Wenn der Alltag stillsteht: So meisterst du unerwartete Pausen mit deinem Hund
Stell dir vor, du brichst dir den Fuß. Sechs Wochen Gips, eingeschränkte Mobilität und ein junger, energiegeladener Hund, der plötzlich nicht mehr ausgelastet ist. Genau diese Herausforderung erlebte eine Hörerin des Podcasts HundeRunde und wandte sich mit ihrer Geschichte an die Moderatorinnen Liza Gerlach und Mareike Klohr. Was passiert, wenn die gewohnte Routine von einem Tag auf den anderen zerbricht? Und wie verhindert man, dass aus Langeweile handfeste Verhaltensprobleme entstehen? In dieser Folge widmen sich Liza und Mareike genau diesen Fragen und liefern wertvolle Einblicke und praktische Lösungsansätze, die für jeden Hundebesitzer relevant sind, der unvorhergesehen ausfällt - sei es durch Krankheit, eine Verletzung oder andere Lebensumstände.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Unterforderung ist der Nährboden für Probleme: Ein Hund, dessen Bedürfnisse nach Bewegung und mentaler Beschäftigung nicht erfüllt werden, sucht sich eigene Aufgaben. Dieses Verhalten ist oft nicht das, was wir uns als Halter wünschen.
- Konsequenz schafft Sicherheit: Auch wenn du Mitleid mit deinem Hund hast, weil du ihm nicht das gewohnte Programm bieten kannst - bestehende Regeln und Grenzen müssen weiterhin gelten. Konsequenz gibt deinem Hund auch in unsicheren Zeiten Halt.
- Geistige Auslastung ist entscheidend: Wenn körperliche Aktivität wegfällt, rückt die Kopfarbeit in den Fokus. Kreative Suchspiele, das Erlernen neuer Tricks oder konzentrierte Trainingseinheiten können einen Hund tief zufriedenstellen und auslasten.
- Qualität vor Quantität bei Spaziergängen: Kurze, aber intensive Spaziergänge, bei denen du aktiv mit deinem Hund kommunizierst und trainierst, sind wertvoller als lange, unstrukturierte Gänge, bei denen der Hund sich selbst überlassen ist.
- Reagiere sofort auf unerwünschtes Verhalten: Je länger du ein problematisches Verhalten tolerierst, desto stärker verfestigt es sich. Mareike rät, bei den ersten Anzeichen einer "Marotte" sofort einen klaren Riegel vorzuschieben.
- Pubertät als Brandbeschleuniger: Die Hörerin beschreibt ihren Hund als zwei Jahre alt - mitten in der Blüte seiner Jugend. Mareike betont, dass diese Entwicklungsphase Verhaltensänderungen begünstigt. Die Verletzung war also wahrscheinlich nicht die alleinige Ursache, sondern hat die Situation verschärft.
Die Krux mit der Pubertät: Wenn der Alltag auf den Kopf gestellt wird
Bevor es an die konkrete Hörerfrage geht, tauschen sich Liza und Mareike über die Freuden und Leiden der Hunde-Pubertät aus. Liza beschreibt die Entwicklung ihres Hundes Fred als wellenartig: Phasen, in denen er ein Musterknabe ist, wechseln sich mit anstrengenden Zeiten ab, in denen er an der Leine zerrt und Kommandos gekonnt ignoriert. "Du denkst dir so, du kleine Arschkrampe, du hast es genau gehört", fasst sie die Momente der Verzweiflung humorvoll zusammen. Mareike vergleicht diese Entwicklungsschübe mit einem Level in einem Videospiel: Man scheitert ein paar Mal, aber am Ende kommt man gestärkt und mit neuen Fähigkeiten heraus. Diese Anekdoten schaffen einen wichtigen Kontext für die Hörerfrage, denn ihr Hund Petro ist mit zwei Jahren genau in diesem Alter, in dem Hormone und Entwicklung das Verhalten stark beeinflussen. Mareike stellt klar, dass die erzwungene Ruhepause durch die Verletzung der Halterin wahrscheinlich nicht die alleinige Ursache für die neuen Verhaltensweisen ist, sondern eher ein Katalysator in einer ohnehin schon sensiblen Lebensphase war.
Unterforderung als Ursache: Warum dein Hund sich eigene Aufgaben sucht
Die Hörerin Gabriela beschreibt, dass ihr Hund Pedro seit ihrer Verletzung planlos durch den Garten rennt und jede Ecke kontrolliert, als hätte er etwas gehört oder gesehen. Für Mareike ist dies ein klares Anzeichen für Unterforderung. Ein Hund, der es gewohnt ist, täglich mehrere Stunden spazieren zu gehen und geistig gefordert zu werden, fällt in ein tiefes Loch, wenn dieses Programm abrupt endet. Er beginnt, sich selbst Aufgaben zu suchen, um seine Energie und seinen Arbeitseifer zu kanalisieren. Dieses Job-Erfinden führt oft zu Verhaltensweisen, die wir als störend empfinden - wie das Bewachen des Gartenzauns, übermäßiges Bellen oder Kontrollgänge. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich das nur bestätigen: Mein sonst sehr ruhiger Hund fängt an, jeden Postboten zu melden, wenn unsere Spaziergänge wetterbedingt mal zwei Tage kürzer ausfallen. Er ist nicht unartig, er ist schlicht und einfach gelangweilt.
