Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser Episode des Podcasts Hundestunde spricht Moderatorin Conny Sporrer mit Daniela Wiegand vom Verein Tröstende Pfoten e.V. über die besondere und emotionale Arbeit von Therapiebegleithunde-Teams in Hospizen und auf Palliativstationen.
Im Mittelpunkt steht Danielas persönlicher Weg mit ihrem Tierschutzhund Loki und die tiefen Einblicke in eine Tätigkeit, die schwer kranken Menschen und ihren Angehörigen Trost und Lichtblicke schenkt. Die Episode beleuchtet die Voraussetzungen für diese anspruchsvolle Aufgabe, den Ablauf eines Einsatzes und die emotionale Wirkung auf alle Beteiligten. Sie richtet sich an alle, die sich für tiergestützte Therapie interessieren, und wirft die zentrale Frage auf: Was braucht es, damit ein Mensch-Hund-Team am Ende des Lebens wirksam Trost spenden kann?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Kern der Aufgabe: Therapiebegleithunde-Teams spenden Patienten in der letzten Lebensphase Trost, lindern Ängste und schaffen durch ihre bloße Anwesenheit Momente der Freude und Abwechslung.
- Die wichtigste Eigenschaft des Hundes: Ein Hund muss für diese Arbeit vor allem Menschen lieben und den engen Körperkontakt, wie das Liegen im Bett, genießen können. Nicht Tricks, sondern die soziale Kompetenz ist entscheidend.
- Die Rolle des Menschen ist zentral: Daniela betont, dass sie als Hundeführerin die Therapeutin ist, die die Situation lenkt. Empathie, emotionale Stabilität und eine bewusste Auseinandersetzung mit Tod und Sterben sind unerlässlich.
- Tierschutzhunde sind bestens geeignet: Danielas Hund Loki stammt aus dem Tierschutz in Kroatien und beweist, dass auch Hunde ohne bekannte Vorgeschichte diese sensible Aufgabe meistern können, wenn sie den passenden Charakter haben.
- Angehörige profitieren ebenso: Die Arbeit richtet sich nicht nur an die Patienten. Oft sind es die schwer belasteten Angehörigen, die im Kontakt mit dem Hund Trost finden und für einen Moment ihre Sorgen vergessen.
- Hospize als Orte des Lebens: Die Episode entmystifiziert die Atmosphäre in Hospizen. Daniela beschreibt sie als würdevolle, achtsame und positive Orte, an denen es darum geht, die verbleibende Lebenszeit so gut wie möglich zu gestalten.
- Arbeit ohne festen Plan: Einsätze sind nicht planbar, da sie sich vollständig nach der tagesaktuellen Verfassung der Patienten richten. Flexibilität und das Vertrauen in den Moment sind entscheidend für den Erfolg.
Der Verein „Tröstende Pfoten“ und seine Mission
Daniela ist ehrenamtlich für den Verein Tröstende Pfoten (Therapiebegleitung für Deutschland e.V.) tätig. Der Verein besteht aus derzeit 14 zertifizierten Mensch-Hund-Teams, die bundesweit in Deutschland im Einsatz sind. Ihre Mission ist es, schwer kranke Menschen mit einer lebensverkürzenden Diagnose in palliativen Einrichtungen, Hospizen (auch für Kinder) sowie im häuslichen Umfeld zu begleiten.
Daniela erklärt, dass die Anwesenheit der Hunde den Fokus der Patienten auf das Hier und Jetzt lenkt und so das allgemeine Wohlbefinden steigert. Für Menschen, die oft lange Krankenhausaufenthalte hinter sich haben, ist der Besuch eines Hundes eine willkommene und wohltuende Abwechslung. Die Arbeit kommt jedoch nur bei Patienten zum Einsatz, die eine grundsätzliche Zuneigung zu Hunden haben.
Loki - Vom Tierschutzhund zum Therapiebegleithund
Eine Besonderheit ist, dass Danielas Begleiter, der dreijährige Rüde Loki, aus dem Tierschutz stammt. Er ist ein kroatischer Schäferhund-Mischling, den sie ursprünglich als einen von 29 Pflegehunden bei sich aufnahm. Daniela berichtet, dass es nie ihr Plan war, Loki zu behalten oder gar zum Therapiehund ausbilden zu lassen. Sein sanftes und menschenzugewandtes Wesen fiel jedoch der Vereinsvorsitzenden auf, die eine Eignungsprüfung durch die Hundetrainerin Corinna Geis anregte.
Daniela teilt eine wichtige Lektion aus dieser Zeit: Sie meldete Loki anfangs zu früh zur Ausbildung an. Sie betont, wie wichtig es ist, gerade Hunden aus dem Tierschutz ausreichend Zeit zum Ankommen und zum Aufbau einer stabilen Bindung zu geben. Nach einem halben Jahr Aufschub absolvierte das Team die Ausbildung erfolgreich. Loki arbeitet heute nicht nur im Hospiz, sondern unterstützt Daniela auch in ihrer eigenen Heilpraktikerpraxis.
