Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In der Premierenausgabe des neuen Formats „VIP-Hundefrage-Stunde“ begrüßt Moderatorin Conny Sporrer gemeinsam mit Co-Host Marc Eichstedt die bekannte Schweizer Sängerin Stefanie „Steffi“ Heinzmann. Die Episode bietet einen tiefen und ehrlichen Einblick in die Freuden und Herausforderungen des Lebens mit einem ersten Hund. Im Mittelpunkt steht Steffis elf Monate alter Maltipoo-Rüde Yuma.
Die zentralen Themen sind die bewusste Entscheidung für einen Hund, die oft unterschätzte Intensität der Welpenzeit und die typischen Hürden der Pubertät. Diese Folge ist besonders wertvoll für alle, die über einen Welpen nachdenken oder sich gerade mitten in der turbulenten Junghund-Phase befinden, da sie die ungeschönte Realität hinter den süßen Welpenfotos beleuchtet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Welpenzeit ist eine emotionale Herausforderung: Steffi beschreibt offen ihre anfängliche Überforderung mit ihrem Welpen Yuma, der anfangs keine Bindung zeigte und extrem aktiv war - eine Phase, die oft als „Welpenblues“ bezeichnet wird.
- Ignorieren ist bei Welpenbeißen nicht immer die Lösung: Gängige Ratschläge wie das Ignorieren von Beißen können unwirksam sein. Eine klare, körpersprachliche Korrektur ist oft notwendiger, muss aber korrekt und im richtigen Moment erfolgen.
- Gruppentraining kann für manche Hunde zu viel sein: Yumas extreme Aufregung und sein Frustbellen in der Junghundeschule zeigten, dass die Gruppensituation ihn überforderte und Stress verursachte (bis hin zu Durchfall).
- Eine Trainingspause ist kein Scheitern: Es ist eine vernünftige Entscheidung, ein Gruppentraining zu pausieren, wenn es den Hund sichtlich überfordert. Der Fokus sollte dann auf Einzeltraining und dem schrittweisen Aufbau von Frustrationstoleranz in weniger reizintensiven Umgebungen liegen.
- Ein großer Radius im Freilauf ist kein Zeichen fehlender Bindung: Manche Hunde sind von Natur aus eigenständiger. Statt einen festen Radius zu erzwingen, ist es effektiver, die eigene Attraktivität für den Hund durch Interaktion und gemeinsame Aktivitäten zu steigern.
- Die Persönlichkeit des Hundes ist entscheidend: Stefanie Heinzmann wählte bewusst den mutigsten und unabhängigsten Welpen aus dem Wurf, da sie dachte, er passe am besten zu ihrem unsteten Lebensstil - eine Entscheidung, die sein späteres Verhalten stark prägte.
Vom Wunschhund zum passenden Begleiter: Stefanie Heinzmanns Weg zu Yuma
Stefanie Heinzmann berichtet, dass der Wunsch nach einem eigenen Hund sie ihr ganzes Leben lang begleitet hat. Als Ersthundebesitzerin ohne viel praktische Erfahrung informierte sie sich intensiv über verschiedene Rassen. Ihre Wahl fiel auf einen Maltipoo (eine Kreuzung aus Malteser und Pudel), da diese als Gesellschaftshunde gezüchtet werden und sie sich einen Hund mit diesem Hintergrund am ehesten zutraute. Obwohl sie sich ursprünglich in eine sensible Hündin aus dem Wurf verliebt hatte, entschied sie sich bewusst für den Rüden Yuma. Er zeigte sich als besonders eigenständig und unerschrocken - Eigenschaften, die sie als passend für ihr Leben als Musikerin mit vielen Reisen und neuen Umgebungen einschätzte.
Die Realität der Welpenzeit: Überforderung und erste Hürden
Die ersten Monate mit Yuma waren für Steffi Heinzmann eine enorme Herausforderung. Sie beschreibt eindrücklich, wie überfordert sie sich fühlte. Yuma war extrem aktiv, nahm sie anfangs kaum wahr und zeigte ein intensives Beißverhalten. Gängige Ratschläge aus ihrem Umfeld, wie das Beißen zu ignorieren, erwiesen sich als wirkungslos. Auch der Versuch, ihn mit einem Schnauzgriff zu korrigieren, scheiterte, da Yuma unbeeindruckt zurückbiss. Conny und Marc analysieren diese Situation: Sie erklären, dass ein Schnauzgriff nur dann funktioniert, wenn er absolut präzise, schnell und mit der richtigen Intensität ausgeführt wird - was den meisten Menschen schwerfällt und oft zu einer Abstumpfung des Hundes führt. Die Experten betonen, dass Heinzmanns Erfahrung typisch für den „Welpenblues“ ist und es Zeit braucht, bis sich eine echte Mensch-Hund-Beziehung entwickelt.
