Von der Leidenschaft für eine Rasse zum europaweiten Tierschutznetzwerk

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In dieser Episode des Podcasts „The Pet Food Family“ sprechen Susanne, Caro und Marlena vom Verein Spitz and Pawtners e.V. über ihre Tierschutzarbeit. Entstanden aus der Initiative einer einzelnen Frau, Ingrid, hat sich der Verein zu einer professionellen Organisation entwickelt, die sich europaweit für Spitze und andere Hunde in Not einsetzt. Die Episode beleuchtet die Realitäten des Auslandstierschutzes in Rumänien und Ungarn, den enormen ehrenamtlichen Aufwand hinter den Kulissen und die Prinzipien einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Hundevermittlung.

Diese Zusammenfassung richtet sich an alle, die Tierschutzarbeit besser verstehen, einen Hund adoptieren möchten oder nach Wegen suchen, sich sinnvoll zu engagieren. Sie beantwortet die zentrale Frage: Was bedeutet seriöser und nachhaltiger Tierschutz heute, und welche Verantwortung tragen sowohl die Vereine als auch die Adoptanten?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Tierschutz basiert auf Vertrauen: Effektive Hilfe im Ausland, besonders in Rumänien und Ungarn, funktioniert nicht durch kurzfristige Besuche, sondern nur durch langjährig aufgebaute, persönliche Beziehungen und gegenseitiges Vertrauen.
  • Nachhaltigkeit vor schneller Rettung: Der Fokus liegt nicht nur auf der Vermittlung von Hunden, sondern auch auf nachhaltigen Lösungen vor Ort wie Kastrationsprojekten und Aufklärungsarbeit über illegalen Welpenhandel.
  • Eine verantwortungsvolle Adoption braucht Zeit: Ein seriöser Vermittlungsprozess ist aufwendig und umfasst Selbstauskunft, ausführliche Gespräche, Vorkontrollen und Nachbetreuung. Er ist keine schnelle „Lieferung“ eines Tieres.
  • Pflegestellen sind Lebensretter: Pflegestellen in Deutschland sind ein entscheidendes Sprungbrett für Hunde aus dem Ausland. Sie bereiten die Tiere auf ein Leben im neuen Zuhause vor und erhöhen die Vermittlungschancen für schüchterne, ältere oder kranke Hunde enorm.
  • Administrative Arbeit ist Tierschutzarbeit: Ein großer Teil der ehrenamtlichen Tätigkeit besteht aus unsichtbarer Büroarbeit wie Buchhaltung, Vertragsmanagement und rechtlicher Absicherung, um Transparenz und Professionalität zu gewährleisten.
  • Die Lage ist ernst: Die Situation im Tierschutz ist laut dem Team „fünf nach zwölf“. Tierheime sind überfüllt, und es mangelt an verantwortungsbewussten Adoptanten, die bereit sind, sich auf die Bedürfnisse eines Tieres einzulassen, anstatt ein „funktionierendes“ Produkt zu erwarten.

Die Anfänge: Von Ingrid zur Gründung von Spitz and Pawtners e.V.

Die Geschichte des Vereins begann mit Ingrid, einer Frau mit einer großen Leidenschaft für die Rasse Spitz. Sie entdeckte über Social Media, dass zahlreiche Rassehunde, insbesondere Spitze, unter prekären Bedingungen in ausländischen Tierheimen und bei Vermehrern leben. Entgegen der landläufigen Meinung, dass nur Mischlinge im Tierschutz landen, erkannte sie den dringenden Handlungsbedarf. Laut Susanne baute Ingrid in Eigeninitiative über Jahre hinweg Kontakte in Ungarn auf, um die dortige „Spitzrettung“ zu unterstützen. Diese Vorarbeit war entscheidend, denn, so erklärt das Team, im Auslandstierschutz ist der Zugang zu Sheltern und Tötungsstationen fast ausschließlich über persönliche Verbindungen möglich. Anfänglich stieß Ingrid auf großes Misstrauen und Vorurteile, da die lokalen Tierschützer befürchteten, die Deutschen könnten den Hunden schaden. Durch jahrelange, beharrliche Arbeit entstand eine vertrauensvolle, fast familiäre Beziehung, die heute die Grundlage für die Kooperationen des Vereins bildet.

Die harte Realität des Auslandstierschutzes

Die Arbeit in Rumänien und Ungarn ist von extremen Bedingungen geprägt. Caro berichtet von der schockierenden Statistik, dass Welpen, die in rumänischen Sheltern oder auf der Straße geboren werden, nur eine Überlebenschance von 1 % haben, oft sterben sie an Krankheiten wie Parvovirose. Die Teammitglieder reisen mehrmals im Jahr auf eigene Kosten und in ihrem Urlaub in die Länder, um vor Ort zu helfen. Diese Reisen sind sowohl körperlich als auch mental extrem fordernd. Die Arbeit findet bei jeder Witterung statt, und die Helferinnen leben unter einfachsten Bedingungen, oft zu fünft in einer kleinen Wohnung. Sie betonen, dass diese Reisen kein „Tierschutz-Tourismus“ sind. Der Zugang zu den Einrichtungen ist streng reglementiert. Nur durch das über Jahre aufgebaute Vertrauen dürfen sie die Zwinger betreten, Hunde herausholen und auch nach den offiziellen Öffnungszeiten arbeiten - ein Privileg, das externen Helfern verwehrt bleibt. Diese direkten Erlebnisse vor Ort geben dem Team jedoch immer wieder die Kraft und Motivation, trotz aller Widrigkeiten weiterzumachen.

