Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser Episode des Podcasts HundeRunde widmen sich die Moderatorinnen Liza Gerlach und Mareike Klohr einem der fundamentalsten, aber oft missverstandenen Themen der Hundehaltung: der Notwendigkeit von Ruhe. Anhand von persönlichen Anekdoten und fundierten Erklärungen beleuchten sie, warum ausreichend Schlaf und Entspannung für das Wohlbefinden und das Verhalten eines Hundes entscheidend sind.
Die Episode richtet sich an alle Hundebesitzer, insbesondere an jene mit jungen, energiegeladenen oder frisch eingezogenen Hunden. Sie beantwortet die zentrale Frage, wie man einem Hund beibringt, zur Ruhe zu kommen, und warum ein Mangel an Entspannung oft die Wurzel für Verhaltensprobleme ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ruhe ist ein Grundbedürfnis: Hunde, insbesondere Welpen und Junghunde, benötigen deutlich mehr Ruhe als Aktivität. Ein Mangel daran führt zu Stress, Überreizung und Verhaltensauffälligkeiten.
- Überstimulation erkennen: Ein Hund, der ständig „unter Strom“ steht, kann Reize nicht mehr verarbeiten. Dies äußert sich oft in Leistungsschwäche, Reizbarkeit oder sogar Aggressivität, wie Liza am Beispiel eines überforderten Hundes im Urlaub erklärt.
- Der „Seufzer“ als Zeichen der Entspannung: Mareike hebt einen wichtigen Tipp von Liza hervor: Wenn ein Hund tief seufzt, ist das ein klares Indiz dafür, dass er wirklich loslässt und in die Entspannungsphase eintritt.
- Ein fester Ruheort ist essenziell: Ein Hund braucht einen sicheren, reizarmen Rückzugsort (wie eine Decke oder eine Box), der ausschließlich mit Entspannung verknüpft ist. Dieser Ort sollte nicht im Zentrum des Geschehens liegen.
- Deckentraining erfordert Konsequenz: Das gezielte Training, auf einem Platz zur Ruhe zu kommen, ist ein Prozess. Es erfordert Geduld und die konsequente, aber ruhige Anleitung des Besitzers, den Hund immer wieder auf seinen Platz zurückzubringen, bis er sich entspannt.
- Balance ist der Schlüssel: Ruhe-Training funktioniert nur, wenn der Hund zuvor artgerecht körperlich und geistig ausgelastet wurde. Ein unterforderter Hund kann nicht entspannen - das Ziel ist eine gesunde Balance aus Aktivität und Regeneration.
Warum Ruhe für Hunde überlebenswichtig ist
Liza eröffnet die Diskussion mit einer Anekdote, die ein weit verbreitetes Missverständnis aufzeigt: Viele Menschen glauben, ein Hund müsse pausenlos beschäftigt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Sie vergleicht den Mangel an Ruhe bei Hunden mit Schlafmangel bei Menschen: Man wird unkonzentriert, gereizt und sozial unverträglich. Ruhe ist für einen Hund nicht nur Schlafen, sondern auch entspanntes Liegen, Dösen oder Beobachten. In diesen Phasen, so erklärt Liza, regenerieren sich Gehirn, Muskeln und Organe. Die Herzfrequenz sinkt, und die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol wird reduziert. Ohne diese Regenerationsphasen ist der Hund permanent überreizt, was zu einer deutlichen Leistungsminderung und Verhaltensproblemen führen kann.
Anzeichen von Überforderung und wahrer Entspannung
Ein Hund, der zu wenig Ruhe bekommt, ist laut Liza „reizüberflutet“. Dies kann sich im Alltag oder besonders in neuen Situationen wie einem Urlaub zeigen: Der Hund, der normalerweise freundlich ist, wird plötzlich ruppig im Spiel oder knurrt andere Hunde an. Dies sei kein Zeichen von Bösartigkeit, sondern von purer Erschöpfung. Besonders Welpen, Junghunde und Senioren sind anfällig für solche Überforderung.
Im Gegensatz dazu gibt es klare Signale für echte Entspannung. Mareike teilt ihre prägendste Erkenntnis aus früheren Gesprächen mit Liza: der tiefe „Seufzer“. Dieser Moment, in dem der Hund hörbar ausatmet und sich fallen lässt, signalisiert, dass er die Verantwortung abgibt und zur Ruhe findet. Auch bestimmte Rituale vor dem Einschlafen, wie das Kratzen am Schlafplatz (Komfortverhalten) oder leises Brummen, sind normale Verhaltensweisen, die dem Hund helfen, sich auf die Ruhephase vorzubereiten.
