Plötzlich Pubertät: Wie du souverän bleibst, wenn dein Hund die Regeln vergisst

In der aktuellen Episode des Podcasts „Sitz! Platz! Bleibt!“ sprechen die Hosts Nicole Borowy und Sami El Ayachi über ein Thema, das viele Hundebesitzer an ihre Grenzen bringt: plötzliche Verhaltensänderungen in der Pubertät. Anhand eines persönlichen Beispiels mit Nicoles jungem Hund Jaxon diskutieren sie, wie man mit unerwarteten Konflikten umgeht, welche Rolle der soziale Druck spielt und wie man eine klare, aber faire Haltung bewahrt.

Diese Folge ist besonders wertvoll für alle, die sich von der plötzlichen Eigenständigkeit ihres jungen Hundes überfordert fühlen. Sie beleuchtet die zentrale Frage: Wie reagiere ich in einer herausfordernden Situation authentisch und im Sinne meiner Werte, ohne die Beziehung zu meinem Hund zu belasten?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Pubertät kann das Verhalten eines Hundes schlagartig verändern und eine zuvor gut funktionierende Bindung und Erziehung auf die Probe stellen.
  • In akuten Konfliktsituationen ist reines Management (z. B. den Hund kurz halten) eine legitime erste Maßnahme, um Eskalationen zu verhindern.
  • Sozialer Druck und die Blicke anderer Menschen können zu Selbstzweifeln führen. Es ist entscheidend, bei sich zu bleiben und nicht aus Unsicherheit unfair gegenüber dem Hund zu handeln.
  • Oft wurzelt problematisches Verhalten in Verhaltensweisen, die zuvor in anderen Kontexten toleriert oder sogar unbewusst gefördert wurden.
  • Statt unkontrollierbare Situationen zu meiden, solltest du gezielt planbare Trainingsszenarien schaffen, um das Problem schrittweise und kontrolliert anzugehen.
  • Deine Fähigkeit, in spontanen Situationen ruhig und reflexartig zu agieren, ist ebenso wichtig wie das Training des Hundes. Übe auch deine eigenen Reaktionen.
  • In einem Moment, in dem dein Hund die Kontrolle verliert, ist es deine Aufgabe, ihm durch klares, ruhiges und physisches Halten Sicherheit und eine Grenze zu geben.

Wenn der pubertierende Hund die Verbindung kappt

Nicole leitet die Diskussion mit einer persönlichen Erfahrung ein. Ihr Hund Jaxon, mit dem sie acht Monate lang intensiv an der Bindung gearbeitet hat, zeigt seit dem Eintritt in die Pubertät ein völlig neues Verhalten. Während die Leinenführigkeit zuvor gut funktionierte, stürmt er nun vehement in die Leine, sobald er einen anderen Hund in der Ferne entdeckt. Die etablierte Verbindung scheint in diesen Momenten wie ausgelöscht.

Sie beschreibt ihre anfängliche Ratlosigkeit und ihre aktuellen Versuche, die Situation zu managen, indem sie Jaxon an ihre Seite nimmt und festhält. Diese Erfahrung wirft eine grundlegende Frage auf, die Sami aufgreift: Welchen Werten folge ich in solchen Konfliktmomenten? Meinen eigenen, denen von Trainern oder denen der Gesellschaft?

Die Wurzeln des Verhaltens: Ein Blick in die Vergangenheit

Sami El Ayachi regt an, die Ursache für Jaxons Verhalten zu analysieren. Er erinnert daran, dass Jaxon schon immer ein explorativer und aufgeschlossener Hund war, besonders gegenüber Menschen. Dieses freundliche, aber auch leicht übergriffige Verhalten wurde oft positiv von Fremden aufgenommen, wodurch Jaxon lernte, dass es erfolgreich ist, auf interessante Reize zuzugehen. Nicole bestätigt, dass sie diese offene Art bewusst gefördert hat, auch als Gegenpol zu ihrem älteren, eher zurückhaltenden Hund Sherlock.

Sami erklärt, dass hier der menschliche Weitblick entscheidend ist. Was bei einem Welpen charmant wirkt, kann sich später zu einem Problem entwickeln. Er zieht einen Vergleich zur innerartlichen Kommunikation, etwa in einem Wolfsrudel: Ein junger Wolf, der sich eigenmächtig von der Gruppe entfernt, würde aus Sicherheitsgründen eine sehr klare und unmissverständliche Korrektur erfahren. Menschen neigen hingegen dazu, Verhalten je nach Situation unterschiedlich zu bewerten - ein Verhalten, das bei einem Nachbarn in Arbeitskleidung unerwünscht ist, wird in Freizeitkleidung vielleicht toleriert. Dies schafft für den Hund keine klaren Regeln.