Professionalität im Ehrenamt: Der Verein hinter den Kulissen

Obwohl die Arbeit aus Leidenschaft und ehrenamtlich geleistet wird, erfordert sie ein hohes Maß an Professionalität. Susanne erklärt, dass die eigentliche Tierschutzarbeit weit über die direkte Hilfe für die Hunde hinausgeht. Ein Großteil der Zeit wird für administrative Aufgaben aufgewendet: Buchhaltung, das Erstellen von Verträgen, die Einhaltung rechtlicher Vorgaben des Veterinäramts und die Sicherstellung der Gemeinnützigkeit. Transparenz gegenüber Spendern ist dabei ein zentrales Anliegen. Der Verein legt großen Wert darauf, durch Jahresberichte nachzuweisen, dass alle Gelder direkt in die Projekte fließen. Diese organisatorische Arbeit ist, wie Caro ausführt, zeitintensiv und oft mühsam, aber unerlässlich, um seriös und nachhaltig agieren zu können. Es ist ein „kleiner zweiter Vollzeitjob“, der mit Verantwortung gegenüber den Tieren, den Adoptanten und den Behörden verbunden ist.

Der Vermittlungsprozess: Qualität vor Quantität

Spitz and Pawtners e.V. verfolgt einen klaren und sorgfältigen Vermittlungsprozess, um sicherzustellen, dass jeder Hund das passende Zuhause findet. Marlena beschreibt die einzelnen Schritte detailliert: Alles beginnt mit einer schriftlichen Selbstauskunft der Interessenten. Passt das Profil zum Hund, folgt ein intensives Telefongespräch, das bis zu anderthalb Stunden dauern kann. In diesem Gespräch werden Erwartungen, Lebensumstände und mögliche Herausforderungen („Worst-Case-Szenarien“) besprochen. Der Verein berät auch aktiv und schlägt manchmal einen anderen Hund vor, der besser passen könnte. Nach einer Bedenkzeit für beide Seiten und einer positiven Vorkontrolle vor Ort wird der Schutzvertrag aufgesetzt und die Ausreise des Hundes geplant. Das Team betont, dass die Betreuung mit der Ankunft des Hundes nicht endet. Eine enge Nachbetreuung hilft den neuen Besitzern bei der Eingewöhnung und bei aufkommenden Fragen. Dieser aufwendige Prozess steht im starken Kontrast zu unseriösen Anbietern, bei denen ein Hund binnen weniger Tage „geliefert“ wird.

Pflegestellen: Das Sprungbrett in ein neues Leben

Pflegestellen spielen eine zentrale Rolle in der Arbeit des Vereins. Sie nehmen Hunde temporär bei sich auf und bereiten sie auf das Leben in einer Familie in Deutschland vor. Wie das Team erklärt, lernen die Hunde hier alltägliche Dinge wie Stubenreinheit, Leinenführigkeit und das Leben im Haus. Dies ist besonders wichtig für Tiere, die sonst kaum eine Chance auf eine direkte Vermittlung aus dem Ausland hätten – etwa weil sie sehr ängstlich, älter oder optisch unauffällig sind. Eine Pflegestelle ermöglicht es potenziellen Adoptanten, den Hund persönlich kennenzulernen, was die Hemmschwelle für eine Adoption senkt. Der Verein sucht händeringend nach weiteren Pflegestellen, auch für Notfälle. Für jede Vermittlung wird eine „Back-up-Pflegestelle“ eingeplant, die einspringen kann, falls eine Adoption unvorhergesehen scheitert. Dieses Sicherheitsnetz ist entscheidend, um zu verhindern, dass Hunde in überfüllten deutschen Tierheimen landen.

Praktische Schritte: So kannst du helfen

Der Verein betont, dass jeder einen Beitrag leisten kann, um die Situation für Tiere in Not zu verbessern. Hier sind die wichtigsten Handlungsempfehlungen aus dem Gespräch:

  1. Werde Pflegestelle: Biete einem Hund ein temporäres Zuhause und bereite ihn auf seine endgültige Adoption vor. Auch Notfall-Pflegestellen, die nur im Ernstfall einspringen, sind extrem wertvoll.
  2. Unterstütze finanziell: Spende gezielt für Projekte wie Kastrationen oder übernehme eine Patenschaft für Futter oder medizinische Versorgung. Jeder Euro hilft.
  3. Teile Inhalte auf Social Media: Erhöhe die Sichtbarkeit von Vermittlungshunden, indem du Beiträge des Vereins teilst. Es kostet nichts und kann einem Hund ein Zuhause schenken, indem die richtige Person auf ihn aufmerksam wird.
  4. Sei ein verantwortungsbewusster Interessent: Wenn du einen Hund adoptieren möchtest, informiere dich vorab gründlich über die Bedürfnisse und rassetypischen Eigenschaften. Sei geduldig und ehrlich im Vermittlungsprozess.
  5. Kläre dein Umfeld auf: Sprich mit Freunden und Familie, die ein Tier anschaffen wollen. Ermutige sie, zuerst im Tierschutz zu schauen und sich auf einen seriösen und gründlichen Prozess einzulassen.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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