250 Folgen HUNDESTUNDE: Ein Jubiläum als Anlass für tiefgründige Alltagsfragen

Manchmal sind es die runden Zahlen, die uns innehalten lassen. Die 250. Folge des Podcasts HUNDESTUNDE ist so ein Moment. Statt großer Feierlichkeiten wählt Moderatorin Conny Sporrer den Weg, der den Podcast so beliebt gemacht hat: Sie widmet sich mit einem Experten den Fragen ihrer Hörer:innen. Zu Gast ist diesmal Marcel Wunderlich von der Martin-Rütter-Hundeschule in Wiesbaden, der bereits in einer früheren Folge über seine Tierschutzreise nach Rumänien eindrücklich berichtet hat. Diese Jubiläums-Fragestunde zeigt perfekt, wie weit sich die Community entwickelt hat. Die Fragen gehen längst über Sitz und Platz hinaus und tauchen tief in die Psychologie des Hundes, die Nuancen des Trainings und die Ethik der Hundehaltung ein. Es geht um die großen und kleinen Sorgen, die uns als Hundemenschen umtreiben: vom stressgeplagten Vierbeiner im Auto bis zur philosophischen Frage, ob ein Leckerli zur falschen Zeit ein unerwünschtes Verhalten fördern könnte.

Diese Episode ist daher mehr als nur eine Sammlung von Tipps. Sie ist ein Spiegelbild einer informierten und reflektierten Hundeszene, die bereit ist, die eigene Rolle und das Verhalten ihres Hundes kritisch zu hinterfragen. Für dich als Hörer:in bedeutet das: Du bekommst nicht nur Antworten, sondern lernst, Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und eigene, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Stress beim Autofahren hat viele Gesichter: Wenn dein Hund im Auto hechelt und unruhig ist, muss nicht immer Reiseübelkeit oder Lärm die Ursache sein. Marcel weist darauf hin, dass ein mangelhaftes Körpergefühl und die ständige Anspannung, um die Balance zu halten, oft unterschätzte Stressfaktoren sind.
  • Ein erwachsener Tierschutzhund kann die sicherere Wahl sein: Besonders bei anspruchsvollen Aufgaben wie der Ausbildung zum Schulhund ist ein Welpe eine Wundertüte. Conny argumentiert überzeugend, dass ein bereits erwachsener Hund, dessen Charakter gefestigt ist, viel besser eingeschätzt und gezielt auf seine Eignung getestet werden kann.
  • Anhänglichkeit ist nicht gleich Kontrollzwang: Wenn dein Hund dir auf Schritt und Tritt folgt, ist das oft kein Zeichen von Dominanz, sondern von sozialer Verbundenheit oder Unsicherheit. Solange der Hund dabei entspannt ist und du ihn bei Bedarf auf seinen Platz schicken kannst, besteht meist kein Grund zur Sorge.
  • Belohnungen intelligent einsetzen: Ein bereits zuverlässig ausgeführtes Verhalten muss nicht mehr jedes Mal mit einem Leckerli belohnt werden. Manchmal, so die Diskussion um eine Hörerfrage, reicht ein lobendes Wort, um die positive Verknüpfung zu erhalten, ohne versehentlich eine unerwünschte Verhaltenskette zu fördern.
  • Die Perspektive macht den Unterschied: Die Episode zeigt wunderbar, wie unterschiedlich Probleme wahrgenommen werden. Während für den einen das Autofahren eine unüberwindbare Hürde darstellt, nimmt eine andere Halterin neun Monate Stubenreinheitstraining geduldig in Kauf. Dies unterstreicht, wie wichtig Geduld und eine positive Grundhaltung sind.

Der Hund im Auto: Mehr als nur Übelkeit und Lärm

Die erste Frage von Judith beschreibt ein Problem, das viele kennen: Ihr zweieinhalbjähriger Golden Retriever leidet sichtlich unter Stress beim Autofahren. Er hechelt, bleibt die ganze Zeit sitzen und meidet das Fahrzeug sogar phasenweise. Judith hat bereits alles versucht: verschiedene Autos, mit und ohne Box, positive Verknüpfungen durch Fahrten zu schönen Orten. Ihre Vermutung liegt bei den Fahrgeräuschen. Conny und Marcel öffnen hier eine völlig neue Perspektive. Marcel erklärt, dass es oft gar nicht die Übelkeit ist, die Hunden zu schaffen macht, sondern ein mangelndes Körpergefühl. Ein Auto ist ein wackeliger Untergrund, und gerade große, manchmal etwas tollpatschige Hunde wie Retriever müssen permanent ihre Muskulatur anspannen, um die Balance zu halten. Dieser Dauerstress ist enorm anstrengend.

