Wann Hundespiel kippt: Die wahren Gründe hinter Aufreiten und Rammeln

Lieblingsfolge: Ich bin hier der Boss! Dominantes Spielverhalten

Lieblingsfolge: Ich bin hier der Boss! Dominantes Spielverhalten

15. April 2026 · HundeRunde - Profitipps vom Hundecoach

Kennst du das auch? Du bist auf der Hundewiese oder im Stall, dein Hund tobt ausgelassen mit anderen - doch plötzlich kippt die Stimmung. Ein Spiel, das eben noch fröhlich wirkte, wird ruppig, dein Hund besteigt andere, und die Blicke der anderen Besitzer werden länger. Ist dein Hund ein kleiner Tyrann, der versucht, den Chef zu spielen? Genau diese Frage beschäftigt viele Hundebesitzer und steht im Mittelpunkt einer Episode des Podcasts HundeRunde.

In dieser Folge gehen die Moderatorinnen Liza Gerlach und Mareike Klohr der Hörerfrage von Isabelle auf den Grund. Ihre dreijährige Mini-Aussie-Hündin Bonnie zeigt im Spiel mit anderen Hunden ein Verhalten, das als dominant interpretiert wird: Sie steigt immer wieder auf andere Hunde auf und lässt sich davon nur kurzzeitig abbringen. Gemeinsam nehmen Liza und Mareike das Verhalten unter die Lupe und entwirren, was wirklich hinter solch einem vermeintlichen Dominanzgehabe steckt. Die Episode ist ein Muss für jeden, der die Feinheiten des Hundespiels besser verstehen und lernen will, wann und wie man als Mensch eingreifen sollte.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Dominanz ist selten die Antwort: Liza stellt klar, dass Aufreiten oder Rammeln im Spielkontext meist kein echtes Dominanzverhalten ist. Viel häufiger handelt es sich um eine Übersprungshandlung, die aus hoher Erregung und Überforderung entsteht. Der Hund weiß in dem Moment nicht, wohin mit seiner Energie.
  • Der Kipp-Punkt ist entscheidend: Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, den Moment zu erkennen, bevor das Spiel deines Hundes kippt. Lerne, die Anzeichen von Übererregung zu lesen, und rufe deinen Hund ab, bevor er das unerwünschte Verhalten zeigt.
  • Hütehunde sind besondere Spielpartner: Rassen wie der Australian Shepherd sind genetisch darauf ausgelegt, schnell zu reagieren und ein hohes Energielevel zu haben. Das macht sie anfälliger dafür, im Spiel schnell drüber zu sein und sich nicht mehr selbst regulieren zu können.
  • Vorsicht vor der Belohnungsfalle: Ein gut gemeinter Rückruf kann nach hinten losgehen. Wenn du deinen Hund erst rufst, nachdem er aufgeritten ist, und ihn dann belohnst, verknüpft er fälschlicherweise: Aufreiten führt zu einer positiven Interaktion mit dir.
  • Qualität vor Quantität im Spiel: Kürzere, aber dafür positive und kontrollierte Spieleinheiten sind weitaus wertvoller als stundenlanges, unstrukturiertes Toben, bei dem dein Hund lernt, über seine Grenzen zu gehen.

Mythos Dominanz: Was steckt wirklich hinter Bonnies Verhalten?

Isabelle beschreibt, wie ihre Hündin Bonnie im Spiel immer wieder auf andere Hunde aufsteigt - ein Verhalten, das oft vorschnell als dominant abgestempelt wird. Doch Liza, die als Hundetrainerin tagtäglich solche Fälle sieht, hat eine andere Vermutung. Sie erklärt, dass echtes Dominanzverhalten ganz anders aussieht: Es ist oft ruhig, von steifer Körperhaltung geprägt und dient dazu, eine Situation zu kontrollieren, nicht um im Spiel Dampf abzulassen. Bonnies Verhalten, das erst nach einer Weile des Spielens auftritt, deutet für Liza stark auf eine Übererregung hin. Sie vergleicht es treffend mit dem Spruch "Nach müde kommt doof". Wenn der Hund über einen gewissen Erregungspunkt hinaus ist, kann er seine Impulse nicht mehr steuern und greift auf instinktive Verhaltensweisen zurück, die ihm helfen, den inneren Druck abzubauen - wie eben das Aufreiten.

Lizas Analyse ist hier ein echter Augenöffner. Sie entlastet Hundebesitzer wie Isabelle von dem Gedanken, einen aggressiven oder machthungrigen Hund zu haben. Stattdessen rückt sie die eigentliche Ursache in den Fokus: Der Hund ist nicht böse, sondern schlichtweg überfordert. Diese Perspektive verändert alles, denn sie macht den Weg frei für eine lösungsorientierte Herangehensweise, die auf Management und Verständnis basiert, anstatt auf Bestrafung.

Die Kunst des Lesens: Körpersprache als Schlüssel zum Verständnis

Isabelle gibt zu, dass sie sich schwertut, die Körpersprache von Hunden präzise zu deuten - ein Gefühl, das viele von uns kennen. Liza betont, wie essenziell diese Fähigkeit ist. Sie widerlegt den alten Mythos, dass ein wedelnder Schwanz immer Freude bedeutet. Ein steif und schnell wedelnder Schwanz kann genauso gut hohe Anspannung signalisieren. Bei Bonnie, erklärt Isabelle, gibt es zwei typische Verhaltensmuster: Bei bekannten Hunden zeigt sie eine klassische Spielaufforderung mit Vorderkörper tief und Hinterteil hoch. Bei fremden Hunden macht sie sich jedoch groß, stolziert und wirkt sehr präsent. Liza deutet dieses Sich-groß-Machen nicht als Arroganz, sondern eher als eine Art Show. Es könnte ein erlerntes Verhalten sein, um Unsicherheit zu überspielen und Eindruck zu schinden - eine Art Bluff, der besonders bei kleineren Hunden zu beobachten ist.

