Verunsichert durch Dr. Google? Warum dein Bauchgefühl oft der bessere Ratgeber ist

Hast du schon einmal das Verhalten deines Hundes gegoogelt und dich danach besorgter gefühlt als zuvor? Ein harmloses Kratzen wird zur schweren Allergie, ein Gähnen zum Anzeichen für puren Stress. Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. In ihrer Podcast-Episode "Ist das normal oder muss ich mir Sorgen machen?" nehmen sich Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak vom Podcast Hundsf(a)elle genau dieses Problems an: der wachsenden Verunsicherung von Hundehalter:innen durch die Flut an Informationen aus Social Media und dem Internet. Die Episode ist ein Plädoyer dafür, den eigenen Hund wieder als Individuum zu sehen, dem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen und zu verstehen, dass nicht jede Verhaltensweise sofort pathologisiert werden muss. Sie richtet sich an alle, die sich im Dschungel der Meinungen verloren fühlen und nach klarer Orientierung suchen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Informationsflut als Ursache für Verunsicherung: Mustafa erklärt, dass die unzähligen, oft widersprüchlichen Meinungen auf Social Media und in Foren Hundehalter:innen massiv verunsichern. Was als gut gemeinter Ratschlag beginnt, endet oft in einer Sorgenspirale.
  • "Normal" ist individuell: Was für einen Hund normal ist, hängt von seiner Persönlichkeit, seiner Vorgeschichte und seinem Alltag ab. Die entscheidende Frage ist nicht "Was ist normal?", sondern "Was ist normal für meinen Hund?".
  • Kontext ist alles: Eine einzelne Verhaltensweise wie Gähnen oder das Ablegen des Kopfes auf dem Schoß ist ohne den Gesamtkontext bedeutungslos. Erst die Beobachtung der gesamten Körpersprache und der Situation erlaubt eine sinnvolle Interpretation.
  • Stress ist keine Diagnose: Das Wort Stress wird inflationär verwendet. Yvonne betont, dass kurzzeitiger, positiver Stress (Eustress) zum Leben und zum Lernen dazugehört. Problematisch wird nur der Dauerstress (Distress), der aber seltener vorkommt, als oft angenommen.
  • Beobachte Muster, nicht nur Momente: Anstatt sich über ein einmaliges Verhalten Sorgen zu machen, ist es viel aufschlussreicher, wiederkehrende Muster zu erkennen. Tritt ein Verhalten immer zur gleichen Zeit oder nach bestimmten Ereignissen auf?
  • Professionelle Hilfe statt Puzzleteile: Anstatt sich einzelne, kontextlose Tipps aus dem Netz zusammenzusuchen, ist der Blick eines professionellen Trainers oder einer Tierärztin von außen oft der direktere und effektivere Weg zur Lösung.

Die Falle der Informationsflut: Warum Google und Social Media verunsichern

Yvonne und Mustafa eröffnen das Gespräch mit einer Beobachtung, die viele aus dem eigenen Alltag kennen: Der Wunsch, alles richtig zu machen und dem Hund ein perfektes Leben zu bieten, führt paradoxerweise oft zu extremer Verunsicherung. Wie Yvonne anmerkt, ist dieser Wunsch an sich sehr löblich, doch die schiere Menge an verfügbaren Informationen wird zum Problem. Jedes Symptom, jede Verhaltensweise wird gegoogelt, in Facebook-Gruppen diskutiert oder auf TikTok analysiert. Das Ergebnis, so Mustafa, ist eine Informationsüberflutung, bei der man am Ende nicht mehr weiß, welcher der unzähligen Meinungen man folgen soll.

Das Kernproblem liegt darin, dass diese Informationen meist völlig aus dem Kontext gerissen sind. Man sieht ein 15-Sekunden-Video von einem Hund, der sich kratzt, und liest in den Kommentaren zehn verschiedene Diagnosen von Allergie über Stress bis hin zu Flöhen. Was dabei fehlt, ist das Gesamtbild: Was ist davor passiert? Wie lebt dieser Hund? Welche Rasse ist es? Diese kontextlosen Antworten, wie Yvonne sie nennt, führen dazu, dass wir beginnen, unseren Hund durch die Brille von Symptomen zu sehen, anstatt ihn als ganzheitliches Lebewesen wahrzunehmen. Es ist ein Phänomen, das ich persönlich Wissenslagerung nenne - man sammelt Unmengen an theoretischem Wissen, kann es aber nicht auf die eigene, individuelle Situation anwenden und wird dadurch nur noch unsicherer.

Was ist normal? Den eigenen Hund als Maßstab verstehen

Die zentrale Frage der Episode - ist das normal? - führt direkt zur nächsten wichtigen Erkenntnis: Es gibt kein universelles Normal. Jeder Hund ist ein Individuum mit einer eigenen Persönlichkeit, eigenen Vorlieben und eigenen Macken. Yvonne und Mustafa argumentieren überzeugend, dass der einzig relevante Maßstab der Hund selbst ist. Anstatt dein Tier mit anderen Hunden auf Instagram zu vergleichen, solltest du eine Baseline für das Verhalten deines eigenen Hundes entwickeln.

