Tierschutz im EU-Parlament: Einblicke in den Kampf gegen Korruption und Tierleid
In dieser Episode des Podcasts Hundestunde gibt der Europaabgeordnete Sebastian Everding (Tierschutzpartei) einen ehrlichen und tiefen Einblick in die Realitäten der Tierschutzpolitik auf europäischer Ebene. Im Gespräch mit der Moderatorin beleuchtet er die enormen Hürden, die wirtschaftlichen Interessen und die komplexen politischen Prozesse, die echten Fortschritt für Tiere oft ausbremsen. Der Schwerpunkt liegt auf der dramatischen Situation der Straßenhunde in Rumänien, die nicht nur ein Tierschutzproblem, sondern auch ein von Korruption durchzogenes Geschäftsmodell darstellt.
Die Episode ist für alle relevant, die sich im Tierschutz engagieren oder verstehen möchten, warum der Wandel so langsam voranschreitet. Sie beantwortet die zentrale Frage: Wie können wir trotz politischer und wirtschaftlicher Widerstände wirksame und nachhaltige Lösungen für das Tierleid in Europa schaffen?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Tierschutzpolitik in der EU ist ein zähes Ringen, bei dem wirtschaftliche Interessen und mächtige Industrielobbys fast immer Vorrang vor dem Tierwohl haben.
- Das Management von Straßenhunden in Ländern wie Rumänien ist ein profitables Geschäftsmodell, das auf dem Einfangen und Töten der Tiere basiert und durch Korruption angetrieben wird.
- Es besteht der begründete Verdacht, dass EU-Gelder, die für andere Zwecke deklariert sind, zur Finanzierung dieser Tötungspraktiken missbraucht werden, während eine effektive Kontrolle durch die EU ausbleibt.
- Sebastian Everding betont, dass das Töten von Tieren niemals eine nachhaltige Lösung für Populationskontrolle sein kann - eine Haltung, die er auch in die Gesetzgebung einbringen will.
- Nachhaltige Veränderung gelingt nur durch die Stärkung lokaler Akteure und intensive Bildungsarbeit, insbesondere bei jungen Menschen, um einen langfristigen Mentalitätswandel zu bewirken.
- Jeder Einzelne kann einen Unterschied machen, indem er über reinen Online-Aktivismus hinausgeht und gezielt auch jene Politiker kontaktiert, die dem Tierschutz bisher wenig Beachtung schenken.
- Tierschutz ist immer politisch. Um echten Wandel zu bewirken, müssen Tierschützer und ihre Organisationen lauter, sichtbarer und politisch aktiver werden.
Die frustrierende Realität der EU-Tierschutzpolitik
Sebastian, der seinen politischen Weg in der Kommunalpolitik in Dortmund begann, schildert seinen Wechsel ins Europaparlament als Chance, Tierschutz auf einer viel größeren Ebene zu verankern. Schnell musste er jedoch feststellen, dass die Prozesse hier ungleich komplexer und frustrierender sind. Eine der größten Hürden, so Sebastian, ist die Dominanz wirtschaftlicher Argumente. Selbst bei Themen wie dem illegalen Welpenhandel, wo man eine breite gesellschaftliche Zustimmung für strengere Regeln vermuten würde, werden Tierschutzaspekte oft von wirtschaftlichen Interessen überlagert. Er berichtet von einer Verhandlung, in der selbst der EU-Tierschutzkommissar auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tierhandels verwies, was für Sebastian ein schockierender Moment war.
Zusätzlich erschweren strukturelle Hürden die Arbeit: Das EU-Parlament besitzt kein Initiativrecht, kann also keine eigenen Gesetze vorschlagen, sondern die EU-Kommission nur dazu auffordern. Sebastian macht klar, dass Frustrationstoleranz die wichtigste Eigenschaft für einen Tierschutzpolitiker in Brüssel ist.
Rumänien: Das Geschäft mit dem Tod der Straßenhunde
Ein zentrales Thema der Episode ist die katastrophale Situation der Straßenhunde in Rumänien, die Sebastian bei einer von ihm organisierten Veranstaltung im EU-Parlament mit Experten diskutierte. Seit über 20 Jahren setzt die rumänische Regierung primär auf ein „Catch-and-Kill“-System. Dabei wurden Schätzungen zufolge bereits Millionen Hunde eingefangen und bis zu eine Million getötet - ohne das Problem nachhaltig zu lösen.
