Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser Episode des Podcasts Hundsfa(e)lle widmen sich die Hosts Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak einem zentralen Thema für alle neuen Hundebesitzer:innen: dem Aufbau einer funktionierenden Alltagsroutine für einen Welpen oder Tierschutzhund. Sie diskutieren, warum eine klare Struktur Sicherheit gibt, wie man die richtige Balance zwischen Aktivität und Ruhe findet und wie man Überforderung vermeidet.
Die Episode richtet sich an alle, die sich fragen, wie sie einen berechenbaren und dennoch flexiblen Alltag schaffen können, der sowohl dem Hund als auch dem Menschen zugutekommt. Die zentrale Leitfrage ist, wie man vom anfänglichen Chaos zu einer stabilen Routine gelangt, die dem jungen Hund hilft, sich sicher und ausgeglichen in seinem neuen Zuhause zu entwickeln.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Orientiere dich am realen Alltag: Gestalte die Routine mit dem Welpen von Anfang an so, wie sie auch später aussehen wird, wenn du wieder arbeitest. So vermeidest du eine stressige Umgewöhnung.
- Ruhe ist entscheidend: Ein Welpe benötigt zwischen 16 und 20 Stunden Schlaf und Ruhe pro Tag. Aktive Ruhephasen sind essenziell, um Überreizung und problematisches Verhalten wie Beißen zu vermeiden.
- "Wilde 5 Minuten" sind oft ein Zeichen von Müdigkeit: Wenn dein Welpe überdreht, ist das häufig ein Signal für Überforderung, nicht für überschüssige Energie. Statt mehr Action braucht er in diesem Moment gezielte Ruhe.
- Kurze Trainingseinheiten statt Dauer-Entertainment: Baue mehrmals täglich kurze, fokussierte Trainingseinheiten von 2 - 3 Minuten ein. Dies lastet den Hund kognitiv aus und stärkt die Bindung, ohne ihn zu überfordern.
- Sozialisierung in Maßen: Überflute deinen Welpen nicht mit Reizen. Die Welt kann schrittweise erkundet werden, wobei das Zuhause der sichere Hafen bleibt. In den ersten Wochen ist weniger oft mehr.
- Flexibilität ist der Schlüssel: Eine Routine bietet einen Rahmen, ist aber nicht in Stein gemeißelt. Passe den Tagesablauf an die Tagesform deines Hundes an und stresse dich nicht, wenn ein Tag mal chaotisch verläuft.
- Nach aufregenden Events braucht dein Hund eine Pause: War dein Welpe bei Freunden oder auf einer Veranstaltung, plane für den nächsten Tag (und eventuell auch den übernächsten) bewusst weniger Programm ein, damit er die Erlebnisse verarbeiten kann.
Warum Routinen für Welpen entscheidend sind
Yvonne erklärt zu Beginn, dass Welpen vor allem Sicherheit und einen verlässlichen Rahmen benötigen. Routinen schaffen durch Wiederholungen und Vorhersehbarkeit genau diese Sicherheit. Eine klare Tagesstruktur hilft dem Welpen zu verstehen, was als Nächstes passiert, und fördert so seine Entspannung und sein Wohlbefinden. Ein zentraler Tipp von Yvonne ist, den Alltag von Tag eins an so zu gestalten, wie er auch nach der anfänglichen Urlaubszeit aussehen wird. Wer beispielsweise im Homeoffice arbeitet, sollte dies dem Welpen sofort vermitteln. Es sei kontraproduktiv, in den ersten Wochen ein vollgepacktes Entertainment-Programm aufzubauen, nur um den Hund dann abrupt mit einer veränderten Routine zu konfrontieren. Der Welpe sollte lernen, dass während der Arbeitszeit Ruhephasen gelten.
Die richtige Balance zwischen Aktivität und Ruhe
Ein wesentlicher Teil der Diskussion dreht sich um das richtige Maß an Ruhe. Yvonne betont, dass Welpen bis zu einem Alter von etwa fünf Monaten zwischen 16 und 20 Stunden Schlaf und Dösen pro Tag benötigen. Auch erwachsene Hunde brauchen deutlich mehr Ruhe als Menschen. Viele Besitzer:innen, so Mustafa, missverstehen die "wilden Phasen" eines Welpen als Zeichen für Langeweile oder unausgelastete Energie. Oft sei jedoch das Gegenteil der Fall: Der Welpe ist überreizt und übermüdet. Statt ihn weiter zu bespaßen, sei es in solchen Momenten wichtig, ihm aktiv zur Ruhe zu verhelfen.