Der Weg zur Ruhe: Das Deckentraining meistern
Der Schlüssel, um einem Hund Ruhe beizubringen, ist die Etablierung eines festen, sicheren Ortes. Liza empfiehlt, eine Decke oder eine Box als fixen Ruhepunkt zu definieren. Dieser Ort sollte an einer ruhigen Stelle in der Wohnung platziert werden, von der aus der Hund nicht das gesamte Geschehen überblicken muss. Wichtig ist, dass dieser Ort positiv verknüpft wird und der Hund sich dort wohlfühlt. Für Hunde, die sich gerne in Höhlen zurückziehen, kann eine Box ideal sein; für andere ist ein offenes Körbchen besser geeignet.
Das eigentliche Training, oft als „Deckentraining“ bezeichnet, erfordert Geduld. Mareike beschreibt, wie sie ihre Hündin Taylor anfangs mit einem Geschirr sanft auf ihre Decke zurückgeführt hat, sobald sie aufstehen wollte. Dies geschieht ohne Druck oder Strafe. Der Besitzer sollte zu Beginn in der Nähe bleiben, um Sicherheit zu vermitteln. Ziel ist es, dass der Hund lernt, auf seinem Platz zu bleiben, bis er wirklich entspannt ist und von selbst ruht.
Die entscheidende Rolle von Timing und Konsequenz
Liza unterstreicht die Wichtigkeit von Konsequenz mit einer eindrücklichen Geschichte über ihre frühere Hündin Nala. Sie begann das Deckentraining erst, als Nala bereits ein Junghund war. Die erste Trainingseinheit dauerte die Länge eines kompletten Harry-Potter-Films. Doch weil sie dranblieb, verkürzte sich die Diskussionszeit von Tag zu Tag. Die Lektion daraus: Es ist nie zu spät, aber man muss es durchziehen. Beide Moderatorinnen betonen, dass man dieses Training nur dann durchführen sollte, wenn man selbst entspannt ist und ausreichend Zeit hat. Der beste Zeitpunkt ist, wenn der Hund nach einem Spaziergang oder einer Trainingseinheit ohnehin müde ist.
Die Balance finden: Auslastung als Voraussetzung für Ruhe
Gegen Ende der Episode formuliert Liza eine entscheidende Bedingung für erfolgreiches Ruhe-Training: Ein Hund kann nur dann entspannen, wenn er vorher angemessen ausgelastet wurde. Einem Hund, dem es an körperlicher und geistiger Stimulation fehlt, Ruhe aufzuzwingen, führt zu Frust und macht das Training zu einer stressigen Erfahrung. Stattdessen würde der Hund bei der nächsten Gelegenheit mit aufgestauter Energie „explodieren“. Es geht also nicht darum, den Hund künstlich ruhigzustellen, sondern eine gesunde Balance zwischen anregenden Aktivitäten und notwendigen Erholungsphasen zu finden, die auf das Alter, die Rasse und den Charakter des individuellen Hundes abgestimmt ist.
Praktische Schritte zum erfolgreichen Ruhe-Training
- Den richtigen Ort wählen: Richte einen festen Ruheplatz in einer reizarmen Ecke deiner Wohnung ein, an dem dein Hund nicht ständig gestört wird.
- Das passende Hilfsmittel finden: Entscheide dich für eine Decke, ein Körbchen oder eine Box, in der sich dein Hund nachweislich sicher und wohlfühlt.
- Positiv verknüpfen: Gestalte den Ort von Anfang an als eine Oase der Ruhe. Hier wird nicht gespielt oder wild getobt.
- Den richtigen Zeitpunkt abwarten: Beginne das Training, wenn dein Hund bereits müde und ausgepowert ist, zum Beispiel nach einem langen Spaziergang.
- Konsequent, aber sanft anleiten: Schicke deinen Hund mit einem ruhigen Kommando auf seinen Platz. Bleibe anfangs bei ihm, um ihm Sicherheit zu geben.
- Geduldig bleiben: Wenn dein Hund seinen Platz verlässt, führe ihn kommentarlos und ohne Hektik wieder zurück. Wiederhole dies so oft wie nötig.
- Auf den „Seufzer“ achten: Warte, bis dein Hund sich sichtlich entspannt und tief seufzt. Erst dann hat er wirklich begonnen, loszulassen.
- Das Ende der Ruhephase: Dein Hund sollte erst dann wieder aufstehen dürfen, wenn er eine echte Ruhephase hatte - nicht, während er noch versucht, sich der Situation zu entziehen.