Vom Tierschutzhund zum Lieblingshund: Wie Sicherheit, Geduld und Verständnis echte Bindung schaffen

In dieser abschließenden Episode ihrer Januar-Themenreihe beleuchten die Moderatoren des Podcasts „Hundsf(a)elle“, Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak, den Weg vom unsicheren Neuankömmling zum geliebten Familienmitglied. Der Fokus liegt darauf, wie man eine tiefe und verständnisvolle Beziehung zu seinem Hund aufbaut, unabhängig davon, ob es sich um einen Welpen, einen langjährigen Begleiter oder einen Hund aus dem Tierschutz handelt.

Die zentrale Frage der Folge ist: Was braucht ein Hund wirklich, um sich sicher zu fühlen und zu einem „Lieblingshund“ zu werden? Die Antwort, so betonen Yvonne und Mustafa, liegt nicht in Perfektion, sondern in Verständnis, Geduld und der Schaffung eines sicheren Rahmens. Diese Episode richtet sich an alle Hundehalter, die die Bindung zu ihrem Tier stärken und die Anfangsphase mit einem neuen Hund bewusst und positiv gestalten möchten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sicherheit ist die Basis: Ein Hund, insbesondere aus dem Tierschutz, muss sich erst sicher fühlen, bevor Bindung, Entspannung und erfolgreiches Training überhaupt möglich sind.
  • Routine schafft Verlässlichkeit: Feste Abläufe und wiederkehrende Rituale (z. B. gleiche Gassirunden, feste Fütterungszeiten) geben dem Hund Orientierung und helfen ihm, im neuen Zuhause anzukommen.
  • Selbstwirksamkeit stärkt das Vertrauen: Erlaube deinem Hund, im Alltag kleine, kontrollierte Entscheidungen zu treffen (z. B. den Weg an einer Kreuzung wählen). Das baut Selbstbewusstsein auf und reduziert Unsicherheiten.
  • Erwartungen anpassen: Erwarte nicht von Anfang an einen perfekt funktionierenden Hund. Setze stattdessen kleine, erreichbare Etappenziele und feiere jeden Fortschritt, egal wie klein er scheint.
  • Der Hund bestimmt das Tempo: Jeder Hund hat seine eigene Ankunftszeit. Manche brauchen Tage, andere Wochen oder sogar Monate. Druck und Ungeduld sind hier kontraproduktiv.
  • Hör auf deinen Hund, nicht auf andere: Du kennst dein Tier am besten. Vertraue auf dein Gefühl und hole dir bei Unsicherheiten lieber professionelle Unterstützung, anstatt jeden Ratschlag von außen umzusetzen.

Die Basis für einen Lieblingshund: Sicherheit und Verständnis

Zu Beginn der Episode zitieren die Moderatoren einen zentralen Satz aus dem Buch „Tierschutzhund, Lieblingshund“: „Ein Lieblingshund ist kein perfekter Hund, sondern ein Hund, der sich verstanden fühlt.“ Dieser Gedanke bildet das Fundament der gesamten Diskussion. Yvonne und Mustafa erklären, dass viele Hunde aus dem Tierschutz anfangs überfordert, reizüberflutet und vorsichtig sind. Dieses Verhalten ist eine normale Reaktion auf eine völlig neue und unbekannte Umgebung.

Yvonne vergleicht die Situation des Hundes mit der eines Menschen, der in ein fremdes Land zieht und bei einer neuen Familie lebt. Auch wir würden zunächst die Abläufe beobachten, die Menschen kennenlernen und uns vergewissern, dass wir an diesem Ort sicher sind. Mustafa unterstreicht, dass Sicherheit die absolute Voraussetzung für alles Weitere ist: Ohne ein Gefühl der Geborgenheit können weder eine stabile Bindung noch Entspannung oder Erziehung entstehen. Beziehung entwickelt sich im alltäglichen Zusammenleben, und der erste Schritt ist immer, dem Hund zu signalisieren, dass er bei dir sicher ist.

Struktur und Routine als Anker im neuen Leben

Ein entscheidender Faktor für den Aufbau von Sicherheit sind Routinen. Mustafa bezeichnet sie als „Gold wert“. Feste Tagesstrukturen, wie gleichbleibende Gassiwege, feste Fütterungszeiten und wiederkehrende Rituale, schaffen Vorhersehbarkeit. Für einen unsicheren Hund, der seine neue Welt erst noch verstehen muss, ist diese Berechenbarkeit ein wichtiger Anker. Sie hilft ihm, sich zu entspannen, da er lernt, was als Nächstes passiert, und nicht ständig mit neuen, unvorhersehbaren Reizen konfrontiert wird.

Yvonne greift erneut ihren Vergleich auf: Auch Menschen orientieren sich an neuen Orten stark an Tagesstrukturen wie Mahlzeiten oder festen Terminen. Diese Abläufe geben Halt und Orientierung - genau das, was ein neu ankommender Hund benötigt.