Veränderungen sind dann ein wichtiger Indikator. Wenn dein sonst lebenslustiger und aufmerksamer Hund plötzlich apathisch wirkt, nicht mehr fressen oder spazieren gehen möchte, dann ist das ein klares Signal, dass etwas nicht stimmt. Hierbei ist jedoch wieder der Kontext entscheidend. Yvonne bringt ein wunderbares Beispiel: Wenn dein Hund heute müde in der Ecke liegt, nachdem ihr gestern eine 20-Kilometer-Wanderung gemacht habt, hat er vermutlich einfach nur Muskelkater. Das ist eine logische Konsequenz und kein Grund zur Sorge. Bei akuten und extremen Symptomen wie starkem Durchfall, plötzlicher Apathie oder Husten, so Yvonne, sollte man allerdings nicht zögern und direkt zum Tierarzt fahren. Hier ist das Bauchgefühl meist der beste Ratgeber.

Kontext ist König: Einzelne Symptome sind keine Diagnose

Eine der wertvollsten Botschaften der Episode ist die Mahnung, Verhaltensweisen niemals isoliert zu betrachten. Mustafa illustriert dies am klassischen Beispiel des Hundes, der seinen Kopf auf den Schoß des Menschen legt. Im Internet wird dies schnell als „Dominanzverhalten“ abgestempelt. Mustafa erklärt jedoch, dass diese Interpretation ohne weiteren Kontext völlig haltlos ist. War der Hund dabei steif? War die Rute oben? Hat er den Menschen bedrängt? Oder war es vielleicht einfach nur eine Geste der Zuneigung und des Wunsches nach Nähe?

Dieses Prinzip gilt für unzählige Verhaltensweisen. Das Gähnen kann Müdigkeit, aber auch eine Übersprungshandlung in einer unsicheren Situation sein. Das Kratzen kann auf eine Allergie hindeuten, aber auch ein Zeichen von Überforderung nach einem zu aufregenden Spaziergang sein. Es ist die Kunst der Beobachtung, die hier den Unterschied macht. Anstatt vorschnell ein Etikett auf ein Verhalten zu kleben, geht es darum, die gesamte Situation zu analysieren und Muster zu erkennen.

Stress: Das überstrapazierte Modewort im Hundetraining

Yvonne gesteht, dass sie das Wort Stress schon fast nicht mehr hören kann - und spricht damit wohl vielen aus der Seele. Der Begriff wird inflationär für nahezu jedes unerwünschte Verhalten verwendet. Sie stellt klar: Stress ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Zustand. Es wird zwischen Eustress (positiver, anregender Stress) und Distress (negativer, schädlicher Stress) unterschieden.

Eustress, so erklärt Yvonne, ist sogar notwendig für das Lernen. Sie vergleicht es mit der Anspannung vor einer Prüfung, die uns hilft, uns zu fokussieren und Leistung abzurufen. Ein Hund, der aufgeregt auf seinen Ball wartet oder eine neue Übung lernt, befindet sich in einem Zustand von Eustress. Das ist nicht nur unbedenklich, sondern gehört zum Leben dazu. Problematisch wird es erst, wenn der Stress chronisch wird und der Hund keine Erholungsphasen mehr hat - der Distress. Mustafa fügt ein wichtiges Beispiel hinzu: Hunde, die aufgrund mangelnder Führung und klarer Grenzen ständig das Gefühl haben, für alles verantwortlich zu sein (das Haus bewachen, den Menschen beschützen), leben in einem Zustand von permanentem Distress. Hier ist die Lösung nicht, den Hund in Watte zu packen, sondern ihm durch klare Führung diese Last von den Schultern zu nehmen.

Was du konkret tun kannst, um aus der Sorgenspirale auszubrechen

Gegen Ende der Episode geben Yvonne und Mustafa ganz konkrete, handlungsorientierte Tipps, wie du mehr Sicherheit im Umgang mit deinem Hund gewinnen kannst.

  1. Beobachte Muster, nicht Momente: Anstatt bei jedem Kratzer in Panik zu verfallen, führe vielleicht ein kleines Tagebuch. Kratzt sich dein Hund immer abends? Vielleicht ist er vom Tag überfordert. Hat er immer nach dem Fressen Bauchgrummeln? Dann könnte es am Futter liegen. Muster geben dir wertvolle Hinweise auf die Ursache.
  2. Hör auf, dich zu vergleichen: Dein Hund ist nicht der Hund deiner Freundin oder der perfekte Instagram-Hund. Jeder Hund lernt in seinem eigenen Tempo und hat seine eigene Persönlichkeit. Akzeptiere dein Mensch-Hund-Team so, wie es ist. Dieser Vergleichsdruck, den ich selbst zu Beginn meiner Hundehaltung stark empfunden habe, schadet nur der Beziehung und dem eigenen Selbstvertrauen.
  3. Suche dir fundierte Hilfe von Profis: Ein guter Trainer oder eine gute Tierärztin schaut sich dich und deinen Hund als Team an. Sie geben dir keine pauschalen Antworten, sondern eine individuelle Strategie. Dieser Blick von außen ist unbezahlbar und weitaus effektiver, als sich hunderte widersprüchliche Meinungen online durchzulesen.
  4. Erlaube deinem Hund, ein Individuum zu sein: Kein Hund ist perfekt. Jeder hat seine kleinen Macken und Herausforderungen. Genau das macht ihn zu dem einzigartigen Wesen, das du liebst. Anstatt einem unerreichbaren Ideal hinterherzujagen, konzentriere dich darauf, die Beziehung zu genau diesem Hund zu stärken und zu genießen.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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