Positive Strafe, Social-Media-Mythen und die Verantwortung der Trainer-Szene
In dieser Episode des Podcasts Furminant analysieren die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack ein „Fundstück“ von Social Media: eine Instagram-Story, die etablierte Konzepte des Hundetrainings grundlegend falsch darstellt. Die Diskussion entwickelt sich schnell von einer reinen Analyse zu einem kritischen Blick auf die Hundetrainer-Szene selbst und die weitverbreitete Angst, offen über Korrekturen zu sprechen.
Im Kern geht es um die Frage, wie positive Strafe und negative Verstärkung in einem fairen, transparenten und für den Hund nachvollziehbaren Training funktionieren. Die Episode ist eine wichtige Ressource für alle Hundehalter, die sich im Dschungel der Online-Informationen zurechtfinden und verstehen wollen, wie Lernprozesse wirklich ablaufen - jenseits von Mythen und Verharmlosungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Mythos der ständigen Angst: Eine korrekt und gezielt eingesetzte Strafe führt nicht dazu, dass ein Hund in permanenter Furcht lebt. Sie dient als klare Konsequenz für ein spezifisches, unerwünschtes Verhalten.
- Selbstwirksamkeit ist das Ziel: Faires Training ermöglicht dem Hund zu lernen, wie er durch sein eigenes Verhalten eine negative Konsequenz vermeiden kann. Er hat die Kontrolle über den Ausgang.
- Wiederholung schafft Klarheit: Das Wiederholen einer Trainingssituation ist entscheidend, damit der Hund die Verknüpfung zwischen seinem Handeln und der Konsequenz sicher herstellen kann und keine Fehlverknüpfungen entstehen.
- Inkonsistenz ist das eigentliche Problem: Willkürliche und unvorhersehbare Reaktionen des Menschen sind für einen Hund weitaus schädlicher und stressiger als eine klare, konsequente Regel.
- Negative Belohnung im Kontext: Das Ausbleiben einer erwarteten Strafe bei korrektem Verhalten wirkt vor allem in der Anfangsphase eines Lernprozesses als negative Verstärkung (oder „negative Belohnung“).
- Transparenz ist notwendig: Die Hosts plädieren dafür, dass Trainer offener über den Einsatz von Korrekturen sprechen, um Falschinformationen entgegenzuwirken und ein realistisches Bild von Hundetraining zu vermitteln.
Der Auslöser: Eine Fehlinterpretation auf Social Media
Johanna stellt das Fundstück der Episode vor: eine Instagram-Story, die sich kritisch mit einem anderen Beitrag zum Thema positive Strafe auseinandersetzt. Die Verfasserin der Story behauptet, dass der Einsatz von positiver Strafe in Kombination mit negativer Belohnung (dem Ausbleiben der Strafe) nur funktioniere, wenn man den Hund „sehr häufig“ bestrafe. Daraus leitet sie die falsche Schlussfolgerung ab, dass der Hund in einer permanenten Erwartungshaltung lebe, bestraft zu werden. Sein Normalzustand sei also die Angst, und nur wenn er sich richtig verhält, bleibe der Ärger aus.
Alex und Johanna stellen sofort klar, dass diese Darstellung nichts mit der Realität eines gut strukturierten Trainings zu tun hat. Alex merkt an, dass diese Interpretation willkürlich Dinge hinzudichtet, die im ursprünglichen Beitrag nie erwähnt wurden. Er erklärt, dass Menschen, die selbst nie mit Strafen arbeiten, oft die größten Mythen darüber verbreiten.
Positive Strafe und negative Belohnung richtig verstehen
Um die Konzepte zu verdeutlichen, erläutern die Hosts, wie der Lernprozess tatsächlich abläuft. Alex nutzt das Beispiel des Kommandos „Sitz“: Ein Hund lernt zunächst über positive Verstärkung (Belohnung), sich auf das Signal hinzusetzen. Entscheidet er sich später in einer ablenkenden Situation bewusst gegen das Kommando, kann eine positive Strafe als Konsequenz folgen. Ziel ist, den Hund zur Kooperation zu bewegen.
Zeigt der Hund daraufhin das gewünschte Verhalten, bleibt die Strafe aus. Genau dieses Ausbleiben einer (im Lernprozess kurzzeitig erwarteten) Konsequenz wirkt als negative Belohnung. Der Hund lernt also zweierlei: „Verweigere ich das Kommando, folgt eine unangenehme Konsequenz. Führe ich es aus, bleibt die Konsequenz aus und ich werde vielleicht sogar belohnt.“
Johanna ergänzt dies mit alltagsnahen Analogien: Niemand hat Angst vor einer roten Ampel, sondern versteht die Konsequenz, wenn man sie ignoriert. Ebenso haben wir keinen Respekt vor einer heißen Herdplatte, weil wir gelernt haben, sie nicht zu berühren, wenn sie eingeschaltet ist. Diese Lernprozesse basieren auf klaren, verständlichen Regeln und nicht auf permanenter Furcht.