Mustafa teilt seine Erfahrung mit seinem Hund Bootsmann, der als Welpe bei Überforderung zu Frustbeißen neigte. Durch gezielte, erzwungene Ruhephasen in einer Box lernte der Hund, sich selbst zu regulieren und zu entspannen. Yvonne ergänzt, dass der heutige Trend zum "Über-Entertainment" für Hunde oft zu einer massiven Überforderung führt. Früher seien Hunde mehr nebenbei mitgelaufen, was ihnen oft mehr Ruhe verschaffte.
Sozialisierung und Welterkundung: Weniger ist oft mehr
Die Hosts warnen davor, einen jungen Hund zu schnell mit der großen, weiten Welt zu konfrontieren. Yvonne vergleicht das Verhalten von Welpen mit dem von Wolfswelpen, die sich bis zur zwölften Lebenswoche hauptsächlich in der Nähe ihrer Höhle aufhalten. Viele Welpen zeigen dieses Bedürfnis nach Sicherheit, indem sie draußen oft sitzen bleiben, viel schauen und schnell wieder nach Hause möchten. Sie empfiehlt, den Radius für Spaziergänge nur langsam und schrittweise zu vergrößern. Um den Welpen an neue Umgebungen zu gewöhnen, ohne ihn zu überfordern, könne man ihn auch tragen oder in eine Tasche setzen. Dieser Grundsatz, so Yvonne, gelte genauso für Tierschutzhunde, die in einer völlig neuen Welt ankommen und Zeit brauchen, um sich sicher zu fühlen.
Training und Flexibilität als Bausteine des Alltags
Anstatt langer Spielsessions empfiehlt Yvonne, kurze Trainingseinheiten von zwei bis drei Minuten in den Alltag zu integrieren. Diese Einheiten können einfache Übungen wie Sitz, Platz, den Rückruf in der Wohnung oder die Gewöhnung an Fell- und Pfotenpflege umfassen. Solche kurzen, konzentrierten Aufgaben lasten den Hund mental aus, machen ihn müde und stärken gleichzeitig die Beziehung zum Menschen.
Beide Hosts betonen, dass ein Tagesplan flexibel bleiben muss. Mustafa führt an, dass das Leben unvorhersehbar ist und es immer Tage geben wird, an denen die Routine durch Termine oder andere Umstände durchbrochen wird. Es ist wichtig, sich davon nicht stressen zu lassen. Yvonne ergänzt, dass auch Hunde eine Tagesform haben. Nach einem besonders aufregenden Tag, etwa einem Besuch bei Freunden, sollte der Folgetag bewusst ruhiger gestaltet werden, um dem Hund die nötige Erholung zu ermöglichen. Das Ziel ist ein ausgeglichener und zufriedener Hund, und bei manchen Rassen, wie Terriern oder Border Collies, muss die Fähigkeit, einfach mal "nichts zu tun", aktiv trainiert werden.
Praktische Schritte für einen strukturierten Welpenalltag
- Grundgerüst festlegen: Definiere eine Tagesstruktur, die sich an deinem regulären Leben (inkl. Arbeitszeiten) orientiert. Lege grobe Zeiten für Fütterung, Spaziergänge, Training und vor allem Ruhe fest.
- Ruhephasen aktiv einplanen: Sorge dafür, dass dein Welpe auf seine 16 - 20 Stunden Ruhe kommt. Richte ihm einen festen, ruhigen Rückzugsort (Box, Körbchen) ein und hilf ihm aktiv beim Herunterfahren, wenn er überdreht.
- Kurze Trainingseinheiten integrieren: Plane 2-3 Mal täglich eine kurze (2 - 3 Minuten) Trainingseinheit ein. Nutze dafür Momente, in denen der Welpe aufmerksam, aber nicht überdreht ist.
- Spaziergänge anpassen: Halte Spaziergänge anfangs kurz und erkunde die Umgebung langsam. Erweitere den Radius schrittweise, wenn der Welpe sich sicher fühlt.
- Beobachten und flexibel bleiben: Achte auf die Signale deines Hundes. Ist er müde, ängstlich oder besonders energiegeladen? Passe den Plan an seine Tagesform an.
- Nach aufregenden Erlebnissen für Ausgleich sorgen: Plane nach einem Tag mit vielen neuen Reizen (z.B. Besuch, Ausflug) bewusst einen sehr ruhigen Folgetag ein.