Vom Spiel zum Sport - Der systematische Aufbau des Apportierens (Teil 2)

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
Mehr über das Projekt Petcaster

In dieser Fortsetzungsfolge des Podcasts Sitz! Platz! Bleibt! vertiefen die Hosts Nicole Borowy und Sami El Ayachi das komplexe Thema des Apportierens. Aufbauend auf den Grundlagen der letzten Episode, führen sie den Hörer durch die fortgeschrittenen Schritte des Trainings, die zur Wettkampfreife im Dummysport führen.

Die Episode zerlegt den Weg zur Dummy-Anfängerprüfung und zu den anspruchsvollen Workingtests in verständliche Einzelteile. Sie richtet sich an alle, die verstehen möchten, wie aus einem einfachen Bring-Spiel eine hochpräzise und kooperative Arbeit zwischen Mensch und Hund wird und welche mentalen wie technischen Herausforderungen dabei zu meistern sind.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Suchpfiff als Schlüsselkommando: Ein spezifischer Pfeifenton (z. B. „Tü-Tü, Tü-Tü“) wird gezielt darauf konditioniert, dem Hund auf Distanz das Signal zum Suchen zu geben.
  • „Markierung“ erfordert Steadiness: Der Hund muss lernen, die Flugbahn eines geworfenen Dummys zu beobachten („markieren“) und absolut ruhig zu warten, bis er das Freigabekommando erhält. Hohe Erregung zu kontrollieren, ist hier die zentrale Herausforderung.
  • Die Dummy-Anfängerprüfung hat vier Fächer: Um an Workingtests teilnehmen zu dürfen, muss eine Prüfung bestanden werden, die aus den vier Disziplinen „frei verloren Suche“, „Markierung an Land“, „Markierung am Wasser“ und „Appell“ (Fußarbeit und Gehorsam) besteht.
  • Wasserarbeit hat ihre Tücken: Eine besondere Schwierigkeit beim Apport aus dem Wasser ist es, zu verhindern, dass der Hund das Dummy fallen lässt, um sich zu schütteln. Dies wird gezielt und losgelöst vom Apport trainiert.
  • Workingtests sind unvorhersehbar: Im Gegensatz zur standardisierten Anfängerprüfung kombinieren Workingtests die erlernten Fähigkeiten in immer neuen, unbekannten Geländesituationen und Aufgabenstellungen.
  • Augen- vs. Nasenhunde erkennen: Nicole betont, dass man beobachten muss, ob ein Hund primär mit den Augen oder der Nase arbeitet, um gezielt die schwächere Fähigkeit zu trainieren.
  • Helfen als Lernchance: Bei Prüfungen und Workingtests als Helfer dabei zu sein, bietet eine unschätzbare Möglichkeit, von anderen Teams zu lernen und die Anforderungen besser zu verstehen.

Vom Voranschicken zur gezielten Suche

Die Episode knüpft an den Punkt an, an dem der Hund bereits gelernt hat, auf Kommando vorauszulaufen. Nicole erklärt den nächsten entscheidenden Schritt: die Einführung eines Such-Signals. Sie selbst nutzt einen spezifischen Pfiff, um dem Hund auch auf große Entfernung mitzuteilen, dass er in einem bestimmten Gebiet mit der Suche beginnen soll. Dieses Signal wird separat konditioniert, indem man Leckerlis im Gras auslegt und den Pfiff ertönen lässt, während der Hund bereits sucht. Die Überprüfung des Lernerfolgs erfolgt, indem man den Hund nur mit dem Pfiff zum Suchen animiert. Sami merkt an, dass das Arbeiten auf Distanz vom Menschen weg für manche Hundetypen eine besondere Herausforderung darstellt.

Die Markierung - Steadiness unter Ablenkung

Ein zentraler Baustein des Dummytrainings ist die „Markierung“. Hierbei beobachten Hund und Hundeführer gemeinsam, wie ein Dummy geworfen wird. Der Hund soll sich die Fallstelle merken und auf Kommando dorthin laufen. Die größte Herausforderung dabei ist die sogenannte „Steadiness“ - die Fähigkeit des Hundes, trotz der hohen Erregung durch das fliegende Objekt absolut ruhig und leise sitzen zu bleiben, bis die Freigabe erfolgt. Lautäußerungen wie Fiepen oder Jaulen sind in Prüfungen unerwünscht. Nicole betont, wie wichtig es ist, dieses Training dosiert aufzubauen, um den Hund nicht zu überfordern. Zudem differenziert sie zwischen „Augenhunden“, die sich stark visuell orientieren, und „Nasenhunden“. Um die Nasenarbeit bei einem visuell starken Hund zu fördern, nutzt sie einen Trick: Sie umwickelt einen Tennisball mit selbstklebendem Pfotenverband in Tarnfarben, um ihn für die Augen nahezu unsichtbar zu machen.