Selbstwirksamkeit: Vertrauen durch eigene Entscheidungen

Ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zum Lieblingshund ist das Konzept der Selbstwirksamkeit. Mustafa beschreibt dies als einen der größten „Gamechanger“. Es bedeutet, dem Hund zu erlauben, eigene Entscheidungen zu treffen und dadurch zu lernen, dass er seine Umwelt positiv beeinflussen kann. Das kann ganz einfach im Alltag umgesetzt werden, indem man dem Hund beispielsweise auf dem Spaziergang die Wahl lässt, ob er nach links oder rechts gehen oder an einer Stelle länger schnüffeln möchte.

Yvonne präzisiert jedoch, dass dies kein Freifahrtschein ist, dem Hund blind zu folgen. Es geht nicht darum, dass der Hund den Menschen ziellos durch die Gegend zieht. Vielmehr soll er in einem vom Menschen gesetzten Rahmen kleine Wahlmöglichkeiten erhalten. Ein wichtiger Punkt ist dabei, Fluchtverhalten nicht zu belohnen. Wenn ein Hund aus Angst nur noch nach Hause will, sollte man laut Yvonne einen Moment innehalten, anstatt der Flucht direkt nachzugeben. Das Ziel der Selbstwirksamkeit ist es, dem Hund zu ermöglichen, Situationen selbst zu bewältigen und zu erkennen, dass sie weniger bedrohlich sind als erwartet. Dies senkt den Stresspegel und fördert das Selbstvertrauen.

Wenn das Ankommen schwerfällt: Geduld und angepasste Erwartungen

Die Moderatoren gehen auch auf die Fälle ein, in denen sich ein Hund nur sehr langsam an sein neues Leben gewöhnt. Sie betonen, dass die Ankomm-Phase von Hund zu Hund unterschiedlich lang sein kann - von wenigen Tagen bis hin zu einem Jahr oder länger. Der größte Fehler, so Mustafa, sei der Gedanke: „Jetzt ist er schon drei Monate bei mir, jetzt muss es aber laufen.“ Der Hund gibt das Tempo vor, nicht der Kalender.

Yvonne rät dazu, große Erwartungen in kleine, realistische Etappenziele herunterzubrechen. Anstatt sofort perfekte Leinenführigkeit zu erwarten, könne man sich zunächst über einen kurzen Blickkontakt oder eine freiwillige Annäherung auf der Couch freuen. Solche kleinen Erfolge sollten bewusst wahrgenommen und gefeiert werden. Das Training einfacher Kooperationsübungen, wie zum Beispiel Blickkontakt, kann zunächst im reizarmen Umfeld der Wohnung beginnen, bevor man es nach draußen überträgt. Dies nimmt den Druck aus der Situation und stärkt die Beziehung Schritt für Schritt.

Der Mythos der „Überraschungstüte“

Abschließend räumen Yvonne und Mustafa mit einem weitverbreiteten Mythos auf: der Annahme, jeder Tierschutzhund sei eine „Überraschungstüte“. Mustafa stellt klar, dass Hunde sich nicht unberechenbar verhalten, sondern immer konsequent gemäß ihrer individuellen Lerngeschichte und Erfahrungen. Ihr Verhalten ist also nachvollziehbar, wenn man lernt, es zu lesen.

Yvonne ergänzt humorvoll, dass Tierschutzhunde höchstens als Welpen eine Überraschungstüte seien - und zwar in Bezug auf ihr späteres Aussehen und ihre Größe. Der Charakter und die Persönlichkeit eines Hundes seien jedoch oft schon sehr früh erkennbar. Der Mythos hält sich hartnäckig, entspricht aber nicht der Realität.

Praktische Schritte für die erste Zeit

  1. Management statt Druck: Wenn dein Hund Abstand braucht, gib ihn ihm. Wähle anfangs reizarme Spazierwege, um Stress zu minimieren und dem Hund eine langsame Gewöhnung zu ermöglichen.
  2. Kleine Ziele setzen: Definiere, was dir kurzfristig am wichtigsten ist (z. B. eine erste Orientierung am Menschen) und arbeite in kleinen Schritten daran. Feiere jeden noch so kleinen Erfolg, um die Motivation für dich und deinen Hund hochzuhalten.
  3. Professionelle Hilfe suchen: Wenn du unsicher bist oder das Gefühl hast, nicht weiterzukommen, zögere nicht, einen qualifizierten Hundetrainer hinzuzuziehen. Eine externe Perspektive kann helfen, die Situation neu zu bewerten und konkrete Lösungsansätze zu finden.
  4. Auf den eigenen Hund hören: Lass dich nicht von den Meinungen anderer verunsichern. Jeder Hund ist ein Individuum. Wenn sich ein Ratschlag für dich und deinen Hund nicht stimmig anfühlt, musst du ihn nicht befolgen. Vertraue deiner Intuition.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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