Reflexionen über den Auslandstierschutz und die Welpenmafia

In dieser Episode des Podcasts Furminant setzen sich die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack in ihrem "Nachgehört"-Format intensiv mit den Inhalten ihres vorangegangenen Gesprächs mit Susann Lehmann vom Tierschutzverein "Spitz and Pawtners" auseinander. Die Diskussion dreht sich um die erschreckenden Realitäten des modernen, illegalen Welpenhandels, die finanzielle Belastung durch Tierarztkosten und die grundlegende Frage, wie der Verkauf und die Abgabe von Hunden systemisch verbessert werden können.

Die Episode beleuchtet, warum der Kauf eines Hundes über private Anzeigen eine immense Gefahr darstellt und welche strukturellen Veränderungen nötig wären, um Tierleid zu verhindern und Hundehaltung für alle verantwortungsbewusst zu gestalten. Es ist eine tiefgehende Analyse, die für jeden relevant ist, der einen Hund hat, sich einen wünscht oder sich für Tierschutz interessiert.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Professionalisierter Welpenhandel: Illegale Hundevermehrer agieren heute nicht mehr nur auf Parkplätzen, sondern in großen „Fabriken“ mit täuschend echten, seriös wirkenden Netzwerken in Deutschland.
  • Verbot von Privatverkäufen: Alex plädiert für ein generelles Verbot des privaten Hundeverkaufs und der privaten Abgabe, um Profitgier zu unterbinden und Vermittlungen professionell über Tierschutzvereine abzuwickeln.
  • Explodierende Tierarztkosten: Die Kosten für tierärztliche Behandlungen sind so stark gestiegen, dass eine umfassende Krankenversicherung oder erhebliche finanzielle Rücklagen für fast jeden Hundehalter unerlässlich sind.
  • Hunde als Luxusgut: Um zu verhindern, dass nur noch wohlhabende Menschen sich einen Hund leisten können, schlägt Johanna eine solidarische, verpflichtende Krankenversicherung für alle Hunde vor.
  • Sinn von Schutzgebühren: Schutz- und Abgabegebühren bei Tierschutzvereinen sind keine Kaufpreise, sondern decken Kosten für Untersuchungen, Impfungen und Versorgung und funktionieren nach einem Solidaritätsprinzip.
  • Ethischer Tierschutz: Seriöse Vereine wie "Spitz and Pawtners" zahlen kein Geld an Vermehrer für die Übernahme von Hunden, um das leidvolle Geschäft nicht noch zu unterstützen.

Die moderne Realität des illegalen Welpenhandels

Johanna zeigt sich nach dem Gespräch mit Susann Lehmann besonders schockiert über das Ausmaß und die Professionalität des modernen Welpenhandels. Sie betont, dass das alte Bild von dubiosen Verkäufern aus dem Kofferraum längst überholt ist. Stattdessen existieren riesige „Fabriken“, in denen Hunde unter schrecklichen Bedingungen „produziert“ werden. Diese Strukturen sind Teil eines komplexen Netzwerks, das bis nach Deutschland reicht. Hier werden die Welpen in normalen Wohnungen präsentiert, oft sogar mit vermeintlichen Elterntieren, um einen seriösen Eindruck zu erwecken. Diese Täuschung macht es für Laien extrem schwer, die Herkunft eines Hundes zu durchschauen und das dahinterstehende Tierleid zu erkennen.

Plädoyer für ein Verbot des privaten Hundeverkaufs

Alex vertritt eine radikale, aber klare Position: Der private Verkauf von Hunden sollte gänzlich verboten werden. Das schließe seiner Meinung nach auch private Abgaben ein, bei denen ein Hund von einem Halter zum nächsten weitergegeben wird. Er argumentiert, dass jede Vermittlung über einen geprüften Tierschutzverein laufen sollte. Dadurch würde sichergestellt, dass kein Geld an Privatpersonen fließt und sich niemand am Verkauf von Lebewesen bereichert. Ein solches Vorgehen würde auch verhindern, dass Hunde zu „Wanderpokalen“ werden. Alex untermauert seine Forderung mit Beobachtungen aus seiner Tierschutzarbeit: Die meisten Hunde, die dringend einen neuen Platz suchen, stammen entweder aus solchen Privatabgaben oder wurden ohne die Begleitung eines deutschen Vereins direkt aus dem Ausland importiert.