Sein Rat ist daher unkonventionell, aber logisch: Statt nur am Auto zu trainieren, sollte Judith das Körpergefühl ihres Hundes generell stärken. Übungen wie Cavaletti-Training, das Laufen über Wackelbretter oder sogar das Fahren in einem Bollerwagen oder Fahrradanhänger können dem Hund helfen, mehr Stabilität und Selbstsicherheit in seine Bewegungen zu bekommen. Diese neu gewonnene körperliche Souveränität kann sich dann direkt auf das Wohlbefinden im Auto übertragen. Eine weitere Idee ist die Größe der Transportbox: Eine zu große Box bietet zu viel Raum zum Rutschen. Manchmal hilft es, die Box mit Kissen oder Decken so auszupolstern, dass der Hund sanft gestützt wird - ähnlich wie bei einem Thundershirt, das durch leichten Druck beruhigend wirken kann. Ich hatte meine Hündin Frida am Anfang nur mit einem Anschnallgurt im Auto. Mit einem Autowechsel kam der Stress, sie hechelte die ganze Zeit, drehte sich dauernd, hat sich dabei mit den Beinen im Gurt verheddert. Unsere Lösung war eine einfache faltbare Hundetransportbox, in der sie sich sehr wohl fühlt. Decken haben wir drin, sie kann sich frei bewegen und schläft meistens. Manchmal will sie gar nicht mehr rauskommen, so gemütlich ist das für sie. 

Therapiehund: Warum ein erwachsener Hund die sicherere Wahl sein kann

Birte, eine Lehramtsstudentin, steht vor einer großen Entscheidung: Welcher Hund eignet sich als zukünftiger Schulbegleithund? Sie schwankt zwischen einem Welpen vom Züchter, um von Anfang an alles richtig zu machen, und einem Hund aus dem Tierschutz, was ihr eigentlich am Herzen liegt. Ihre Sorge: Ein Tierschutzhund könnte durch fehlende positive Erfahrungen mit Kindern ungeeignet sein. Hier liefern Conny und Marcel eine erfrischende und wichtige Gegenperspektive. Conny stellt klar: Ein Welpe ist immer ein Überraschungspaket. Trotz bester Sozialisierung beim Züchter kann man nie mit Sicherheit vorhersagen, wie er sich in der Pubertät oder als erwachsener Hund entwickeln wird. Ein einziges negatives Erlebnis kann eine sorgfältige Prägung zunichtemachen.

Ein erwachsener Hund aus dem Tierheim oder von einer Pflegestelle ist hingegen ein offenes Buch. Sein Charakter ist bereits ausgereift, seine Stärken und Schwächen sind bekannt. Man kann ihn gezielt mit Kindern konfrontieren, sein Verhalten in stressigen Situationen beobachten und seine Eignung von einem erfahrenen Trainer einschätzen lassen. Das Risiko ist somit oft viel geringer als bei einem Welpen. Für einen Einsatz in der Schule kann auch die Optik eine Rolle spielen, wie Marcel anmerkt. Ein Hund, der dem Phänotyp eines Labradors oder Golden Retrievers ähnelt, wird von Kindern und Eltern oft schneller als freundlich und zugänglich wahrgenommen. Die Quintessenz ist klar: Der Tierschutz sollte bei der Suche nach einem Therapiehund auf keinen Fall ausgeschlossen werden - im Gegenteil, er bietet die Chance, einen bereits charakterlich passenden Partner zu finden.

Schatten auf vier Pfoten: Wann ist Anhänglichkeit ein Problem?

Liane beschreibt das Verhalten ihrer Hündin Motte, die sie aus dem Tierschutz übernommen hat. Motte hat enorme Fortschritte gemacht, ist aber zu Hause Lianes ständiger Schatten und folgt ihr von Raum zu Raum. Liane stört das nicht, sie sorgt sich aber, dass es für die Hündin Stress bedeutet. Marcel gibt hier eine beruhigende Einschätzung: Solange die Hündin sich im neuen Raum sofort wieder entspannt hinlegt und keine Stresssignale wie Hecheln, Gähnen oder Kratzen zeigt, ist dieses Verhalten unproblematisch. Es ist der natürliche Wunsch eines sozialen Lebewesens, in der Nähe seiner Bezugsperson zu sein. In Mottes Fall, einer ursprünglich unsicheren Hündin, ist Liane ihr sicherer Hafen.