Der Umgang mit dem Konflikt: Zwischen Management und Training

Wenn ein Hund in einer solchen Situation hochfährt, ist er oft nicht mehr für komplexere Anweisungen empfänglich. Sami erläutert, dass der erste Schritt darin bestehen kann, die Dynamik aus der Situation zu nehmen. Anstatt zu versuchen, am Reiz vorbeizugehen, kann es sinnvoller sein, den Hund zunächst statisch neben sich zu positionieren und den Reiz passieren zu lassen. So lässt sich das Erregungslevel besser einschätzen und kontrollieren.

Das eigentliche Training, so Sami, sollte jedoch nicht in unvorhersehbaren Alltagssituationen stattfinden, in denen der Mensch selbst oft überfordert und nicht schnell genug handlungsfähig ist. Viele Menschen sind nicht darauf trainiert, reflexartig und klar zu agieren. Stattdessen sei es effektiver, planbare Übungssituationen zu schaffen, in denen man gezielt an dem Punkt ansetzen kann, an dem die Erregung des Hundes beginnt.

Die Last der Blicke: Sozialer Druck und die eigene Haltung

Ein zentraler Aspekt der Diskussion ist der enorme Einfluss, den das soziale Umfeld hat. Wenn ein Hund sich „danebenbenimmt“, fühlen sich Halter oft den bewertenden Blicken anderer ausgesetzt. Nicole schildert eine konkrete Situation, in der sie Jaxon an der Schulter hielt und spürte, wie Passanten sie kritisch beobachteten. Dies führte bei ihr im Nachhinein zu Selbstzweifeln: „Habe ich etwas falsch gemacht? War ich unfair?“

Sami betont, wie wichtig es ist, sich von diesem externen Druck zu lösen. Wer sich auf die Meinung Fremder konzentriert, läuft Gefahr, im Inneren unfair zum eigenen Hund zu werden. Er erzählt als eindrückliches Beispiel von einem Vater, der sein schreiendes Kind im Supermarkt ruhig und souverän über die Schulter nahm, nach draußen trug und die Situation erst dort löste - unbeeindruckt von den Blicken der anderen. Die Kernaussage: In einem Konflikt ist es deine Aufgabe, für dein Gegenüber (den Hund) da zu sein und ihm Halt zu geben, nicht die Zuschauer zu besänftigen. Der Hund darf seinen Frust zeigen - deine Rolle ist es, der erwachsene, stabile Part zu bleiben.

Praktische Schritte für den Umgang mit Konfliktsituationen

  1. Analysiere den Kontext: Bevor du handelst, prüfe die Gesamtsituation. Ist dein Hund durch die Umgebung bereits überreizt? Berücksichtige Faktoren wie einen neuen Ort, ungewohnte Geräusche oder viele Menschen.
  2. Nutze situatives Management: Fühlst du dich von der Spontanität einer Situation überfordert, ist es völlig in Ordnung, zunächst nur zu managen. Halte deinen Hund sicher an deiner Seite, um die Situation zu deeskalieren, anstatt zu versuchen, sie erzieherisch zu lösen.
  3. Beginne mit statischen Übungen: Anstatt direkt in der Bewegung an einem Auslöser vorbeizugehen, übe zuerst im Stehen. Positioniere deinen Hund neben dir und lasse den Reiz (z. B. einen anderen Hund) in sicherer Entfernung passieren. So lernt dein Hund, in deiner Gegenwart ruhig zu bleiben.
  4. Schaffe gezielte Trainingsgelegenheiten: Vermeide es nicht, schwierige Situationen zu konfrontieren, aber gestalte sie kontrollierbar. Verabrede dich mit einem anderen Hundehalter, um Hundebegegnungen in einer Distanz zu üben, die dein Hund noch bewältigen kann.
  5. Übe an einfacheren „Stellvertreter-Konflikten“: Trainiere das Prinzip des „Bei-mir-Bleibens“ in weniger aufgeladenen Situationen. Dein Hund kann zum Beispiel lernen, ruhig zu warten, auch wenn eine gute Freundin zu Besuch kommt, anstatt sofort hinzustürmen.
  6. Trainiere deine eigene Reaktion: Bereite dich mental und körperlich darauf vor, schnell, ruhig und klar zu handeln. Übe die notwendigen Bewegungsabläufe (z. B. einen schnellen Schritt nach vorn, das Greifen der Leine) „trocken“, damit sie im Ernstfall abrufbar sind.
  7. Bewahre eine wohlwollende Haltung: Akzeptiere den Frust deines Hundes als legitime Emotion. Deine Aufgabe ist es, ihm einen klaren Rahmen und Halt zu geben, ohne dabei unfair oder emotional zu werden - unabhängig davon, was andere denken mögen.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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