Die entscheidende Rolle von Wiederholung und Selbstwirksamkeit
Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Bedeutung der Wiederholung. Johanna erklärt, dass das Wiederholen einer Trainingssituation nicht dazu dient, den Hund immer wieder zu bestrafen. Im Gegenteil: Es gibt dem Hund die Chance, die Verknüpfung zwischen seinem Verhalten und der Konsequenz sicher zu verstehen und Fehlinterpretationen zu vermeiden. So kann er lernen, wie er die Situation selbst steuern kann.
Dieses Prinzip bezeichnen die Hosts als Selbstwirksamkeit: Der Hund erkennt, dass er selbst in der Hand hat, ob eine negative Konsequenz eintritt oder nicht. Das Gegenteil davon, und darin sehen beide die eigentliche Gefahr, ist Willkür. Johanna nutzt das Bild eines „willkürlichen Herdes“, der mal heiß ist und mal nicht, unabhängig davon, ob eine Warnlampe leuchtet. Ein solch unvorhersehbares Umfeld macht es dem Hund unmöglich zu lernen und erzeugt chronischen Stress.
Kritik am Ursprungsbeitrag: Die Gefahr der Verharmlosung
Interessanterweise kritisiert Alex nicht nur die fehlinterpretierende Story, sondern auch den ursprünglichen Beitrag. Dessen Formulierung, der Fokus solle auf der Belohnung und nicht auf der Strafe liegen, empfindet er als „verwässertes Wording“. Er argumentiert, dass dies den Versuch darstellt, den Einsatz von Strafen zu verharmlosen, um sympathischer zu wirken.
Fachlich sei es zudem falsch zu behaupten, der Hund lerne nur durch die Belohnung. Die Verhaltensanpassung in diesem Kontext, so Alex, findet nur statt, weil die positive Strafe als Teil des Prozesses existiert. Man könne die Strafe nicht von der anschließenden ausbleibenden Strafe trennen. Beides sei integraler Bestandteil des Lernprozesses.
Ein Plädoyer für mehr Transparenz in der Hundetrainer-Szene
Die Diskussion weitet sich zu einer grundsätzlichen Kritik an der Hundetrainer-Community auf Social Media. Johanna und Alex beobachten eine Kultur der Angst und Heuchelei: Viele Trainer trauen sich nicht, ihre Arbeit authentisch zu zeigen, aus Sorge vor Shitstorms oder Meldungen beim Veterinäramt. Gleichzeitig kritisieren dieselben Leute öffentlich Kollegen für Methoden, die sie hinter verschlossenen Türen selbst anwenden.
Johanna argumentiert eindringlich, dass diese Geheimniskrämerei das Problem verschärft. Indem Korrekturen dämonisiert und versteckt werden, entsteht ein Vakuum, das von realitätsfernen Darstellungen wie der analysierten Instagram-Story gefüllt wird. Hundehalter bekommen so nie zu sehen, wie eine faire, verhältnismäßige und effektive Korrektur aussieht. Die Folge ist ein verzerrtes Bild von Hundetraining, das am Ende mehr schadet als nützt.
Grundsätze für faires Training mit Korrekturen
- Verständnis sichern: Baue ein gewünschtes Verhalten immer zuerst positiv auf. Eine Korrektur für die Nicht-Ausführung sollte erst dann erfolgen, wenn du sicher bist, dass dein Hund das Kommando verstanden hat.
- Klarheit durch Wiederholung: Nutze gezielte Wiederholungen, damit dein Hund den Zusammenhang zwischen seinem Handeln und der Konsequenz zweifelsfrei versteht.
- Konsequent statt willkürlich sein: Sei in deinen Regeln und Reaktionen vorhersehbar. Ein Hund, der weiß, woran er ist, fühlt sich sicherer als einer, der ständig mit unerwarteten Reaktionen rechnen muss.
- Selbstwirksamkeit ermöglichen: Dein Ziel sollte immer sein, dass dein Hund lernt, wie er durch sein eigenes, korrektes Verhalten eine unangenehme Situation vermeiden kann. Gib ihm die Kontrolle zurück.
- Informationen kritisch prüfen: Hinterfrage, was du auf Social Media siehst. Solche Plattformen zeigen oft nur Ausschnitte ohne Kontext. Verlasse dich nicht auf einzelne Posts, um dein Training zu gestalten.
Themen und Herausforderungen
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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