Der entscheidende Faktor, den beide Experten betonen, ist die Kontrollierbarkeit. Die entscheidende Frage lautet: Könnte Liane ihre Hündin anweisen, auf ihrem Platz zu bleiben, und würde Motte dieser Anweisung folgen? Wenn ja, dann ist das Verfolgen eine freiwillige Handlung und kein zwanghaftes Kontrollverhalten. Das gezielte Training eines Bleib-Signals kann hier sogar das Selbstbewusstsein der Hündin stärken. Sie lernt, dass sie auch für kurze Zeit ohne die direkte Nähe ihres Menschen sicher ist. Das Fazit ist also eine Entwarnung: Wenn es weder Mensch noch Hund stört und die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens funktionieren, muss man nicht jedes Verhalten pathologisieren.

Die Kunst der Belohnung: Einblicke für fortgeschrittene Halter

Die letzte Frage von Chris ist ein Paradebeispiel für die reflektierte HUNDESTUNDE-Community. Sein Hund Fiete wartet vorbildlich an der Haustürschwelle, wenn Chris kurz das Haus verlässt. Bei seiner Rückkehr belohnt er ihn dafür. Nun fragt er sich, ob er damit nicht versehentlich das *Zur-Tür-Kommen* belohnt, was bei einem Hund mit territorialer Veranlagung kontraproduktiv sein könnte. Diese Frage zeigt ein tiefes Verständnis für die Feinheiten des Timings in der Hundeerziehung.

Marcel schlägt eine einfache, aber wirkungsvolle Lösung vor: Da das Verhalten bereits sehr zuverlässig ist, kann die Futterbelohnung eingestellt werden. Ein kurzes, freundliches "Gut gemacht" genügt, um das positive Gefühl aufrechtzuerhalten. Das macht die Situation weniger aufgeladen. Conny ergänzt die Idee, das Szenario gezielt als Training zu nutzen. Chris könnte zum Beispiel vor der Tür so tun, als würde er sich mit einem Phantom-Passanten unterhalten. Bleibt Fiete dabei ruhig, wäre das eine großartige Leistung, die dann auch wieder gezielt belohnt werden kann. So wird aus einer Alltagsroutine eine Möglichkeit, die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz des Hundes weiter zu stärken. Es geht also nicht um ein striktes Richtig oder Falsch, sondern darum, Belohnungen bewusst und je nach Trainingsstand des Hundes flexibel einzusetzen.

Praktische Schritte und Denkanstöße

Aus den Diskussionen lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, die du für dich und deinen Hund nutzen kannst:

  1. Bei Angst im Auto - denke über den Tellerrand hinaus:
    • Körpergefühl trainieren: Integriere gezielte Übungen wie Cavaletti, Balancieren auf verschiedenen Untergründen oder das Training auf einem Wackelbrett in euren Alltag. Ein stabiler Hund fühlt sich auch in einem wackeligen Auto sicherer.
    • Alternative Bewegungen testen: Finde heraus, ob dein Hund in einem Fahrradanhänger oder Bollerwagen entspannter ist. Das kann dir Hinweise geben, ob es wirklich das Auto oder nur die Art der Bewegung ist, die ihm zu schaffen macht.
    • Die Box optimieren: Sorge für eine passgenaue, gemütliche Box. Polstere sie bei Bedarf aus, um dem Hund Halt und Geborgenheit zu geben.
    • Training in Mini-Schritten: Beginne das Training neu. Setze den Hund ins Auto, starte den Motor für wenige Sekunden, schalte ihn wieder aus, belohne die Ruhe. Fahre nur wenige Meter. Geduld ist hier der Schlüssel.
  2. Den passenden (Therapie-)Hund finden:

    Wenn du einen Hund für eine bestimmte Aufgabe suchst, ziehe einen erwachsenen Hund aus einer Pflegestelle oder einem seriösen Tierheim ernsthaft in Betracht. Lasse ihn von einem Profi auf seine Eignung testen. Beobachte ihn in verschiedenen Situationen, besonders in denen, die für seine spätere Aufgabe relevant sind (z. B. in der Nähe von Kindern, in lauter Umgebung). Ein gefestigter Charakter ist oft wertvoller als ein unbeschriebenes Blatt.

  3. Umgang mit dem Kletten-Hund:

    Wenn dein Hund dir ständig folgt, prüfe zuerst seine Körpersprache. Ist er entspannt oder gestresst? Trainiere dann gezielt und positiv ein Bleib-Signal auf seiner Decke. Beginne mit sehr kurzen Momenten, in denen du nur einen Schritt weggehst, und steigere die Dauer langsam. So gibst du ihm die Sicherheit, dass es okay ist, auch mal allein in einem Raum zu sein.


Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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