Silvester-Stress bei Hunden: Wie du deinem Vierbeiner hilfst, die Angst auch im neuen Jahr zu überwinden

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In der ersten Folge des Jahres im Podcast Hundsf(a)elle tauchen die Moderatoren Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak tief in ein Thema ein, das viele Hundebesitzer nach dem Jahreswechsel beschäftigt: der langanhaltende Stress und die Angst, die Silvester bei Hunden auslösen kann. Im Fokus stehen dabei besonders Tierschutzhunde, deren vergangene Erlebnisse sie oft empfindlicher auf Lärm und Hektik reagieren lassen.

Die Episode beleuchtet, warum der Stress nicht einfach am 1. Januar verschwindet und welche physiologischen Prozesse dahinterstecken. Für Hundebesitzer, deren Vierbeiner auch Tage oder Wochen nach Silvester noch verunsichert, reaktiv oder ängstlich sind, bietet diese Folge wertvolle Einblicke und konkrete Hilfestellungen. Die zentrale Frage lautet: Wie können wir unseren Hunden helfen, den Stress abzubauen und wieder zu ihrer inneren Ruhe zu finden, wenn der Alltag für uns Menschen längst wieder begonnen hat?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Stress ist messbar: Der Körper eines Hundes benötigt nach einem extremen Stressereignis wie Silvester Tage bis Wochen, um die ausgeschütteten Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin vollständig abzubauen.
  • Symptome erkennen: Anhaltender Stress zeigt sich durch erhöhte Schreckhaftigkeit, Reaktivität an der Leine, Meideverhalten bei Spaziergängen, Ruhelosigkeit oder übermäßige Anhänglichkeit.
  • Spaziergänge anpassen: Wähle in den ersten Wochen ruhige, reizarme Orte. Qualität geht vor Quantität - lieber kurze, entspannte Runden als erzwungene lange Märsche durch die Stadt.
  • Sichere Rückzugsorte sind entscheidend: Erlaube deinem Hund, sich an einen sicheren Ort zurückzuziehen (Box, Badewanne, auch Couch oder Bett) und störe ihn dort nicht. Ein selbstgewählter Rückzugsort fördert die Entspannung.
  • Bindung statt Mitleid: Vermeide es, deinen Hund mit übertriebenem Mitleid zu überschütten. Biete stattdessen deine ruhige, souveräne Anwesenheit und sanfte Berührungen als Unterstützung an.
  • Körperliche Entspannung hilft der Psyche: Sanfte Massagen, Ausstreichen des Fells oder ein Besuch beim Hundephysiotherapeuten können helfen, muskuläre Verspannungen zu lösen und den Stressabbau zu beschleunigen.
  • Erwartungen anpassen: Schraube deine Erwartungen an den „normalen“ Alltag und das Training herunter. Gib deinem Hund die Zeit, die er braucht, um sich physiologisch und mental zu erholen.

Das stille Nachbeben: Warum der Silvester-Stress wochenlang anhält

Yvonne und Mustafa eröffnen die Diskussion mit einer wichtigen Beobachtung: Für viele Hunde, insbesondere für sensible Tierschutzhunde, ist der Stress mit dem Ende des Feuerwerks nicht vorbei. Yvonne erklärt, dass ein Trauma oder eine tiefsitzende Unsicherheit nicht einfach verschwindet, nur weil der Kalender umgeblättert wird. Das Nervensystem des Hundes bleibt in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft.

Mustafa ergänzt die neurobiologische Perspektive. Er macht deutlich, dass es sich hierbei nicht um ein „Anstellen“ des Hundes handelt. Der Körper braucht nachweislich Wochen, um den hohen Cortisolspiegel, der durch die massive Angst an Silvester entsteht, wieder abzubauen. Dieser permanent erhöhte Stresshormonpegel ist die Ursache für viele Verhaltensänderungen in den ersten Januarwochen. Die typischen Symptome reichen von Zucken bei Alltagsgeräuschen über erhöhte Wachsamkeit und Reaktivität an der Leine bis hin zu Schlafproblemen und starker Anhänglichkeit.

Der Fall „Rudi“: Ein typisches Beispiel für Post-Silvester-Angst

Anhand des fiktiven Tierschutzhundes Rudi aus Rumänien verdeutlichen die Moderatoren das Problem. Rudis Stresspegel beginnt bereits Anfang Dezember zu steigen und erreicht an Silvester, das er als „Kriegserlebnis“ wahrnimmt, seinen Höhepunkt. Nach dem Jahreswechsel leidet Rudi unter einer extremen Geräuschempfindlichkeit. Selbst ein lauter Auspuff lässt ihn zusammenzucken und er möchte auf Spaziergängen nur noch panisch nach Hause. Dieses Verhalten, so erklärt Mustafa, ist wie ein Echo - die Angst vor den Geräuschen hallt nach, und der Hund verbindet bestimmte Orte weiterhin mit der Gefahr.

