Problemhund? Warum die Schuldfrage im Training nicht weiterhilft

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In der neuen Folge des Podcasts Hundsf(a)elle tauchen die Moderatoren Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak tief in ein emotional aufgeladenes Thema ein: den sogenannten „Problemhund“. Sie starten damit eine vierteilige Reihe, die sich kritisch mit diesem Begriff auseinandersetzt und Halterinnen und Haltern neue Perspektiven eröffnen möchte.

Im Fokus der Episode steht die zentrale Frage, was einen Hund tatsächlich zu einem „Problemhund“ macht und welche Ursachen hinter herausforderndem Verhalten stecken. Statt nach Schuldigen zu suchen, lenken Yvonne und Mustafa den Blick auf die komplexen Zusammenhänge zwischen dem Hund, seiner Umwelt und der Mensch-Hund-Beziehung. Diese Folge ist eine wertvolle Ressource für alle, die sich von bestimmten Verhaltensweisen ihres Hundes überfordert fühlen und nach verständnisvollen, lösungsorientierten Ansätzen suchen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Begriff „Problemhund“ ist oft eine subjektive Bewertung des Menschen, die durch als störend oder belastend empfundenes Verhalten entsteht.
  • Herausforderndes Verhalten ist kein Beweis für einen „schlechten“ Hund, sondern ein Signal, dass etwas im Ungleichgewicht ist.
  • Die Ursachen für problematisches Verhalten lassen sich meist auf drei Ebenen finden: die individuellen Eigenschaften des Hundes, seine Lebensumstände und die Qualität der Mensch-Hund-Beziehung.
  • Rassetypische Eigenschaften wie Territorial- oder Jagdverhalten sind normal und müssen gemanagt, aber nicht als Problem abgestempelt werden.
  • Der erste Schritt zur Veränderung ist ein Perspektivwechsel: weg von der Schuldfrage („Wer hat etwas falsch gemacht?“) hin zur Ursachenforschung („Warum zeigt der Hund dieses Verhalten?“).
  • Praktische Alltags-Checks zu Routine, Umweltreizen und Kommunikation helfen dabei, die Auslöser für problematisches Verhalten zu erkennen und gezielt anzugehen.

Was ist ein „Problemhund“ wirklich? Eine kritische Definition

Gleich zu Beginn stellen Yvonne und Mustafa klar, dass der Begriff „Problemhund“ oft vorschnell und undifferenziert verwendet wird. Viele Hunde, die diesen Stempel erhalten, zeigen laut Yvonne eigentlich nur „störendes oder belastendes Verhalten“. Damit meint sie Verhaltensweisen, die für den Menschen anstrengend sind, wie starkes Ziehen an der Leine, permanentes Bellen oder Trennungsstress. Diese machen den Alltag kompliziert, bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass der Hund eine krankhafte Verhaltensstörung hat.

Der entscheidende Faktor, so erklären die beiden, ist die individuelle Wahrnehmung des Halters. Was für eine Person eine untragbare Belastung darstellt, kann für eine andere Person ein handhabbares, charakterliches Merkmal ihres Hundes sein. Yvonne bringt es auf den Punkt: Sie selbst würde ihren charakterstarken Hund nicht als Problemhund bezeichnen, obwohl andere das vielleicht tun würden, weil sie gelernt hat, mit seinen Eigenheiten umzugehen und sie nicht als Belastung empfindet.

Die drei Ebenen: Woher problematisches Verhalten kommt

Um die Ursachen für herausforderndes Verhalten zu verstehen, schlagen die Moderatoren vor, das Gesamtbild auf drei zentralen Ebenen zu betrachten:

  1. Das Individuum Hund: Hierzu zählen laut Yvonne der Charakter (z. B. sensibel, mutig, reizoffen), genetische Veranlagungen und bisherige Lernerfahrungen. Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, deren Bedürfnisse und Veranlagungen berücksichtigt werden müssen.
  2. Umfeld und Lebensumstände: Yvonne erläutert, dass die Haltungsbedingungen einen massiven Einfluss haben. Faktoren wie das Leben in der Stadt oder auf dem Land, das Maß an Reizen (zu viel oder zu wenig), die Alltagsstruktur und vor allem das Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhepausen spielen eine entscheidende Rolle.
  3. Die Mensch-Hund-Beziehung: Mustafa hebt hervor, wie wichtig eine klare Kommunikation und Rollenverteilung ist. Wenn die Beziehungsebene nicht geklärt ist, der Hund wenig Impulskontrolle gelernt hat oder ständig im Mittelpunkt steht, können schnell Spannungen und Verhaltensprobleme entstehen.

