nicht aber, das Gefühl des Hundes zu verändern oder zu unterdrücken.
  • Perfektionismus blockiert das Zusammenleben: Der wachsende Druck, einen „perfekten“ Hund zu haben, führt zu übermäßigem Training und nimmt die Leichtigkeit aus der Beziehung. Maren Grote ermutigt dazu, Fehler als Lernchancen zu sehen und nicht jedes unerwünschte Verhalten zu einem riesigen Trainingsprojekt zu machen.
  • Hundekörpersprache ist der Schlüssel: Die Fähigkeit, Hunde objektiv zu beobachten und ihre Körpersprache zu verstehen, ist laut Grote die wichtigste Grundlage für ein harmonisches Miteinander. Es hilft, Motivationen zu erkennen und Missverständnisse zu vermeiden.
  • Weniger Hilfsmittel, mehr Gefühl: Anstatt sich auf eine Vielzahl von Leinen, Geschirren und Leckerlis zu verlassen, plädiert Grote dafür, wieder mehr die eigenen Hände und den Körper zur Kommunikation und zur sanften Anleitung des Hundes zu nutzen.
  • Verhalten von der Persönlichkeit trennen: Ein entscheidender Punkt ist die Unterscheidung zwischen dem Hund als Individuum (das immer gut ist) und einem situativ unerwünschten Verhalten (das korrigiert werden kann). Hunde spüren, ob sie als Persönlichkeit abgelehnt werden oder nur ihr Verhalten.
  • Erfahrung schlägt reines Buchwissen: Grote betont, dass wahres Verständnis und Intuition im Umgang mit Hunden erst durch unzählige Stunden praktischer Erfahrung entstehen, wie sie sie beispielsweise in ihrem Gassi-Service gesammelt hat.

Die Kunst des Verstehens: Warum das „Lesen“ von Hunden fundamental ist

Maren Grote erklärt, dass sie ihr erstes Buch „Hunde lesen lernen“ geschrieben hat, weil das Verstehen der Körpersprache die wichtigste Grundlage für ein harmonisches Zusammenleben ist. Viele Probleme und Konflikte entstehen, weil Menschen die Signale ihrer Hunde nicht oder falsch deuten. Sie beobachtet oft in Begegnungen, dass sie als Trainerin schon aus der Ferne erkennt, was gleich passieren wird, während die Haltenden ahnungslos bleiben. Ein zentrales Problem dabei ist, dass viele Menschen ihre Hunde zu sehr „mit dem Herzen“ sehen, also ihre eigenen Emotionen und Wünsche auf das Tier projizieren, anstatt objektiv zu beobachten, was der Hund mit seinem Körper ausdrückt. Es geht darum, die eigenen Gefühle von denen des Hundes zu trennen und zu akzeptieren, dass ein Hund andere Interessen und Motivationen hat - zum Beispiel, dass er den Nachbarshund nicht aus Angst anbellt, sondern ihn „einfach nur Scheiße findet“.

Der Hund im Jahr 2024: Zwischen Perfektionsdruck und „Friedensinsel“

Auf die Frage, welche Rolle der Hund heute in der Gesellschaft spielt, antwortet Maren Grote, dass Hunde zu einer Art „Friedensinsel“ in einer als unsicher und chaotisch empfundenen Welt geworden sind. Diese Entwicklung habe sich seit der Corona-Pandemie verstärkt. Menschen projizieren den Wunsch nach einer heilen, konfliktfreien Welt auf ihre Hunde, was einen enormen Druck erzeugt: Der Hund muss perfekt sein. Dieser Perfektionismus führt dazu, dass das Zusammenleben oft nur noch aus Training besteht, um jeden kleinen Fehler auszumerzen. Grote kritisiert diesen Trend und die damit verbundene Egonummer, bei der der perfekt funktionierende Hund zum Beweis für die eigene Kompetenz wird. Dies führt zu einer allgemeinen Verunsicherung, da Haltende ständig das Gefühl haben, alles von Anfang an richtig machen zu müssen und durch die Flut an Online-Informationen überfordert sind.