Yuma in der Pubertät: Ein sozialer Wirbelwind stellt das Training auf die Probe
Heute ist Yuma ein extrem sozialer und freundlicher Junghund, der andere Hunde über alles liebt. Seine Begeisterung ist jedoch oft so groß, dass er aufdringlich wird und die Individualdistanz anderer Hunde missachtet. Selbst nach klaren Korrekturen durch andere Hunde bleibt er unerschütterlich optimistisch und versucht es immer wieder. Diese Eigenschaft, so Heinzmann, macht ihn zwar widerstandsfähig, stellt aber auch eine erzieherische Herausforderung dar.
Besonders deutlich wurde dieses Verhalten in der Junghundeschule. In der Gruppe mit anderen Hunden war Yuma so aufgeregt und frustriert, weil er nicht zu den anderen durfte, dass er eine ganze Stunde lang ununterbrochen bellte und für sie nicht mehr ansprechbar war. Dieser Stress äußerte sich im Nachhinein sogar in Form von Durchfall. Conny und Marc bestätigen, dass dieses Verhalten in der Pubertät, einer Phase des „Gehirnumbaus“, völlig normal ist. Sie loben Heinzmanns Entscheidung, das Gruppentraining vorerst zu pausieren.
Problemfall Hundeschule? Wenn Gruppentraining an seine Grenzen stößt
Die Experten erläutern, dass eine Hundeschul-Situation mit vielen Hunden auf engem Raum für einen reizempfänglichen Junghund eine massive Überforderung darstellen kann. Anstatt den Hund durch diese Situation zu zwingen, sei es sinnvoller, einen Schritt zurückzugehen. Die Empfehlung lautet, gezielt im Einzeltraining an der Frustrationstoleranz und Impulskontrolle zu arbeiten. Das Training sollte in einer Umgebung stattfinden, in der der Abstand zu anderen Hunden so groß ist, dass der eigene Hund noch ansprechbar bleibt. So lernt er schrittweise, dass die Anwesenheit anderer Hunde nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Kontakt erlaubt ist, und dass die Konzentration auf den Menschen sich lohnt.
Die Radius-Frage: Wie man den Hund im Freilauf bei sich behält
Abschließend stellt Stefanie Heinzmann eine Frage im Namen ihrer Freundin Carmen, die einen Hund hat, der im Freilauf dazu neigt, sich sehr weit zu entfernen. Sobald die Schleppleine am Boden liegt, vergrößert der Hund den Radius sofort. Die Experten erklären, dass es kaum möglich ist, einem Hund einen starren Radius von beispielsweise 15 Metern beizubringen. Der Schlüssel liege vielmehr darin, für den Hund so interessant zu sein, dass er von sich aus keinen Grund sieht, sich weit zu entfernen. Ein Hund, der gelernt hat, dass bei seinem Menschen immer wieder spannende Dinge wie Suchspiele oder gemeinsame Aktionen stattfinden, wird sich automatisch enger an ihm orientieren. Plötzliche Richtungswechsel können ebenfalls helfen, die Aufmerksamkeit des Hundes zu fördern. Ein großer Radius sei zudem kein Indiz für eine schlechte Bindung, sondern oft rasse- oder persönlichkeitsbedingt.
Praktische Schritte und Lösungsansätze
- Bei Überforderung im Gruppentraining: Pausiere das Training und setze den Hund der Stresssituation nicht weiter aus. Suche dir stattdessen gezieltes Einzeltraining, um an den Grundlagen wie Impulskontrolle und Frustrationstoleranz zu arbeiten.
- Training bei Ablenkung: Beginne das Training in einer reizarmen Umgebung und vergrößere den Abstand zu potenziellen Auslösern (z. B. anderen Hunden), bis dein Hund wieder ansprechbar ist. Verringere den Abstand schrittweise über mehrere Trainingseinheiten.
- Erhöhe deine Attraktivität: Gestalte Spaziergänge interaktiv. Baue regelmäßig kleine Suchspiele, Apportierübungen oder Richtungswechsel ein, um für deinen Hund unvorhersehbar und spannend zu bleiben. Das stärkt die Orientierung an dir.
- Setze klare Grenzen: Anstatt unerwünschtes Verhalten (wie Beißen oder Aufdringlichkeit) zu ignorieren, kommuniziere klar und körpersprachlich, was du nicht möchtest. Deine innere Haltung muss dabei mit deiner äußeren Handlung übereinstimmen.