Tierschutz am Limit & Hundetraining mit Wissenschaft

In dieser besonderen Episode des Podcasts Furminant brechen die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack mit ihrer gewohnten Struktur und widmen sich einem persönlichen Gespräch. Im Fokus stehen zwei zentrale Themen, die die Hundewelt aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten: Johanna berichtet detailliert über ihr neues Tierschutzprojekt „Projekt Neustart“, das Hunden in Not in Deutschland eine zweite Chance gibt. Alex teilt seine inspirierenden Eindrücke von der ersten „KynoKon“, einer Fachkonferenz, die wissenschaftliche Erkenntnisse für die Hundetrainer-Praxis aufbereitet.

Die Episode bietet einen tiefen Einblick in die emotionalen und vor allem finanziellen Herausforderungen des Tierschutzes und zeigt gleichzeitig auf, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis für die Weiterentwicklung im Umgang mit Hunden ist. Sie richtet sich an alle, die sich für nachhaltigen Tierschutz interessieren, sowie an Hundetrainer:innen und ambitionierte Hundehalter:innen, die auf dem neuesten Stand der Forschung bleiben wollen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Projekt Neustart ist eine Initiative von SpecialDogs e.V., die sich gezielt um Notfälle von Hunden aus Deutschland kümmert.
  • Hohe Kosten bei Inlands-Hunden: Hunde aus Deutschland verursachen oft höhere Tierarztkosten als Auslandshunde, da sie häufig ohne Impfungen, Parasitenschutz oder grundlegende Versorgung abgegeben werden.
  • Jeder Beitrag zählt: Johanna betont, dass Tierschutz nur durch die Gemeinschaft getragen werden kann. Auch kleinste, regelmäßige Spenden von vielen Menschen machen einen riesigen Unterschied.
  • Die KynoKon ist eine wegweisende Konferenz von KynoLogisch, die eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und der praktischen Arbeit von Hundetrainer:innen schlägt.
  • Atmosphäre ist entscheidend: Alex hebt die wertschätzende und kollaborative Stimmung auf der Konferenz als Besonderheit in der oft konkurrenzgeprägten Hundeszene hervor.
  • Ehrenamt hat seinen Preis: Die Arbeit als Pflegestelle ist ein unbezahlter Vollzeitjob, der oft mit persönlichen Kosten verbunden ist - von Futter bis hin zu durchgebissenen Leinen und zerstörten Möbeln.

Projekt Neustart: Wenn Tierschutz an finanzielle Grenzen stößt

Den Anstoß für das Gespräch gibt Johannas neues Engagement: „Projekt Neustart“. Sie erklärt, dass sie als Projektleiterin für diese neue Sparte des Vereins SpecialDogs e.V. verantwortlich ist. Ursprünglich konzentrierte sich der Verein auf Tierschutz in Rumänien, insbesondere auf Kastrationsprojekte und die Versorgung von über 800 Hunden vor Ort. Doch durch Johannas Netzwerk kamen immer häufiger Anfragen für Hunde in Not aus Deutschland hinzu. Ein Wendepunkt war der Fall von Taylor, einem fast 50 Kilo schweren Hund, der nach einem Beißvorfall dringend untergebracht werden musste. Da die Kosten für eine professionelle Pflegestelle für Privatpersonen kaum tragbar sind, sprang SpecialDogs ein und übernahm Taylor in den Verein.

Johanna erläutert, dass diese „Deutschland-Hunde“ finanziell eine enorme Belastung darstellen. Im Gegensatz zu den Hunden aus Rumänien, die medizinisch grundversorgt nach Deutschland kommen, mangelt es den hiesigen Notfällen oft an allem: Impfungen fehlen, ein Parasitenschutz wurde nie verabreicht und der allgemeine Gesundheitszustand ist oft schlecht. Die daraus resultierenden Tierarztkosten übersteigen die spätere Schutzgebühr bei Weitem. Um die nachhaltige Tierschutzarbeit in Rumänien nicht zu gefährden, wurde „Projekt Neustart“ ins Leben gerufen - mit dem Ziel, sich durch eigene Spenden selbst zu tragen.

Die Psychologie des Spendens: Warum 40.000 Euro nicht viel sind

Ein zentrales Ziel des Projekts ist der Aufbau eines Notfallfonds in Höhe von 40.000 Euro. Johanna erklärt, warum diese Summe keineswegs übertrieben ist. Ein einziger Hund mit schweren gesundheitlichen Problemen, wie der kürzlich aufgenommene Old English Bulldog „Slim“, kann Kosten zwischen 4.000 und 14.000 Euro verursachen. Der Fonds soll dem Verein die Handlungsfähigkeit geben, in akuten Notfällen sofort helfen zu können, ohne erst eine Spendenkampagne starten zu müssen, bei der oft mit emotionalem Druck gearbeitet wird - eine Praxis, die Johanna ablehnt.

Die bisherige Spendenkampagne lief jedoch schleppend. Alex und Johanna diskutieren die Gründe dafür. Ein Problem sei der „Bystander-Effekt“: Viele denken, andere würden schon spenden. Zudem unterschätzen viele Menschen die Wirkung kleiner Beträge. Johanna rechnet vor: „Wenn jeder meiner 7.000 Story-Zuschauer nur einen Euro im Monat spenden würde, hätten wir 7.000 Euro.“ Es gehe nicht darum, dass Einzelne große Summen geben, sondern dass viele einen kleinen Beitrag leisten. Oft scheitere es auch an der Bequemlichkeit - ein komplizierter Spendenprozess kann bereits eine zu hohe Hürde sein.

Die KynoKon: Einblicke in die Zukunft des Hundetrainings

Alex berichtet begeistert von seinen Erlebnissen auf der ersten KynoKon, einer von KynoLogisch organisierten Fachkonferenz in Mecklenburg-Vorpommern. Das Ziel der Veranstaltung: den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die tägliche Praxis von Hundetrainer:innen zu fördern. Die Referent:innen waren ausschließlich Wissenschaftler:innen mit Doktortitel oder Professur, die ihre aktuelle Forschung präsentierten.

Besonders beeindruckt zeigt sich Alex von der Atmosphäre. Er beschreibt das Team von KynoLogisch als außergewöhnlich wohlwollend, offen und unterstützend - Eigenschaften, die in der Hundeszene leider nicht selbstverständlich seien. Diese wertschätzende Umgebung habe maßgeblich zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen. Die Vorträge seien fachlich brillant und hätten ihn enorm inspiriert und motiviert, neue Projekte anzustoßen.

Zwischen Inspiration und fehlender Diskussion: Ein persönliches Fazit

Trotz seiner Begeisterung äußert Alex auch einen Kritikpunkt: Die Taktung der Vorträge war sehr eng, sodass kaum Zeit für tiefergehende Diskussionen oder den direkten Transfer in die Praxis blieb. Er hätte sich im Anschluss an die Vorträge Formate wie Podiumsdiskussionen oder „Werkstattgespräche“ gewünscht, um die wissenschaftlichen Inhalte gemeinsam einzuordnen und auf konkrete Trainingsszenarien anzuwenden. Dennoch war die Konferenz für ihn ein voller Erfolg. Er nutzte die Gelegenheit zum Netzwerken und plant, nächstes Jahr wieder teilzunehmen - und hofft, dann vielleicht selbst eine Diskussionsrunde leiten zu können.


Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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