Sicherheit schaffen: Spaziergänge und Rückzugsorte neu gestalten

Ein zentraler Punkt der Episode ist die aktive Gestaltung eines sicheren Umfelds für den Hund. Die Moderatoren betonen, dass es essenziell ist, den Hund in dieser Phase nicht zu überfordern. Yvonne empfiehlt, für Spaziergänge bewusst ruhige Orte wie den Wald aufzusuchen, selbst wenn dies einen Mehraufwand bedeutet, wie etwa eine Autofahrt aus der Stadt heraus. Wenn der Hund gar nicht raus möchte, sei es völlig legitim, ihn für einige Tage nur angeleint im Garten sein Geschäft verrichten zu lassen.

Um positive Assoziationen zu schaffen, schlägt Yvonne „Erlebnisspaziergänge“ vor. Dabei geht es darum, durch besondere Leckerlis, Suchspiele oder kleine Abenteuer wie das Balancieren über Baumstämme wieder Freude und Lockerheit in die gemeinsamen Ausflüge zu bringen. Ein wichtiger Indikator für den Stresslevel des Hundes ist laut Yvonne die Fähigkeit, Futter anzunehmen. Kann ein Hund fressen, befindet er sich eher im Bereich der Unsicherheit als in panischer Angst.

Auch zu Hause braucht der Hund Unterstützung. Mustafa rät dazu, eine stabile und ungestörte Ruhezone zu etablieren. Dies kann eine Box, eine Decke unter dem Tisch oder, wie bei Yvonnes früherem Rottweiler, sogar die Badewanne sein. Wichtig ist, den Hund an seinem selbstgewählten Ort in Ruhe zu lassen. In dieser Ausnahmesituation ist es auch erlaubt, von üblichen Regeln abzuweichen. Wenn der Hund auf der Couch oder im Bett Sicherheit sucht, sollte man ihm dies temporär gestatten.

Bindung als Anker: Richtiger Umgang mit einem verunsicherten Hund

Wie man dem Hund in seiner Angst beisteht, ist entscheidend. Mustafa warnt davor, den Hund zu bemitleiden oder aufgeregt auf ihn einzureden, da dies die Unsicherheit oft unbewusst verstärkt. Stattdessen sei eine ruhige, souveräne Präsenz gefragt. Einfach nur da zu sein, eine Hand auf den Hund zu legen und „Social Support“ durch Nähe zu bieten, vermittelt Sicherheit, ohne die Angst zu bestätigen.

Yvonne fügt hinzu, wie wirkungsvoll körperliche Entspannung in dieser Phase sein kann. Die extreme Anspannung an Silvester führt zu massiven Muskelverspannungen. Sanfte Massagen, langsames Ausstreichen des Fells oder Bürsten helfen dem Hund, sich körperlich zu lockern, was sich direkt auf seine Psyche auswirkt. Bei Hunden mit starker Angst empfiehlt sie sogar, im Januar einen Termin bei einer Hundephysiotherapeutin zu vereinbaren, um diese tiefsitzenden Verspannungen professionell lösen zu lassen.

Praktische Schritte für die ersten Januarwochen

  1. Gestalte ruhige Spaziergänge: Suche reizarme Orte und Zeiten. Konzentriere dich auf die Qualität des Spaziergangs, nicht auf die Dauer. Gehe möglichst im Hellen, da Dunkelheit die Wachsamkeit vieler Hunde zusätzlich erhöht.
  2. Fördere die Entspannung aktiv: Nutze sanfte Massagen, Wärme und ausgiebige Kuscheleinheiten, um die Muskulatur deines Hundes zu lockern. Biete ihm viele Decken an, in die er sich einkuscheln kann.
  3. Schaffe reizarme Zonen zu Hause: Etabliere einen sicheren Rückzugsort in Form einer Höhle oder Box, wo dein Hund absolut ungestört ist und den Stress „ausschlafen“ kann.
  4. Schraube deine Erwartungen herunter: Akzeptiere, dass dein Hund Zeit braucht, um sich zu erholen. Pausiere anspruchsvolles Training und zwinge ihn nicht in den normalen Alltag zurück. Sei nachsichtig mit ihm und dir selbst.
  5. Festige die Grundlagen: Anstatt neue, komplexe Übungen zu trainieren, gehe einen Schritt zurück. Übe einfache Kommandos, die dein Hund bereits gut beherrscht und gerne ausführt. Diese kleinen Erfolgserlebnisse stärken sein Selbstvertrauen und bringen ihn auf positive Gedanken.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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