Wie Hunde denken und fühlen: Einblicke in die neurologischen Grundlagen des Hundeverhaltens

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In dieser Episode des Podcasts Hundsfa(e)lle geben die Hosts Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak einen verständlichen Einblick in die Funktionsweise des Hundegehirns. Sie erklären, wie neurologische Prozesse das Verhalten, die Emotionen und die Lernfähigkeit von Hunden steuern.

Die zentralen Themen sind der Aufbau des Hundegehirns, die Verarbeitung von Reizen, die Rolle von Stress beim Lernen und die essenzielle Bedeutung von Impulskontrolle. Diese Folge ist besonders relevant für alle Hundebesitzer:innen, die das Verhalten ihres Hundes - von plötzlichem Bellen bis hin zu scheinbarer Sturheit - besser verstehen und ihr Training dadurch effektiver und fairer gestalten möchten. Die Leitfrage lautet: Warum tut mein Hund, was er tut, und wie kann ich dieses Wissen für ein harmonisches Zusammenleben nutzen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Viele Verhaltensweisen wie Bellen, Wegrennen oder Ausrasten sind keine bewussten Entscheidungen, um dich zu ärgern, sondern oft unkontrollierbare, reflexartige Reaktionen auf Reize, die von der Amygdala gesteuert werden.
  • Hunde haben kein „schlechtes Gewissen“. Der oft als schuldbewusst interpretierte Blick ist ein erlerntes Beschwichtigungsverhalten, mit dem der Hund auf die negative Stimmung des Menschen reagiert.
  • Hoher Stress (Angst, Panik, Reizüberflutung) blockiert das Lernzentrum im Gehirn. Ein gewisses Maß an positivem „Lernstress“ ist jedoch notwendig, um Motivation zu erzeugen.
  • Impulskontrolle ist keine angeborene Willensstärke, sondern eine trainierbare Fähigkeit. Der Schlüssel liegt darin, dem Hund ein alternatives Verhalten beizubringen, das sich für ihn mehr lohnt als der ursprüngliche Impuls.
  • Beginne jedes neue Training in einer reizarmen Umgebung (z. B. im Wohnzimmer). Nur so kann dein Hund sich konzentrieren, bevor du die Ablenkung schrittweise steigerst.
  • Deine eigenen Emotionen beeinflussen den Lernerfolg maßgeblich. Frustration führt zu einem „Machtkampf“, während ehrliche Freude über Fortschritte das Lernen deines Hundes beschleunigt.
  • Für nachhaltiges Lernen muss ein Hund nicht nur wissen, was er nicht tun soll, sondern vor allem, was die richtige Alternative ist. Ein Abbruchsignal ohne ein klares Alternativangebot ist nur die halbe Miete.

Ein Blick ins Hundegehirn: Die Schaltzentralen des Verhaltens

Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak erklären, dass das Hundegehirn ähnlich wie das menschliche Gehirn aus verschiedenen Arealen mit spezifischen Aufgaben besteht. Für das Verständnis des Hundeverhaltens sind vor allem drei Bereiche entscheidend:

  • Das limbische System: Dieses Areal ist das Zentrum der Emotionen. Laut Yvonne werden hier Gefühle wie Angst, Freude, Wut und auch Stress verarbeitet. Es ist dem des Menschen sehr ähnlich.
  • Die Amygdala: Als Teil des evolutionär alten „Reptiliengehirns“ ist die Amygdala für die schnelle, reflexartige Reaktion auf Gefahren zuständig. Yvonne betont, dass der Hund Handlungen, die von hier aus gesteuert werden (z. B. plötzliche Flucht), nicht bewusst kontrollieren kann. Das Gehirn nimmt eine Bedrohung wahr und der Körper handelt, ohne dass eine rationale Abwägung stattfindet.
  • Der präfrontale Cortex: Dieses Areal ist für planvolles Denken, Entscheidungen und Impulskontrolle zuständig. Yvonne erklärt, dass dieser Bereich beim Hund weniger ausgeprägt ist als beim Menschen. Hunde können zwar Entscheidungen treffen, ihnen fehlen aber komplexe Konzepte wie Moral oder ein schlechtes Gewissen.

Mustafa fasst den Prozess zusammen: Ein äußerer Reiz trifft auf das Gehirn, wird im limbischen System emotional bewertet und löst eine unmittelbare Handlung aus. Ein Hund entscheidet sich nicht bewusst dafür, seinen Menschen zu „nerven“.

Von Reflexen und Emotionen: Warum dein Hund tut, was er tut

Aus den neurologischen Grundlagen leiten die Hosts ab, dass viele problematische Verhaltensweisen nicht persönlich genommen werden sollten. Wenn ein Hund an der Leine bellt oder bei einem lauten Geräusch flüchtet, ist das oft eine emotionale oder reflexive Reaktion und keine bewusste Handlung gegen den Menschen. Yvonne schildert ein Beispiel aus ihrer Ausbildung, bei dem eine Hündin sie wiederholt anging. Ihr Dozent erklärte damals, dass dies nichts mit ihr persönlich zu tun haben müsse, sondern durch bestimmte Trigger ausgelöst worden sein könnte.

