Silvester mit Hund: So bereitest du dich und deinen Vierbeiner auf die laute Nacht vor
In dieser Episode des Podcasts Hundsf(a)elle geben die Moderatoren Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak wertvolle Einblicke und praktische Ratschläge für Hundehalter:innen, die sich auf die Herausforderungen von Silvester vorbereiten. Die Folge richtet sich besonders an Besitzer:innen von Welpen, Tierschutzhunden oder generell geräuschempfindlichen Tieren. Im Fokus steht nicht das Training gegen die Angst - dafür sei es laut den Experten im Dezember bereits zu spät -, sondern ein durchdachtes Management, um dem Hund die stressige Zeit so erträglich wie möglich zu machen. Yvonne und Mustafa beleuchten die Ursachen der Silvesterangst, erklären, warum klassisches Training oft an seine Grenzen stößt und geben eine Fülle an konkreten Tipps für die Vorbereitung und die Silvesternacht selbst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Absolute Leinenpflicht: Ab Dezember, spätestens aber ab Weihnachten, gehört jeder Hund im Freien an die Leine - egal, wie gut er hört. Die Fluchtreaktion bei einem plötzlichen Knall ist ein unkontrollierbarer Instinkt.
- Management statt Training: Eine tief sitzende Geräuschangst lässt sich kurzfristig nicht wegtrainieren. Der Fokus sollte darauf liegen, die Umgebung des Hundes so sicher und stressfrei wie möglich zu gestalten.
- Einen sicheren Rückzugsort schaffen: Richte deinem Hund eine gemütliche Höhle ein (z. B. eine abgedeckte Box oder ein Platz unter einem Tisch), in die er sich bei Angst zurückziehen kann. Schließe Rollos und Vorhänge und überdecke die Knallgeräusche mit Musik oder dem Fernseher.
- Frühe Auslastung am Silvestertag: Ein langer, ausgiebiger Spaziergang am Vormittag in einer ruhigen Gegend hilft, den Hund körperlich und geistig müde zu machen, sodass er den Abend entspannter verbringen kann.
- Sozialer Halt ist entscheidend: Ignoriere deinen ängstlichen Hund nicht. Deine ruhige und souveräne Anwesenheit bietet ihm Sicherheit. Körperkontakt ist erlaubt und wichtig, solange du ihn nicht bemitleidest, sondern einfach nur für ihn da bist.
- Vorsicht bei Medikamenten: Kläre jede medikamentöse Unterstützung mit deinem Tierarzt ab. Meide unbedingt Präparate mit dem Wirkstoff Acepromazin (sog. „Leck-mich-am-Arsch-Tabletten“), da diese den Hund nur körperlich lähmen, während er die Angst bei vollem Bewusstsein erlebt.
Die Ursachen der Silvesterangst: Mehr als nur ein lauter Knall
Mustafa erklärt zu Beginn, dass die sogenannte Silvesterangst im Kern eine Geräuschangst ist. Das Problem liegt darin, dass Hunde die extreme Reizüberflutung - laute, plötzliche Knalle, grelle Lichter am Himmel, der Geruch von Schwefel und das Beben des Bodens - nicht einordnen können. Diese unvorhersehbare und unkontrollierbare Situation löst im Körper eine Notfallreaktion aus, die sich meist in einem Fluchtinstinkt äußert.
Yvonne fügt hinzu, dass diese Empfindlichkeit nicht zwangsläufig mit einem generell ängstlichen Charakter des Hundes zusammenhängt. Sie kennt sowohl ängstliche Hunde, die Silvester verschlafen, als auch selbstbewusste, taffe Hunde, die in der Silvesternacht panisch werden. Angst ist ein tief verankertes Gefühl, das sich nur schwer beeinflussen lässt. Die Angst kann sich auch erst im Alter entwickeln, wie Mustafa am Beispiel seines Hundes Bootsmann schildert. Ein traumatisches Erlebnis mit einem Böller reichte aus, um eine dauerhafte Angst zu etablieren. Laut Yvonne spielen hier auch altersbedingte Veränderungen eine Rolle, etwa ein nachlassendes Gehör, das Geräusche diffuser und damit bedrohlicher wirken lässt.
Sicherheit an erster Stelle: Die unverhandelbare Leinenpflicht
Der wichtigste und dringlichste Appell beider Moderatoren ist die absolute Sicherung des Hundes im Freien. Yvonne betont, dass ab dem Zeitpunkt, an dem die ersten Böller zu hören sind - meist schon Anfang Dezember -, jeder Hund an die Leine gehört. Die panische Fluchtreaktion ist so stark, dass selbst der besterzogene Hund nicht mehr abrufbar ist. Sie untermauert dies mit erschreckenden Zahlen aus dem Vorjahr: Über 800 Hunde sind an Silvester entlaufen, 90 von ihnen haben die Nacht nicht überlebt. Für besonders panische Hunde empfehlen sie eine doppelte Sicherung mit Halsband und einem ausbruchsicheren Panikgeschirr.
