Schluss mit Schwarz-Weiß: Warum der beste Weg für deinen Hund in der Mitte liegt
Stehst du manchmal vor einer Flut an Ratschlägen zur Hundeerziehung und fühlst dich zwischen den Extremen zerrieben? Auf der einen Seite die Verfechter der reinen positiven Verstärkung, auf der anderen die Vertreter der „klaren Kante“ - und du mittendrin, unsicher, welcher Weg der richtige für dich und deinen Hund ist. Genau dieses Dilemma greifen die Hundetrainer:innen Nicole Borowy und Sami El Ayachi in ihrer Podcast-Episode von Sitz! Platz! Bleibt! auf. Sie plädieren für einen Weg der Vernunft, des gesunden Menschenverstands und vor allem: für das Finden eines individuellen Mittelwegs, der zu dir und deinem Hund passt. Diese Episode ist ein Befreiungsschlag für alle, die dem Druck der Dogmen entkommen und eine authentische, flexible und ehrliche Beziehung zu ihrem Vierbeiner aufbauen wollen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Weg mit den Dogmen: Sami erklärt, dass viele Trainingsansätze auf den persönlichen Erfahrungen Einzelner basieren und nicht als universelle Wahrheit gelten können. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, der für jedes Mensch-Hund-Team funktioniert.
- Dein Bauchgefühl ist dein bester Ratgeber: Nicole betont immer wieder, wie wichtig es ist, auf die eigene Intuition zu hören. Dein Hund und deine Lebenssituation sind einzigartig - trau dich, Entscheidungen zu treffen, die sich für euch richtig anfühlen.
- Klarheit durch Selbstreflexion: Bevor du nach externen Lösungen suchst, frag dich selbst: Was ist mir im Zusammenleben wichtig? Welche Freiheiten möchte und kann ich meinem Hund geben? Eine ehrliche Bestandsaufnahme deiner eigenen Bedürfnisse ist der erste Schritt zu einem klaren Handeln.
- Authentizität schlägt Perfektion: Du musst nicht immer perfekt gelaunt und zu 100 % für deinen Hund verfügbar sein. Hunde spüren, ob du echt bist. Es ist in Ordnung, auch mal einen schlechten Tag zu haben und eine Grenze zu ziehen, solange die Basis eurer Beziehung stimmt.
- Flexibilität ist eine Superkraft: Hunde sind Meister der Anpassung. Sie können lernen, dass zu Hause andere Regeln gelten als im Hotel oder bei Freunden. Klare, aber situative Regeln überfordern sie nicht, sondern geben ihnen Sicherheit.
- Ein Nein ist kein Weltuntergang: Eine Grenze zu setzen oder ein Verhalten zu unterbinden, schadet der Bindung nicht, wenn es fair und verständlich geschieht. Impulskontrolle ist eine wichtige Fähigkeit, die das Zusammenleben für beide Seiten entspannter macht.
Die Falle der Extreme: Warum uns Dogmen unter Druck setzen
Sami El Ayachi steigt direkt in ein Problem ein, das viele Hundebesitzer:innen kennen: Die Hundewelt ist voller Dogmen. "Nur so und nicht anders", lautet oft der Tenor, egal ob es um Fütterung, Training oder die Gestaltung des Alltags geht. Er macht deutlich, dass diese starren Regeln oft aus persönlichen, verallgemeinerten Erfahrungen einzelner Personen entstehen und selten die individuelle Situation eines Mensch-Hund-Teams berücksichtigen. In einer Zeit, in der wir Antworten schnell bei Google oder ChatGPT suchen, laufen wir Gefahr, in einer Informationsblase zu landen, die uns nur die Meinungen anzeigt, die ohnehin zu unserem Suchmuster passen. Das Ergebnis ist oft Verunsicherung statt Klarheit.
Sami kritisiert, dass dabei der Blick für das Wesentliche verloren geht: Wer bist du? Wer ist dein Hund? Was braucht ihr beide, um ein harmonisches Leben zu führen? Statt in einen echten Dialog zu treten und die Hintergründe zu verstehen, werden oft fertige Lösungen präsentiert, die Druck erzeugen. Er gibt zu, dass selbst er als Buchautor nicht alle Facetten eines Themas abbilden kann und seine Ratschläge immer nur als eine Möglichkeit verstanden werden sollten, nicht als die einzige Wahrheit.
Dein innerer Kompass: Wie du lernst, deinem Bauchgefühl zu vertrauen
An dieser Stelle hakt Nicole Borowy ein und plädiert leidenschaftlich für das Bauchgefühl. Sie beobachtet, dass viele Menschen auf der Suche nach schnellen Lösungen für Probleme sind und dabei verlernen, auf ihre eigene Intuition und Erfahrung zu hören. "Du wirst ganz oft die richtige Entscheidung treffen, ohne Nicole oder Sami auf der Schulter zu haben", ermutigt sie die Zuhörer:innen. Sami ergänzt diesen Gedanken um einen praktischen Tipp: Nimm dir Zeit für eine ehrliche Selbstreflexion. Schreib dir auf, was dir im Zusammenleben mit deinem Hund wichtig ist, welche Freiheiten du ihm geben kannst und was er leisten muss, damit euer Alltag funktioniert. Diese persönliche Wunschliste wird zu deinem inneren Kompass.