Anforderungen an Mensch und Hund in der Palliativbegleitung
Die Arbeit in der Palliativbegleitung stellt hohe Anforderungen an das gesamte Team.
Für den Hund gilt: Die zentrale Eigenschaft ist laut Daniela, dass der Hund „Menschen mögen und gerne angefasst werden“ muss. Da viele Patienten bettlägerig sind, ist die Fähigkeit, Körperkontakt und das Liegen im Bett zu genießen, essenziell. Unterschiedliche Hundepersönlichkeiten sind dabei von Vorteil: Während manche Hunde durch ihre Ruhe wirken, fordert Loki aktiv zum Streicheln auf und bringt so mehr „Leben in die Bude“. Weitere Voraussetzungen sind eine gute Impulskontrolle während des Einsatzes, eine gewisse Geruchsneutralität gegenüber medizinischen Gerüchen und ein gepflegtes Äußeres (z. B. geschnittene Krallen).
Für den Menschen gilt: Daniela stellt klar: „Der Loki ist mein Therapiebegleithund. Der Loki ist nicht der Therapeut. Das bin schon ich.“ Der Hundeführer trägt die Verantwortung, die Situation zu lesen, den Hund zu lenken und auf die Bedürfnisse aller Anwesenden einzugehen. Dies erfordert ein hohes Maß an Empathie und Fingerspitzengefühl. Eine Grundvoraussetzung ist die persönliche Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Tod. Eine positive, stabile Grundhaltung ist entscheidend, um die emotionalen Belastungen der Arbeit zu bewältigen. Die Arbeit hat auch Danielas eigenen Blick auf das Leben verändert und sie demütiger und dankbarer für die kleinen Dinge gemacht.
Ein typischer Einsatz im Hospiz
Ein Einsatz beginnt für Daniela und Loki schon vor dem Betreten der Einrichtung. Nach der Anfahrt bekommt Loki Zeit, sich zu lösen, bevor er sein Arbeitshalstuch angelegt bekommt - ein klares Signal für den „Arbeitsmodus“. Ab diesem Moment beobachtet Daniela ihn und die Umgebung mit höchster Aufmerksamkeit.
Im Hospiz findet zunächst eine Übergabe mit dem Pflegepersonal statt. Gemeinsam wird besprochen, welche Patienten an diesem Tag von einem Besuch profitieren könnten, da deren Zustand stark schwanken kann. Im Gegensatz zu anderen Therapieformen gibt es hier keine festen Ziele oder Pläne. Es geht darum, im Moment präsent zu sein und zu schauen, was sich entwickelt. Die Interaktionen sind vielfältig: Manchmal entsteht ein Gespräch im Aufenthaltsraum, ein anderes Mal legt sich Loki zu einem Patienten ins Bett (immer auf einer mitgebrachten Decke, um die Hygiene zu wahren). Besonders wertvoll ist auch die Zuwendung zu den oft stark belasteten Angehörigen, denen Loki Trost spendet.
Daniela erklärt, dass sie die Einsatzdauer für Loki begrenzt, um ihn nicht zu überfordern. Nach maximal zwei Patienten, bei denen er im Bett liegt, ist der Einsatz beendet, da das Kontaktliegen sehr anstrengend ist.
Praktische Schritte für Interessierte
Wenn du dich für diese wertvolle Arbeit interessierst und vielleicht selbst einen geeigneten Hund hast, empfiehlt Daniela folgende Schritte:
- Selbstreflexion: Setze dich intensiv mit deiner eigenen Einstellung zu Tod und Sterben auseinander. Eine positive und stabile Grundhaltung ist die Basis für diese Tätigkeit.
- Eignung des Hundes prüfen: Dein Hund muss Menschen uneingeschränkt lieben, gerne Körperkontakt haben und eine hohe soziale Kompetenz und Wesensfestigkeit mitbringen. Nicht jeder Hund eignet sich dafür.
- Qualifizierte Ausbildung absolvieren: Der Verein „Tröstende Pfoten“ nimmt ausschließlich Teams auf, die eine anerkannte Ausbildung zum Therapiebegleithund absolviert haben.
- Bewerbung beim Verein: Nimm Kontakt zum Verein auf. Der Bewerbungsprozess umfasst auch die Einreichung von Videomaterial, damit sich die Trainer ein Bild von deinem Hund machen können.
- Sich mit dem Umfeld vertraut machen: Besuche Tage der offenen Tür in Hospizen oder nehme an „Letzte Hilfe“-Kursen teil, um Berührungsängste abzubauen und die Atmosphäre kennenzulernen. Der Verein selbst bietet regelmäßige Fortbildungen und einen engen Austausch im Team.