Diensthunde, Polizeihunde & TV-Hundetraining: Wo endet Unterhaltung und wo beginnt das ethische Problem?

Ein Polizeihund, der auf den Hinterbeinen an der Leine zerrt, ein TV-Hundetrainer, der seine Kundin vor laufender Kamera herablassend korrigiert - solche Bilder prägen die öffentliche Wahrnehmung von Hunden und ihrem Training. Doch was verraten diese Darstellungen wirklich über den Zustand des Hundewesens, und wann wird aus Unterhaltung ein ethisches Problem? In einer neuen Recap-Folge ihres Podcasts Furminant nehmen die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack genau diese Fragen unter die Lupe. Ausgehend von der massiven Kritik an ihrer Folge über Diensthunde und den Eindrücken aus der TV-Landschaft, liefern sie eine tiefgehende Reflexion, die weit über oberflächliche Beobachtungen hinausgeht.

Diese Episode ist für alle Hundemenschen relevant, die kritisch hinter die Kulissen blicken möchten - sei es bei staatlichen Institutionen oder in den Medien. Im Zentrum steht die Frage: Welchen Standards müssen wir uns als Gesellschaft im Umgang mit Hunden verpflichten, und wie können wir manipulative oder problematische Darstellungen erkennen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Diensthunde als Zankapfel: Die Debatte um den hoch erregten Polizeihund aus einem Instagram-Reel zeigt einen tiefen Graben. Während die einen argumentieren, diese hohe Trieblage sei für die Arbeit unerlässlich, sehen Johanna und Alex darin ein Zeichen für mangelnde Impulskontrolle und enormen Stress für das Tier.
  • Die ethische Dimension: Die Diskussion wirft eine grundsätzliche Frage auf: Ist es noch zeitgemäß, Hunde als reine „Einsatzwerkzeuge“ zu betrachten, insbesondere in extrem stressigen Situationen wie bei Demonstrationen, wo sie selbst zur Gefahr werden können?
  • Die Macht der Inszenierung: Sowohl bei der Polizei als auch im TV wird ein bestimmtes Bild von Hundearbeit vermittelt. Alex kritisiert scharf, dass viele TV-Formate einen Heldenkult um den Trainer schaffen, anstatt die Hundebesitzer:innen wirklich zu befähigen.
  • Kommunikation ist alles: Ein zentraler Kritikpunkt an vielen TV-Trainern ist ihr herablassender und unsensibler Umgang mit den Menschen. Gutes Hundetraining, so betont Alex, ist zu 90 % Coaching für Menschen - eine Fähigkeit, die in diesen Formaten oft komplett fehlt.
  • Vom Zauberer zum Team-Coach: Echte und nachhaltige Trainingserfolge entstehen nicht durch schnelle Tricks eines Profis, sondern durch die geduldige Arbeit am Mensch-Hund-Team. Der Fokus sollte auf Empathie, Verständnis und der Vermittlung von Handlungsfähigkeit liegen, nicht auf der Zurschaustellung der Überlegenheit des Trainers.

Zwischen Werkzeug und Partner: Die Kontroverse um Diensthunde

Auslöser für die erste große Diskussion war ein kurzes Instagram-Video der Polizei, das einen Diensthund bei einer Übung in einer Eishalle zeigte. Der Hund zog extrem stark an der Leine, lief teilweise auf den Hinterbeinen und wirkte extrem gestresst und überdreht. Johanna und Alex stellten in ihrer ursprünglichen Folge die Frage, ob ein vierjähriger, fertig ausgebildeter Diensthund nicht mehr Selbstkontrolle zeigen sollte. Die Reaktionen darauf waren heftig und, wie Alex anmerkt, oft unsachlich und von sexistischen Kommentaren durchzogen (Hausfrauen-Muttis).

Die Kritik spaltete sich in zwei widersprüchliche Lager. Die einen verteidigten das Verhalten mit dem Argument, auch ein Diensthund habe mal einen schlechten Tag. Die anderen behaupteten, dieses hohe Erregungslevel sei normal und sogar erwünscht, da die Arbeit für den Hund bereits beim Aussteigen aus dem Auto beginne und man seinen Drive nicht hemmen wolle. Für Alex und Johanna wirft das eine entscheidende Frage auf: Was ist denn nun der Standard? Diese Widersprüchlichkeit lässt vermuten, dass es selbst innerhalb der Polizei keinen einheitlichen Konsens über Ausbildungsmethoden und das angestrebte Verhalten der Hunde gibt.

Noch tiefer geht die ethische Frage, die Alex aufwirft: Ist der Einsatz von Hunden, insbesondere im Schutzdienst bei Großveranstaltungen, überhaupt noch zeitgemäß? Er verweist auf Videos von Demonstrationen, in denen Polizeihunde völlig die Kontrolle verlieren, sich gegen die eigenen Führer wenden oder unkontrolliert um sich beißen. Wenn solche Hunde als reine Einsatzwerkzeuge betrachtet werden, deren Stresslevel für den Zweck in Kauf genommen wird, dann, so argumentiert Alex, ist das aus Tierschutzsicht eine Form der Ausbeutung. Es ist eine Debatte, die an gesellschaftliche Aushandlungsprozesse erinnert - ähnlich wie beim Strukturwandel im Kohlebergbau, wo Traditionen und Arbeitsweisen irgendwann neuen ethischen und ökologischen Erkenntnissen weichen mussten.