Diese drei Ebenen sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Ein Hund mit einer genetischen Veranlagung zu Wachsamkeit wird in einer reizüberfluteten Umgebung ohne klare Führung durch den Menschen eher problematisches Verhalten zeigen.

Fallbeispiele Erna & Rudi: Theorie in der Praxis

Anhand ihrer fiktiven Beispielhunde Erna und Rudi machen die Moderatoren die Theorie greifbar.

  • Erna, der Labrador: Mustafa beschreibt Erna als energiegeladene Hündin, deren Besitzerin ihr wenig Struktur im Alltag bietet. Ernas wildes Spiel zu Hause und das Ziehen an der Leine sind demnach keine böse Absicht, sondern ein Ausdruck von Überforderung und fehlender Routine. Sie ist kein Problemhund, sondern ein junger, unterforderter Hund, der seine Energie nicht kanalisieren kann.
  • Rudi, der Tierschutzhund: Yvonne schildert Rudi als rumänischen Tierschutzhund mit genetisch bedingtem Territorial- und Wachverhalten. Sein Problem, keinen Besuch ins Haus zu lassen, entsteht, weil sein Besitzer Stefan ihm anfangs keine klaren Grenzen und Strukturen (wie einen festen Platz) zugewiesen hat. Das Verhalten war von Anfang an angelegt, wurde aber erst als störend wahrgenommen, als es den Alltag der Familie einschränkte. Auch Rudi ist kein Problemhund - sein Verhalten ist eine logische Konsequenz seiner Genetik in Kombination mit unklaren Regeln.

Beide Beispiele verdeutlichen: Das problematische Verhalten entsteht erst im Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen und ist selten dem Hund allein anzulasten.

Weg vom Stempel: Warum die Schuldfrage im Training schadet

Ein zentrales Anliegen der Episode ist es, Halter von der Last der Schuldfrage zu befreien. Mustafa warnt, dass das Label „Problemhund“ lähmend wirken kann und bei Haltern das Gefühl auslöst: „Er ist falsch, ich bin falsch, wir sind verloren.“ Diese negative Grundhaltung blockiert lösungsorientiertes Training.

Yvonne teilt eine persönliche Erfahrung mit ihrem Harzer Fuchs, den sie selbst lange als Problemhund sah. Erst als sie aufhörte, ihm die Schuld für sein Verhalten zu geben, und stattdessen die Ursachen in seiner Genetik, seiner Vorgeschichte und ihrer Beziehung suchte, fand sie einen konstruktiven Weg. Ihr Fazit ist eine der Kernbotschaften der Folge: Anstatt sich zu fragen, wer schuld ist, sollte die Frage lauten: „Wie kommt es dazu, dass der Hund dieses Verhalten zeigt?“

Diese Veränderung der Perspektive ist der Schlüssel. Problematisches Verhalten wird so nicht mehr als Makel, sondern als ein Signal verstanden – ein Hinweis darauf, dass an bestimmten Stellschrauben im Zusammenleben etwas verändert werden darf.

Praktische Schritte: Drei Mini-Checks für deinen Alltag

Um direkt ins Handeln zu kommen, geben Yvonne und Mustafa drei konkrete Impulse, mit denen du sofort beginnen kannst, um mehr Klarheit zu gewinnen:

  1. Der Alltagscheck: Überprüfe deine täglichen Routinen. Gibt es feste Fütterungszeiten, Spaziergänge und vor allem bewusste Ruhepausen? Mustafa rät, klare Strukturen zu schaffen, da diese dem Hund Sicherheit und Orientierung geben.
  2. Der Umweltcheck: Analysiere, welche Situationen deinen Hund überfordern. Ist es der Stadtlärm, sind es Menschenmengen oder andere Hunde? Mustafa empfiehlt, solche Reizsituationen gezielt zu reduzieren, indem du beispielsweise ruhigere Gassi-Routen oder andere Uhrzeiten wählst.
  3. Der Kommunikationscheck: Beobachte deinen Hund genau und frage dich, was er mit seinem Verhalten ausdrücken möchte. Yvonne schlägt dazu drei Reflexionsfragen vor:

    • Hattest du eine Wahl, die Situation anders zu gestalten?
    • Hatte dein Hund eine Wahl, anders zu reagieren?
    • Wie genau kommt es dazu, dass der Hund in dieses Verhalten gerät?

    Diese Fragen helfen dir, die Auslöser und Muster hinter dem Verhalten zu erkennen.

Diese kleinen Analysen schaffen Klarheit, die laut den Moderatoren der erste und wichtigste Schritt zu weniger Problemen und mehr Gelassenheit im Alltag ist.


🔗 Zugehörige Folge(n)

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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