Konsequenz als Anker: Grenzen setzen, auch wenn es schwerfällt
Was also tun? Mareike plädiert für eine klare Haltung: Auch wenn man sich schlecht fühlt, weil man dem Hund nicht gerecht werden kann, dürfen bestehende Regeln nicht aufgeweicht werden. "Dinge, die einfach vorher ein No-Go waren, [...] die sind nach wie vor ein No-Go", erklärt sie. Wenn Petro also beginnt, den Gartenzaun zu bewachen, muss Gabriela ihm sofort und unmissverständlich signalisieren, dass dies nicht seine Aufgabe ist. Mareike schlägt ein Ampelsystem vor: eine erste verbale Korrektur ("Nein"), eine zweite, deutlichere Ansage ("Das lässt du!") und als letzte Konsequenz das Beenden der Gartenzeit. Dieser strukturierte Ansatz hilft dem Hund zu verstehen, wo die Grenzen liegen. Es ist verlockend, aus Mitleid nachgiebiger zu sein, doch das schafft nur Verwirrung und kann die Probleme langfristig verschlimmern. Klare Regeln bieten dem Hund Sicherheit und Orientierung - gerade dann, wenn die Welt für ihn aus den Fugen geraten scheint.
Der Wiedereinstieg: Zurück zur Normalität nach der Zwangspause
Irgendwann ist der Gips ab und die Spaziergänge können wieder länger werden. Doch was, wenn der Hund sich an die Leinenpöbelei oder das permanente Schnüffeln gewöhnt hat? Mareike rät, den Teufel nicht an die Wand zu malen und erst einmal zu beobachten, wie sich der Hund verhält. Sollten sich tatsächlich unerwünschte Verhaltensweisen eingeschlichen haben, lautet die Devise: Qualitätsspaziergänge. Lieber zweimal häufiger am Tag mit ihm rausgehen, aber dafür eben Qualitätsspaziergänge und dann immer erweitern, ist ihre Empfehlung. Das bedeutet, sich auf den ersten Runden voll auf den Hund zu konzentrieren, Leinenführigkeit aktiv einzufordern und die Aufmerksamkeit des Hundes gezielt zu lenken. Oft reicht schon eine kurze Gedächtnisauffrischung, damit der Hund sich an die alten Regeln erinnert und das Training schnell wieder Früchte trägt.
Praktische Schritte: So beschäftigst du deinen Hund bei eingeschränkter Mobilität
Wenn du selbst einmal in einer ähnlichen Situation wie Gabriela bist, helfen dir diese konkreten Tipps von Mareike, die Zeit bestmöglich zu überbrücken und die Bindung zu deinem Hund sogar zu stärken:
- Kopfarbeit statt Kilometer: Verlagere den Fokus von körperlicher auf geistige Auslastung. Suchspiele sind dafür ideal. Verstecke Leckerlis oder das Lieblingsspielzeug in der Wohnung oder im Garten. Beginne einfach und steigere langsam den Schwierigkeitsgrad. Auch Schleckmatten oder gefüllte Kongs bieten eine ruhige, aber intensive Beschäftigung.
- Neue Tricks für alte Hasen (und junge Hüpfer): Nutze die Zeit, um deinem Hund neue Tricks beizubringen. Das erfordert hohe Konzentration von deinem Hund und stärkt eure Kommunikation. Du selbst musst dich dafür kaum bewegen und kannst bequem vom Sofa aus agieren.
- Training auf Distanz im Garten: Wenn du einen Garten hast, kannst du Distanzarbeit trainieren. Mareike schlägt vor, den Hund zu lehren, auf Kommando einen Gegenstand (z. B. ein Hütchen) zu umlaufen. Du beginnst direkt neben dem Hund und vergrößerst die Entfernung schrittweise. So lastest du deinen Hund geistig und sogar ein wenig körperlich aus, ohne selbst viele Schritte machen zu müssen.
- Qualitätszeit auf kurzen Wegen: Mache aus den kurzen Pipi-Runden wertvolle Trainingseinheiten. Übe an der Leinenführigkeit, fordere Sitz- und Platz-Kommandos ein und belohne deinen Hund für jede Form von Kooperation. Fünf Minuten konzentriertes Training können anstrengender sein als ein dreißigminütiger Spaziergang.
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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