Johanna fügt eine persönliche und nachdenkliche Note hinzu. Bei ihrer Recherche und den Interaktionen in den Kommentarspalten stieß sie auf mehrere Diensthundeführer, deren Online-Aktivitäten eine antidemokratische und populistische Haltung offenbarten. Für sie war das ein Punkt, an dem eine sachliche Diskussion unmöglich wurde. Es unterstreicht die Komplexität des Themas: Es geht nicht nur um Hundetraining, sondern auch um die Werte und Haltungen der Menschen, die mit diesen Tieren arbeiten.

Heldenkult im Fernsehen: Warum viele Hundesendungen ein falsches Bild vermitteln

Anknüpfend an ihr Gespräch mit TV-Trainerin Eva Birkenholz in der Vorwoche, teilt Alex seine Beobachtungen aus dem Dschungel der Hundesendungen, die er für einen Kurs analysiert hat. Sein Urteil ist vernichtend und deckt strukturelle Probleme auf, die weit über einzelne Trainingsmethoden hinausgehen.

Das größte Problem, so Alex, ist die Zentrierung des Trainers. Die Sendungen sind oft so aufgebaut, dass der Trainer als unfehlbarer Held inszeniert wird. Mit Titeln wie internationaler Hundecoach wird eine Expertise suggeriert, die oft keiner Überprüfung standhält. Der Fokus liegt darauf zu zeigen, was der Trainer kann, während die Besitzer:innen des Hundes zu passiven, oft als unfähig dargestellten Statisten degradiert werden. Johanna erinnert sich an eine Sendung im WDR, die sie als extrem unangenehm empfand, weil der Trainer die Hilflosigkeit der Menschen ausnutzte, um seine eigene Überlegenheit zu demonstrieren. "Guck mal, bei mir klappt’s doch", scheint die ständige Botschaft zu sein, ohne den Menschen wirklich Werkzeuge an die Hand zu geben.

Alex untermauert seine Kritik mit einem kurzen Audio-Ausschnitt aus einer Sendung. Eine Frau soll ihren jagdlich ambitionierten Hund ansprechen. Als sie mehrfach "Mavie, Mavie" ruft, unterbricht der Trainer sie schroff mit: "Ja, ja, ne, das kannst du gleich sein lassen. Was ist das denn? Das ist falsch, schon falsch." Diese herablassende, demotivierende Art der Kommunikation ist laut Alex symptomatisch. Sie schafft ein Machtgefälle und verhindert echtes Lernen. Gutes Hundetraining ist Beziehungsarbeit und empathisches Coaching - das genaue Gegenteil von dem, was hier gezeigt wird.

Ein weiteres Problem ist die Darstellung von Schein-Erfolgen. Oft wird das eigentliche Problem (z. B. Leinenaggression) in der Sendung gar nicht gelöst. Stattdessen wird nach minutenlanger Konfrontation mit demselben Reiz eine minimale Verbesserung als großer Durchbruch verkauft. Oder der Erfolg wird komplett umdefiniert: Der Hund pöbelt zwar immer noch, aber die Besitzerin hat jetzt eine Freundin mit Hund gefunden. Das ist zwar sozial nett, hat aber nichts mit der Lösung des ursprünglichen Problems zu tun. Diese Verkürzung vermittelt ein völlig unrealistisches Bild von Trainingsprozessen.

Johanna rundet die Analyse mit einer persönlichen Anekdote ab: Sie erhielt einst eine Anfrage von einer Produktionsfirma, die für ein neues Format eine "weibliche Martin Rütter" suchte. Diese Formulierung allein zeigt, worum es der Branche oft geht: nicht um die Vermittlung von fundiertem Wissen, sondern um die Schaffung einer neuen, marktfähigen Heldenfigur.

Dein Kompass für Medieninhalte: Was Du mitnehmen kannst

Auch wenn diese Episode keine klassische Anleitung ist, bietet sie doch wertvolle Denkanstöße, um Medieninhalte rund um Hunde kritischer zu konsumieren. Hier sind ein paar Leitfragen, die Du Dir stellen kannst:

  1. Hinterfrage die Darstellung: Wenn Du ein Trainingsvideo oder eine Sendung siehst, frage Dich: Was ist das Ziel dieses Inhalts? Soll hier wirklich Wissen vermittelt oder primär eine Person oder Institution in ein gutes Licht gerückt werden? Wirkt die gezeigte Situation authentisch oder stark geschnitten und inszeniert?
  2. Achte auf die Kommunikation: Wie spricht der Trainer oder die Trainerin mit den Menschen? Ist der Ton respektvoll, empathisch und bestärkend? Oder ist er von oben herab, beschämend oder ungeduldig? Echte Profis holen die Menschen dort ab, wo sie stehen.
  3. Erkenne den Fokus: Steht die Entwicklung des Mensch-Hund-Teams im Mittelpunkt, inklusive Rückschlägen und Lernprozessen? Oder dreht sich alles darum, wie schnell und mühelos der Profi das Problem löst? Wenn es zu einfach aussieht, ist es wahrscheinlich nicht die ganze Wahrheit.
  4. Vertraue Deinem Gefühl: Wie Johanna und Alex betonen, steht es Dir zu, eine Meinung und ein Gefühl zu diesen Themen zu haben, auch wenn Du kein:e Expert:in für Diensthunde oder Fernsehproduktion bist. Wenn sich etwas für Dich falsch anfühlt - sei es der Stress eines Tieres oder der Umgang mit einem Menschen -, dann ist das ein valider Ausgangspunkt für eine kritische Auseinandersetzung.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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