Die finanzielle Last der Hundehaltung: Tierarztkosten und Versicherung

Ein zentraler Punkt der Diskussion sind die enormen Kosten, die ein Hund verursachen kann. Alex kritisiert die Motivation, einen Hund möglichst billig erwerben zu wollen, da die Anschaffungskosten im Vergleich zu den laufenden Ausgaben, insbesondere für den Tierarzt, verschwindend gering seien. Anhand von drastischen Beispielen - ein Bienenstich, der fast 5.000 Euro kostete, oder eine durch eine Zecke übertragene Krankheit mit über 10.000 Euro Behandlungskosten - verdeutlichen beide die finanzielle Unberechenbarkeit. Während Alex alle seine Hunde umfassend krankenversichert hat (mit Beiträgen zwischen 65 und 85 Euro pro Hund im Monat), legt Johanna monatlich einen festen Betrag für den Notfall zurück. Beide sind sich einig, dass ohne eine solide finanzielle Absicherung die Hundehaltung zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden ist, nicht zuletzt durch die stark gestiegene Gebührenordnung für Tierärzte.

Systemische Lösungen: Sollte eine Hundekrankenversicherung Pflicht werden?

Johanna greift die Finanzthematik auf und warnt davor, Menschen mit geringerem Einkommen pauschal die Fähigkeit zur verantwortungsvollen Hundehaltung abzusprechen. Sie sieht hier ein systemisches Versagen und schlägt eine flächendeckende, solidarische Krankenversicherungspflicht für Hunde vor. Ähnlich wie im menschlichen Gesundheitssystem könnten so alle Hunde die notwendige medizinische Versorgung erhalten, ohne dass ihre Halter in den finanziellen Ruin getrieben werden. Dies würde verhindern, dass Hunde zu einem reinen Luxusgut werden und Menschen in die tragische Lage kommen, ihr Tier aus Geldnot einschläfern lassen zu müssen. Ein solcher Ansatz würde, so Johanna, auch sozial benachteiligten Menschen, wie etwa Obdachlosen, denen ihr Hund oft Halt und Sicherheit gibt, den Verbleib ihres tierischen Begleiters sichern.

Finanzen im Tierschutz: Warum Schutzgebühren fair und notwendig sind

Alex erklärt detailliert, warum Tierschutzvereine sowohl bei der Abgabe als auch bei der Vermittlung eines Hundes Gebühren erheben. Selbst ein scheinbar gesunder Hund verursacht Kosten für einen allgemeinen Gesundheitscheck, Bluttests, Impfungen und regelmäßige Parasitenbehandlungen, die sich schnell auf mehrere hundert Euro summieren. Die Schutzgebühr bei einer Adoption funktioniert dabei nach einem Solidaritätsprinzip: Die Einnahmen für einen "günstigen" Hund helfen, die oft viel höheren Kosten für einen kranken oder alten Hund zu decken, dessen Behandlung die Schutzgebühr bei weitem übersteigt. Er lobt in diesem Zusammenhang erneut das Vorgehen von "Spitz and Pawtners", die bewusst darauf verzichten, Vermehrern Geld für die Rettung von Hunden zu zahlen. Dieses Prinzip stellt sicher, dass die Tierschutzarbeit das grausame Geschäft nicht indirekt legitimiert oder gar finanziell unterstützt.

Praktische Schritte für Hundehalter

  1. Sei extrem wachsam beim Hundekauf: Meide private Verkäufe auf Online-Portalen. Seriös wirkende Anzeigen in normalen Wohnungen können Teil eines professionellen Betrugsnetzwerks sein. Wende dich stattdessen an anerkannte Züchter oder Tierschutzvereine.
  2. Plane die Finanzen realistisch: Kalkuliere die hohen potenziellen Tierarztkosten von Anfang an ein. Schließe eine umfassende Krankenversicherung (nicht nur eine OP-Versicherung) ab oder lege monatlich einen signifikanten Betrag auf einem separaten Konto zurück.
  3. Handle verantwortungsvoll bei der Abgabe: Wenn du deinen Hund abgeben musst, kontaktiere einen lokalen Tierschutzverein. Er kann eine professionelle und sichere Neuvermittlung gewährleisten und verhindern, dass dein Hund in falsche Hände gerät.
  4. Verstehe die Schutzgebühr: Betrachte die Schutzgebühr eines Tierschutzvereins nicht als Kaufpreis, sondern als fairen Beitrag zur Deckung der entstandenen Kosten und als solidarische Unterstützung für andere Tiere in Not.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.