Die vier Disziplinen der Dummy-Anfängerprüfung

Bevor man an einem „Workingtest“ teilnehmen kann, muss eine standardisierte Prüfung bestanden werden. Diese besteht aus vier Fächern, die alle an einem Tag absolviert werden:

  1. Frei verloren Suche: Der Hund sucht ein zuvor ausgelegtes Dummy in einem definierten Gebiet.
  2. Markierung an Land: Ein Dummy wird geworfen, und der Hund muss nach Freigabe die gemerkte Fallstelle anlaufen und apportieren.
  3. Markierung am Wasser: Ähnlich wie an Land, nur dass das Dummy ins Wasser fällt. Eine besondere Schwierigkeit ist, zu verhindern, dass der Hund sich schüttelt, sobald er das Ufer erreicht. Nicole trainiert dies, indem sie den Hund ohne Dummy durchs Wasser ruft und ihn sofort ablenkt, bevor der Schüttel-Impuls einsetzt. Aus Tierschutzgründen ist dies relevant, da ein real verletztes Tier bei einem Ablegen entkommen könnte.
  4. Appell: Hier werden Gehorsam und Fußarbeit geprüft. Das Team geht bei Fuß, währenddessen fällt ein Schuss und eine Markierung. Man geht jedoch weiter, verändert die Position und erst dann wird der Hund geschickt. Dies testet die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis des Hundes unter Ablenkung.

Das Bestehen aller vier Teile ist erforderlich; bei Nichtbestehen eines Teils muss die gesamte Prüfung wiederholt werden.

Der Workingtest - Die Kür des Apportierens

Nach erfolgreicher Anfängerprüfung steht der Weg zu den Workingtests offen. Der entscheidende Unterschied, so erklärt Nicole, liegt in der Unvorhersehbarkeit. Während die Prüfungsfächer standardisiert sind, gestalten die Richter bei einem Workingtest immer neue und kreative Aufgaben. Sie kombinieren die bekannten Elemente - Suchen, Markieren, Wasserarbeit, Fußarbeit - in anspruchsvollem und unbekanntem Gelände. Das zwingt die Mensch-Hund-Teams, flexibel zu agieren und das Gelernte auf neue Situationen zu übertragen. Nicole berichtet aus eigener Erfahrung, dass sie anfangs von jedem Workingtest mit einer neuen „Baustelle“, also einem neuen Trainingsfokus, nach Hause gefahren ist. Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen ist oft mit Reisen verbunden, und Startplätze sind begehrt. Deshalb rät sie eindringlich dazu, sich als Helfer zu engagieren. Dies wird nicht nur bei der Startplatzvergabe oft bevorzugt, sondern bietet vor allem eine immense Lernmöglichkeit, indem man andere Teams beobachtet.

Praktische Schritte für das fortgeschrittene Training

  1. Den Suchpfiff etablieren: Verteile Leckerlis im Gras, lass deinen Hund suchen und gib dabei konsequent einen einzigartigen Pfeifton. Teste später, ob der Pfiff allein die Suche auslöst.
  2. Steadiness gezielt aufbauen: Beginne damit, dass dein Hund ruhig neben dir sitzt, während eine Hilfsperson in kurzer Distanz ein Dummy wirft. Gib ihn erst frei, wenn er vollständig ruhig ist, und steigere langsam die Schwierigkeit.
  3. Das Schütteln nach dem Wasserapport unterbinden: Rufe deinen Hund gezielt durchs Wasser (zunächst ohne Dummy) und belohne ihn sofort am Ufer mit etwas sehr Hochwertigem (z. B. einem Ball), bevor er sich schütteln kann. Alternativ kannst du ihn direkt beim Verlassen des Wassers in ein „Sitz“ bringen, um den Impuls zu unterbrechen.
  4. Fußarbeit unter Ablenkung festigen: Übe das „Bei-Fuß-Gehen“, während eine Ablenkung stattfindet (z. B. ein geworfenes Spielzeug). Gehe bewusst noch einige Schritte weiter, bevor du deinen Hund zur Belohnung oder zum Apport schickst.
  5. Geländewechsel trainieren: Schicke deinen Hund bewusst aus einfachem Gelände (z. B. flache Wiese) in anspruchsvolleres Terrain (z. B. hohes Gras, Gebüsch), damit er lernt, Barrieren selbstständig zu überwinden.

🔗 Zugehörige Folge(n)

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.