Die beiden unterscheiden jedoch zwischen reflexhaftem Verhalten und erlernten Strategien. Wenn ein Hund zum Beispiel gezielt einen Gegenstand vom Tisch stiehlt und wegläuft, während er seinen Menschen anschaut, ist dies laut Yvonne oft ein erlerntes Verhalten, um Aufmerksamkeit zu erhalten, und kein reiner Reiz-Reaktions-Mechanismus.

Impulskontrolle: Mehr als nur Gehorsam

Ein zentrales Thema der Episode ist die Impulskontrolle - die Fähigkeit eines Hundes, einen inneren Impuls nicht sofort in eine Handlung umzusetzen. Yvonne definiert dies als das Lernen, mit körpereigenen Impulsen umzugehen, anstatt ihnen blind zu folgen (z.B. einem Reh nicht hinterherzujagen). Diese Fähigkeit ist, wie Mustafa ausführt, je nach Genetik, Reife und Erfahrung unterschiedlich stark ausgeprägt. Jagd- oder Hütehunde sind oft reizoffener und benötigen hier mehr Training als beispielsweise ein Bernhardiner.

Die Herausforderung im Training besteht darin, dem Hund ein alternatives Verhalten beizubringen, das sich für ihn mehr lohnt als das Ausleben des genetisch verankerten, selbstbelohnenden Impulses. Es geht nicht darum, den Hund nur zu hemmen, sondern ihm eine sinnvolle und lohnenswerte Alternative anzubieten. Yvonne erklärt, dass Impulskontrolltraining somit eine Art „Lebensversicherung“ und ein Beitrag zur Lebensqualität des Hundes ist.

Die Rolle von Stress und Emotionen im Lernprozess

Die Hosts differenzieren zwischen verschiedenen Arten von Stress. Mustafa erklärt, dass ein Hund unter hohem negativem Stress - wie akuter Angst, Panik oder starker Reizüberflutung - nicht lernfähig ist, da er sich im „Überlebensmodus“ befindet. In solchen Momenten sind die kognitiven Fähigkeiten blockiert.

Gleichzeitig, so Mustafa, ist ein gewisses Maß an positivem Stress (Eustress) notwendig, um überhaupt Motivation zum Lernen zu erzeugen, ähnlich wie bei Menschen vor einer Prüfung. Das Erlernen neuer, komplexer Fähigkeiten wie Leinenführigkeit ist für das Gehirn anstrengend und ermüdend - ein Zeichen für diesen Lernstress, wie Yvonne am Beispiel eines Workshops verdeutlicht. Entscheidend ist, dass der Hund in einem grundsätzlich entspannten Zustand ist, um neue Informationen aufnehmen und verarbeiten zu können.

Yvonne betont zudem die immense Bedeutung der Emotionen - sowohl des Hundes als auch des Menschen. Ein Hund lernt am besten und schnellsten, wenn er Freude dabei empfindet. Frustration seitens des Menschen führt hingegen zu einem Konflikt, in dem kein effektives Lernen stattfinden kann. Der Hund spiegelt oft die emotionale Verfassung seines Besitzers wider.

Praktische Schritte für ein erfolgreiches Training

Basierend auf den neurologischen Erkenntnissen leiten Yvonne und Mustafa konkrete Handlungsempfehlungen für den Trainingsalltag ab, um das Verständnis für den Hund zu nutzen und das Training fair und effektiv zu gestalten.

  1. Hab Geduld und nimm es nicht persönlich: Erinnere dich daran, dass viele Reaktionen deines Hundes nicht auf Sturheit, sondern auf Überforderung oder unkontrollierbare Reflexe zurückzuführen sind.
  2. Schaffe eine reizarme Lernumgebung: Beginne neues Training immer an einem ruhigen Ort wie dem Wohnzimmer. Steigere die Ablenkung erst dann, wenn das Verhalten dort sicher sitzt.
  3. Etabliere Routinen und Rituale: Klare und wiederkehrende Abläufe geben deinem Hund Sicherheit und helfen ihm, erwünschte Verhaltensweisen als feste Alternative zu impulsiven Reaktionen zu verankern.
  4. Fördere aktiv Entspannung: Sorge für ausreichend Schlaf und Ruhephasen. Ein ausgeruhter Hund ist konzentrierter und lernfähiger. Trainiere Ruhe gezielt als Grundlage für jedes weitere Training.
  5. Biete klare Alternativen an: Wenn du ein unerwünschtes Verhalten unterbrichst, zeige deinem Hund sofort, was er stattdessen tun soll. Belohne diese Alternative, damit er versteht, welches Verhalten sich lohnt.
  6. Achte auf deine eigenen Emotionen: Sei dir bewusst, dass deine Stimmung das Verhalten deines Hundes beeinflusst. Trainiere mit positiver Energie und ehrlicher Freude über kleine Fortschritte - das ist der stärkste Motivator für deinen Hund.

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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