Diese Beobachtung ist Gold wert. Sie lehrt uns, nicht nur auf eine einzelne Handlung zu schauen, sondern das Gesamtbild zu betrachten. Wie nähert sich der Hund? Ist seine Muskulatur locker oder angespannt? Wie sind die Ohren und die Rute positioniert? Wenn wir lernen, diese feinen Signale zu lesen, können wir den Kipp-Punkt erkennen, an dem aus einem entspannten Spiel eine überhitzte Situation zu werden droht.

Die Falle der Fehlverknüpfung: Wie wir unerwünschtes Verhalten unbewusst fördern

Ein besonders spannender Punkt in der Diskussion ist die Erkenntnis, dass Isabelles Managementstrategie - so gut sie gemeint ist - das Problem eventuell sogar verstärkt. Sie kann Bonnie zuverlässig aus der Situation abrufen. Was auf den ersten Blick wie ein großer Erfolg klingt, birgt laut Liza eine Gefahr: die Fehlverknüpfung. Wenn Bonnie aufreitet, Isabelle sie daraufhin ruft und dieser Rückruf - wie es sich gehört - positiv bestärkt wird, lernt Bonnies Gehirn eine unglückliche Kette: Das Aufreiten führt zu einer Belohnung (Aufmerksamkeit, Leckerli). Der Hund versteht nicht, dass der Rückruf das *vorherige* Verhalten unterbrechen sollte. Er verknüpft nur die unmittelbare Abfolge.

Hier wird deutlich, wie subtil Hundetraining sein kann. Es geht nicht nur darum, *was* wir tun, sondern auch um das *Wann* und *Wie*. Liza rät daher, die Strategie zu ändern: Statt eines freundlichen Rückrufs nach der Tat empfiehlt sie ein klares, emotionsloses Abbruchsignal in dem Moment, in dem das Aufreiten geschieht, gefolgt von einer Konsequenz, wie einer kurzen Auszeit.

Praktische Schritte: Ein Management-Plan für Bonnies Spielverhalten

Liza gibt Isabelle und allen Zuhörern einen klaren, umsetzbaren Plan an die Hand, um solch überdrehtes Spielverhalten in den Griff zu bekommen. Es geht weniger um starres Training als um kluges Management und das Verhindern von unerwünschten Verhaltensketten.

  1. Spieleinheiten managen: Halte die Spielsessions bewusst kurz. Beobachte deinen Hund genau und beende das Spiel auf einem positiven Höhepunkt, lange bevor er Anzeichen von Übermüdung oder Übererregung zeigt. Lieber fünf Minuten tolles Spiel als eine halbe Stunde Chaos.
  2. Den Kipp-Punkt erkennen lernen: Werde zum Detektiv der Körpersprache deines Hundes. Achte auf Anzeichen wie ein zu schnelles Tempo, fixierende Blicke, steifer werdende Bewegungen oder aufgestellte Nackenhaare. Das ist der Moment, um einzugreifen.
  3. Frühzeitig und positiv abrufen: Nutze dein Wissen über den Kipp-Punkt und rufe deinen Hund zu dir, bevor er das unerwünschte Verhalten (wie das Aufreiten) zeigt. Belohne diesen Abruf aus einer noch guten Spielsituation heraus überschwänglich. So lernt dein Hund, dass es sich lohnt, sich an dir zu orientieren.
  4. Richtig unterbrechen, wenn es doch passiert: Hast du den Moment verpasst, unterbrich das Aufreiten sofort und unmissverständlich. Liza schlägt vor, nicht den Namen zu rufen, sondern ein klares Abbruchsignal wie "Schluss" oder "Runter da" zu nutzen. Geh hin und nimm deinen Hund ruhig, aber bestimmt aus der Situation.
  5. Eine regulierende Auszeit einlegen: Nach einer Unterbrechung braucht dein Hund einen Moment, um wieder runterzukommen. Leine ihn an oder lass ihn neben dir Platz machen, bis seine Atmung ruhiger wird und er sich sichtlich entspannt. Erst dann kann das Spiel entweder komplett beendet oder für eine sehr kurze, kontrollierte Runde wieder freigegeben werden.
  6. Das Gesamtbild im Blick behalten: Achte auch auf andere Verhaltensweisen, die zur Erregung beitragen, wie das übermäßige Scharren nach dem Urinieren oder das steife Anpirschen an andere Hunde. Indem du diese Verhaltensweisen ebenfalls managst, verhinderst du, dass sich dein Hund von vornherein zu sehr aufheizt.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Wann ist Hundespiel eigentlich noch entspannt – und wann wird es zu viel? Genau diesem Thema widmen wir uns in dieser Lieblingsfolge.

Ausgangspunkt ist die Geschichte von Hündin Bonnie, die im Spiel immer wieder sehr kontrollierend auftritt. Liza erklärt, warum solches Verhalten nicht automatisch Dominanz bedeutet, woran ihr problematisches Spiel erkennt und wann es sinnvoll ist einzugreifen.

Passend dazu berichtet Liza im Intro auch von einem gelungenen Spielerlebnis mit Fred – und zeigt, wie wichtig stimmige, faire Hundekontakte sind. Eine hilfreiche Folge für alle, die Hundespiel besser einschätzen und ihren Hund sicher durch Begegnungen begleiten möchten.

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