Beziehung vor Methode: Der Kern von Maren Grotes Erziehungsphilosophie

In ihren Seminaren versucht Maren Grote zu vermitteln, dass es in der Hundeerziehung nicht um eine bestimmte magische Technik geht, die jedes Problem löst. Die häufigste Frage, die ihr gestellt wird, lautet: „Was macht man, wenn der Hund X tut?“ Ihre Antwort darauf ist, dass die Methode fast zweitrangig ist. Entscheidend sind der Kontext, das Timing und vor allem die Person, die die Methode anwendet. Wenn der Mensch für den Hund keine relevante oder wichtige Figur ist, sind Lob und Strafe wertlos. Eine starke, auf Vertrauen und Respekt basierende Beziehung ist die Grundlage für jede erfolgreiche Erziehung. Es geht darum, das große Ganze zu betrachten - das Zusammenleben von morgens bis abends - und nicht nur isolierte Trainingssequenzen.

Zurück zum Ursprung: Die Bedeutung von Berührung und körperlicher Anleitung

Für ihr zweites Buch hat sich Maren Grote dem Thema „Anfassen“ und körperliche Führung gewidmet. Ihr fällt auf, dass Menschen unzählige Hilfsmittel wie verschiedene Leinen, Geschirre und Leckerlibeutel zwischen sich und den Hund schalten. Dadurch geht die direkte, körperliche Kommunikation verloren. Viele Hundehaltende sind hilflos, wenn der Hund kein Halsband trägt, weil ihnen der „Henkel“ fehlt, um ihn zu führen. Grote argumentiert, dass unsere Hände das wichtigste Werkzeug sind, das wir immer dabeihaben. Mit einer einfachen Berührung - etwa der Hand auf dem Rücken des Hundes - kann man subtil und effektiv kommunizieren, ob man Konzentration fordert, Sicherheit gibt oder Stolz ausdrückt. Dieser direkte, intime Kontakt ist weitaus wirkungsvoller als jedes Equipment.

Gefühle sind erlaubt: Die Trennung von Verhalten und Persönlichkeit

Ein zentraler und wiederkehrender Punkt im Gespräch ist Maren Grotes Überzeugung, dass Hunde das Recht auf ihre eigenen Gefühle haben. Sie kritisiert Ansätze, die versuchen, die Emotionen eines Hundes zu verändern, etwa indem man einem Hund, der einen Artgenossen nicht mag, immer Leberwurst gibt, in der Hoffnung, er fände den anderen dann toll. Grote betont: „Lass doch deinen Hund den anderen Hund blöd finden. Was geht dich das denn an?“ Die Aufgabe des Menschen sei es, das Verhalten des Hundes so zu lenken, dass es im Alltag für alle passt, nicht aber, seinen Charakter oder seine Gefühle zu manipulieren. Es ist essenziell, zwischen dem Hund als Wesen und seinem Verhalten zu unterscheiden. Man kann ein Verhalten situativ verbieten oder unterbinden, ohne den Hund als Persönlichkeit abzulehnen. Laut Grote spüren Hunde diesen Unterschied ganz genau.

Praktische Ansätze für den Alltag

  1. Beobachten statt interpretieren: Nimm dir bewusst Zeit, deinen Hund objektiv zu beobachten. Was machen seine Ohren, seine Rute, seine Körperhaltung? Trenne das, was du siehst, von dem, was du fühlst oder dir wünschst.
  2. Reduziere Hilfsmittel: Versuche, weniger auf Leine oder Leckerlis als primäres Kommunikationsmittel zu setzen. Nutze deine Hände, um deinen Hund sanft zu leiten, zu stoppen oder ihm Sicherheit zu geben.
  3. Stelle die richtige Grundfrage: Frage dich vor einer Situation: „Soll mein Hund jetzt etwas tun oder etwas lassen?“ Diese simple Frage hilft dir, deine Absicht zu klären und die richtige Strategie zu wählen.
  4. Akzeptiere die Gefühle deines Hundes: Erlaube deinem Hund, eigene Emotionen wie Antipathie gegenüber anderen Hunden zu haben. Konzentriere dich darauf, sein Verhalten zu managen, anstatt seine Gefühle ändern zu wollen.
  5. Sei fehlerfreundlich mit dir selbst: Akzeptiere, dass du nicht von Anfang an alles richtig machst. Fehler sind Lernchancen. Eine falsche Entscheidung zerstört nicht das Vertrauen deines Hundes.
  6. Finde den Spaß wieder: Entkomme dem Perfektionismus. Nicht jedes kleine Problem muss zu einem jahrelangen Trainingsprojekt werden. Manchmal reicht es, eine Situation zu managen (z. B. den Hund im Dunkeln anleinen) und die gemeinsame Zeit zu genießen.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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