Besonders relevant finde ich den Aspekt der Authentizität. Wenn ein Ratgeber dir vorschlägt, dich immer zu freuen, wenn dein Hund kommt, du aber innerlich gestresst bist oder gerade deine Ruhe brauchst, entsteht eine Dissonanz. Dein Hund, ein Meister im Lesen deiner Körpersprache, wird diesen Widerspruch spüren. Authentisch zu sein bedeutet auch, sich selbst Stimmungsschwankungen zuzugestehen und Grenzen zu setzen, wenn man sie braucht. Das ist ehrlicher und für den Hund verständlicher als eine aufgesetzte Fröhlichkeit.
Die hohe Kunst der Anpassung: Was wir von Hunden lernen können
Dass Hunde unglaublich anpassungsfähig sind, zeigt Nicole an einem sehr persönlichen Beispiel: Ihr Hund Sherlock darf zu Hause selbstverständlich mit auf die Couch. Wenn sie jedoch auf Reisen in Hotels oder Ferienwohnungen sind, gilt diese Regel nicht. Sherlock hat das nicht nur verstanden, sondern akzeptiert es ohne Probleme. Er stellt es gar nicht mehr infrage. Dieses Beispiel entkräftet die oft geäußerte Sorge, dass Ausnahmen einen Hund verwirren würden. Im Gegenteil: Hunde sind in der Lage, kontextabhängig zu lernen. Sie verstehen, dass an unterschiedlichen Orten oder mit unterschiedlichen Menschen verschiedene Regeln gelten können.
Diese Flexibilität ist ein Plädoyer für einen entspannteren Umgang. Du musst nicht alles, was du einmal erlaubt hast, für immer erlauben. Und du musst auch nicht alles verbieten, nur weil es in einer bestimmten Situation unpassend wäre. Sami bringt es auf den Punkt: Was du temporär verbieten kannst, kannst du auch bewusst erlauben. Es geht um eine bewusste Entscheidung im jeweiligen Moment.
Ein Nein zur richtigen Zeit: Warum Grenzen setzen Liebe ist
Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Angst davor, Grenzen zu setzen. In der modernen, bedürfnisorientierten Hundeerziehung scheint ein klares Nein oft verpönt. Sami argumentiert jedoch, dass Impulskontrolle eine Lebensnotwendigkeit ist. Ein Hund muss lernen, dass er nicht jedes seiner Bedürfnisse sofort befriedigen kann. Das hat nichts mit Härte zu tun, sondern mit Klarheit und Sicherheit. Ein Hund, der gelernt hat, auch mal einen Impuls auszuhalten, kommt im Alltag besser zurecht und ist weniger gestresst.
Besonders spannend ist Samis Beobachtung, dass Hunde, deren Besitzer:innen sich selbst schwertun, Grenzen zu setzen, diese oft problemlos von anderen Menschen (wie zum Beispiel Trainer:innen oder Betreuer:innen in einer Hundetagesstätte) annehmen - ohne einen Schaden davonzutragen. Das zeigt, dass Hunde sehr wohl zwischen Personen und deren Umgangsformen unterscheiden können. Ein faires und klares Setzen von Grenzen beschädigt die Beziehung nicht, sondern stärkt sie, weil es für Verlässlichkeit und Struktur sorgt.
Eine rührende Anekdote von Sami unterstreicht, wie wichtig Engagement und realistische Einschätzungen sind: Der 12-jährige Sohn eines Freundes wünschte sich sehnlichst einen Hund. Nachdem er jahrelang vertröstet wurde, erstellte er eine neunseitige PowerPoint-Präsentation für seine Familie - mit Pro- und Contra-Argumenten, Kostenaufstellung und der klaren Aussage, dass er die Unterstützung der ganzen Familie brauchen würde. Dieser Junge hat intuitiv verstanden, worum es geht: Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, das Engagement, aber auch Flexibilität und gegenseitige Hilfe erfordert. Ein perfektes Bild für das gesunde Mittelmaß.
Praktische Schritte zu deinem persönlichen Mittelweg
Wie findest du nun deinen eigenen, ausgewogenen Weg? Die Episode liefert hierfür konkrete Anstöße:
- Beginne bei dir selbst: Nimm dir Zettel und Stift und beantworte Samis Leitfragen: Was ist mir im Zusammenleben wichtig? Wie sieht mein idealer Alltag mit Hund aus? Was sind meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse? Diese Klarheit ist die Basis für dein Handeln.
- Konsumiere Informationen kritisch: Anstatt einem einzigen "Guru" blind zu folgen, lies und höre dir verschiedene Meinungen an. Versuche, die Logik hinter einem Ratschlag zu verstehen, anstatt ihn nur zu kopieren. Frage dich immer: Passt das zu mir und meinem Hund?
- Beobachte deinen Hund: Er ist dein wichtigster Feedbackgeber. Wie reagiert er auf bestimmte Situationen? Wann ist er entspannt, wann gestresst? Lerne, seine Sprache zu lesen, und passe dein Handeln entsprechend an.
- Sei mutig und flexibel: Trau dich, Ausnahmen zu machen. Nicole lässt ihren eigentlich nicht schwimmbegeisterten Hund Jaxon im Urlaub ausgelassen durch die Wellen toben - einfach, weil er sichtlich Spaß daran hat. Solche Momente stärken die Bindung mehr als starres Festhalten an Prinzipien.
- Erlaube dir, authentisch zu sein: Du bist keine Maschine. Wenn du müde oder schlecht gelaunt bist, ist das okay. Kommuniziere das auf eine faire Weise, anstatt dir eine Maske aufzusetzen. Echte Emotionen sind für deinen Hund nachvollziehbarer als gespielte Perfektion.
Themen und Herausforderungen
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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