Die Diskussion offenbarte, dass dieses System ein profitables Geschäftsmodell ist. Private Fangfirmen und Betreiber von städtischen Tierheimen (sogenannten „Sheltern“) verdienen an jedem einzelnen Hund. Es fließen immense Summen - Schätzungen reichen bis zu vier Milliarden Euro -, von denen laut den Experten nur etwa 20 Prozent tatsächlich den Tieren zugutekommen. Der Rest versickert in einem „Korruptionssumpf“, der laut Sebastian sogar Verbindungen zur organisierten Kriminalität aufweist, etwa durch den Missbrauch des Betäubungsmittels Ketamin. Die Lage ist so dramatisch, dass Tierschützer vor Ort inzwischen nicht mehr primär für die Rettung der Hunde kämpfen, sondern zumindest für eine humane Tötung, da die Tiere oft qualvoll sterben.
Die Rolle der EU: Wegschauen aus politischem Kalkül?
Die Moderatorin stellt die entscheidende Frage nach der Finanzierung dieses Systems. Sebastian Everding bestätigt den Verdacht, dass EU-Gelder in diese Strukturen fließen. Diese Mittel sind jedoch oft in größeren Budgets versteckt, beispielsweise als Gelder für „Straßenreinigung“ oder „Klimaanpassung“, was eine genaue Nachverfolgung erschwert. Eine Anfrage von ihm und anderen Abgeordneten zur Zweckentfremdung von EU-Mitteln in Rumänien blieb bisher unbeantwortet.
Warum greift die EU nicht härter durch? Sebastian erklärt, dass auf europäischer Ebene eine große Zurückhaltung herrscht, sich in nationale Angelegenheiten einzumischen. Man fürchte, durch zu starke Regulierung rechtspopulistischen und EU-feindlichen Parteien in die Hände zu spielen. Diese Vorsicht führt jedoch dazu, dass Kontrollen lasch sind und Korruption vor Ort ungehindert gedeihen kann, während die EU im Grunde wegschaut.
Lösungsansätze: Bildung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Trotz der düsteren Analyse sieht Sebastian Wege für eine positive Veränderung. Sein Grundsatz lautet: „Das Töten von Tieren ist niemals eine Lösung.“ Stattdessen setzt er auf zwei zentrale Säulen: Bildung und die Stärkung lokaler Initiativen. Er berichtet von Organisationen in Rumänien, die beeindruckende Bildungsarbeit in Schulen und Kindergärten leisten, um bei der nächsten Generation ein Bewusstsein für Tierschutz und die Notwendigkeit von Kastrationen zu schaffen. Kinder, so Sebastian, können zu wichtigen Multiplikatoren in ihren Familien werden und einen echten Mentalitätswandel anstoßen.
Gleichzeitig sei es entscheidend, dass ausländische Tierschutzorganisationen nicht als belehrende Akteure auftreten. Nachhaltiger Wandel könne nur „auf Augenhöhe“ mit den Menschen vor Ort gelingen. Es gehe darum, lokale Tierschützer zu unterstützen und zu befähigen, anstatt ihnen fertige Konzepte überzustülpen.
Praktische Schritte: Was Du selbst tun kannst
Sebastian Everding schließt mit einem eindringlichen Appell an alle Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich ohnmächtig fühlen. Er betont, dass jeder etwas beitragen kann, wenn die Empörung in konkretes Handeln umgewandelt wird.
- Werde politisch aktiv: Verstehe, dass Tierschutz untrennbar mit Politik verbunden ist. Reiner Online-Aktivismus reicht nicht aus. Die Empörung aus den sozialen Medien muss auf die politische Bühne getragen werden.
- Kontaktiere die richtigen Abgeordneten: Schreibe nicht nur Politikern, die ohnehin schon für den Tierschutz kämpfen. Wende dich gezielt an Abgeordnete aller Fraktionen, insbesondere jene mit wirtschaftlichem oder konservativem Fokus. Nur wenn diese merken, dass Tierschutz für eine große Wählerschaft relevant ist, entsteht Druck.
- Schaffe Sichtbarkeit: Nimm an Demonstrationen wie den „Galgo-Märschen“ teil. Öffentlicher Protest auf der Straße ist wirkungsvoller als jeder Online-Kommentar. Tierschützer müssen als politische Kraft sichtbarer werden.
- Unterstütze nachhaltige Projekte: Fördere Organisationen, die eng mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten und auf Bildung setzen. Das schafft langfristige Veränderungen statt kurzfristiger Lösungen.
Seine Hoffnung schöpft Sebastian Everding aus den vielen engagierten Menschen, die er auf seinen Reisen trifft. Sie beweisen täglich, dass man auch unter schwierigsten Bedingungen etwas bewegen kann, wenn man für eine Sache brennt.
Themen und Herausforderungen
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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