Training gegen Angst? Grenzen und realistische Erwartungen
Kann man Silvesterangst abtrainieren? Mustafa und Yvonne sind sich einig: Ein echtes Wegtrainieren ist kaum möglich. Die oft empfohlenen Geräusch-CDs zur Desensibilisierung bewerten sie kritisch. Eine CD könne die komplexe Reizkulisse von Silvester - Geruch, Lichtblitze, Vibrationen - nicht simulieren. Solche Methoden mögen Welpen an Alltagsgeräusche gewöhnen, bei einer manifestierten Phobie versagen sie jedoch. Die Schwierigkeit liegt darin, dass man die Situation nicht kontrolliert herbeiführen und im angstfreien Bereich üben kann. Sobald der Hund in der Panik ist, ist ein Training nicht mehr möglich. Der Fokus muss daher vollständig auf Management liegen, also darauf, die Situation für den Hund bestmöglich zu gestalten.
Umgang mit der akuten Panik: Richtig unterstützen statt verstärken
Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, man würde die Angst des Hundes verstärken, wenn man ihm Zuwendung schenkt. Mustafa widerspricht dem entschieden und plädiert für „Social Support“. Hunde sind soziale Lebewesen, die in bedrohlichen Situationen die Nähe und Sicherheit ihrer Bezugspersonen suchen. Es ist wichtig, für den Hund da zu sein und ihm durch ruhige Anwesenheit und sanften Körperkontakt Halt zu geben. Entscheidend sei dabei die eigene Haltung: Man sollte den Hund nicht bemitleiden („Oh, du armer Hund“), sondern souverän und gelassen bleiben. Deine Entspanntheit signalisiert dem Hund, dass die Lage unter Kontrolle ist.
Yvonne beschreibt die körperlichen Anzeichen echter Panik: weit aufgerissene Augen, starkes Hecheln, Speicheln, Zittern und eine eingezogene Rute. In diesem Zustand ist der Körper im Überlebensmodus. Der Hund kann physiologisch keine Nahrung aufnehmen und ist für gutes Zureden oder Ablenkungsversuche nicht mehr empfänglich. Hier gilt es zu akzeptieren, dass man die Angst nicht beenden, sondern den Hund nur sicher durch die Situation begleiten kann.
Medikamente und Hilfsmittel: Was hilft und wovon du die Finger lassen solltest
Es gibt eine Reihe von pflanzlichen und hormonellen Hilfsmitteln wie Adaptil-Zerstäuber, Thundershirts oder Tellington-Bandagen, die bei manchen Hunden zur Entspannung beitragen können. Diese sollten jedoch rechtzeitig vor Silvester getestet werden, da ihre Wirkung individuell ist.
Bei starken Angstzuständen können auch vom Tierarzt verschriebene Medikamente notwendig sein. Hier sprechen die Moderatoren eine explizite Warnung aus: Präparate mit dem Wirkstoff Acepromazin, oft umgangssprachlich als „Leck-mich-am-Arsch-Tabletten“ bezeichnet, dürfen auf keinen Fall verwendet werden. Sie lähmen lediglich die Muskulatur des Hundes, während er die beängstigende Situation bei vollem Bewusstsein miterlebt - eine extrem traumatische Erfahrung. Zudem ist die Dosierung riskant und kann zu Kreislaufversagen führen.
Als kontroverse, aber für manche Hunde hilfreiche Alternative wird der Einsatz von Eierlikör diskutiert, eine Methode, die durch den Tierarzt Dr. Ralfph Rückert bekannt wurde. Eine kleine, genau dosierte Menge Alkohol kann den Hund leicht „beschwipsen“ und ihm helfen, die stressigsten Stunden zu überstehen. Wichtig ist hierbei: Diese Maßnahme ist nur für erwachsene Hunde mit bekannter Silvesterangst gedacht, niemals für Welpen oder Junghunde und sollte vorab in einer ruhigen Situation getestet werden.
Praktische Checkliste für die Silvester-Vorbereitung
- Sicherung im Freien: Leine deinen Hund ab sofort bei jedem Spaziergang an. Nutze bei Bedarf ein Panikgeschirr zur doppelten Sicherung.
- Auslastung am Silvestertag: Plane für den Vormittag einen langen Spaziergang oder eine Wanderung in einer möglichst knallfreien Zone, um deinen Hund auszupowern.
- Letzter Spaziergang: Gehe die letzte Runde, bevor es dunkel wird. Danach nur noch kurz und an der Leine in den Garten, falls unbedingt nötig.
- Rückzugsort vorbereiten: Schaffe eine sichere Höhle (z. B. eine mit Decken abgedunkelte Box) an einem ruhigen Ort in der Wohnung.
- Umgebung abschirmen: Schließe am Abend alle Fenster, Rollos und Vorhänge, um Lichtblitze und Lärm zu dämpfen.
- Geräuschkulisse schaffen: Lass den Fernseher oder das Radio in normaler Lautstärke laufen, um die Geräusche von draußen zu übertönen.
- Ablenkung bieten (nur bei leichtem Unwohlsein): Wenn dein Hund noch Futter annimmt, kannst du ihm einen langlebigen Kauartikel oder einen Schnüffelteppich zur Beschäftigung anbieten.
- Bleib souverän und gelassen: Deine eigene Ruhe ist die wichtigste Unterstützung für deinen Hund. Sei für ihn da, aber vermeide Mitleid und Hektik.
Themen und Herausforderungen
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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